Wo ist Noah? Mutter aus Rostock sucht entführten Sohn in Beirut
Wo ist Noah? Mutter aus Rostock sucht entführten Sohn

Seit dem 14. August sucht Mariam Daoud aus Rostock ihren fünfjährigen Sohn Noah. Der Vater entführte ihn in Beirut. Die Mutter kämpft weiter – trotz fehlender Ermittlungen.

Die Sprachnachricht als größter Schatz

„Gute Nacht, Mami. Ich liiiiiiebe dich. Und ich vermisse meine Schwester Rana.“ Diese Sprachnachricht ist für Mariam Daoud derzeit einer ihrer größten Schätze. Immer wieder hört sie den Gutenachtgruß ihres Sohnes Noah. Sein Vater hatte ihn ihr geschickt, knapp einen Monat, nachdem er mit dem Jungen untergetaucht war.

Die 36-Jährige ist überzeugt: „Er hat Noah entführt.“ Am 14. August hat sie den Fünfjährigen zum letzten Mal gesehen, in Beirut. Seither sucht sie dort nach einer Spur. In sozialen Netzwerken appelliert sie auf Arabisch um Hilfe.

Kundgebung in Rostock und Unterstützung aus Deutschland

In Deutschland machen Freunde auf das Schicksal der Familie aufmerksam. Am 8. Oktober gab es eine öffentliche Kundgebung auf dem Gertrudenplatz. Mariam Daoud gehört dem Vorstand des Vereins Ökohaus e.V. an, der die Geflüchtetenunterkunft in der Satower Straße betreibt. Dort arbeitet die vierfache Mutter selbst.

Schon lange habe es Auseinandersetzungen mit ihrem aus Syrien stammenden Mann gegeben, erzählt sie. Er kritisierte die westliche Erziehung ihrer Töchter aus erster Ehe, wollte ihr verbieten, arbeiten zu gehen. „Obwohl ich bei uns das Geld verdient habe, nicht er.“ Psychoterror und Verbote nahmen zu.

Vorwürfe an Polizei und Jugendamt

Mehrmals floh Mariam Daoud in Frauenhäuser, einmal rief sie die Polizei, als ihr Mann drohte, die Wohnung anzuzünden. Nach einer weiteren Eskalation wurde er in Gewahrsam genommen. Die Mutter sagt: „Die Polizei hat es nicht ernst genommen. Und das Jugendamt hat sich nur auf meine Erziehungsfähigkeit konzentriert.“

Sie habe ihrem Ex-Mann den Kontakt zu Noah (5) und Rana (3) ermöglicht, um die Kinder nicht zu verlieren. Im Sommer stimmte sie einer gemeinsamen Reise zu, „natürlich mit getrennten Zimmern“. In Beirut sollte der Vater Verwandte treffen.

Verschwundene Pässe und Bargeld

Beim Friseur bekam sie ein komisches Gefühl. Ihr Ex-Mann hatte die Rechnung bereits bezahlt. Im Hotel war er mit Noah verschwunden. Wie sich herausstellte, fehlten alle Pässe der Familie und ein größerer Bargeldbetrag.

Bei der Anzeige in Beirut hieß es: „Ein Vater kann sein Kind gar nicht entführen.“ Das Schriftstück verschwand später. Ihr Ex-Mann rief an und erzählte, sie hätte ihn entführen lassen. Er sei in Katar, sie solle mit der Tochter kommen. Äußert sie Zweifel, bricht der Kontakt ab.

Keine öffentliche Fahndung

Eine libanesische Anwältin hat eine Anklageschrift eingereicht. Auch das tunesische Konsulat ist eingeschaltet. Unerklärlich ist, warum die Staatsanwältin sich weigert, öffentlich nach den beiden fahnden zu lassen. Die deutsche Botschaft habe keine echte Hilfe geboten.

Ihre Töchter hat sie nach Deutschland ausgeflogen. „Ich muss hierbleiben, ich kann nicht zurück, wenn ich in Noahs leeres Zimmer käme und seine Spielsachen sehen würde, aber ihn nicht, dann würde ich zusammenbrechen.“ In Beirut erlebe sie ein Wechselbad der Gefühle.

Sie weiß von anderen Müttern, die nach entführten Kindern suchen. Um Noah macht sie sich Sorgen wegen des Krieges im Libanon. In Rostock wäre er in diesem Herbst in die Vorschule gekommen. Freunde haben eine Spendensammlung auf Gofundme gestartet, bislang kamen knapp 3000 Euro zusammen.