Der Club Zwischenbau an der Erich-Schlesinger-Straße in Rostock schließt zum 31. Dezember 2026 endgültig. Damit verliert die Hansestadt eine Adresse für elektronische Musik, Konzerte und Jugendkultur. Die Betreiber Morten Heuer und Fabian Schikorr sprechen im Gespräch über schwindende Umsätze, ein verändertes Ausgehverhalten der Post-Corona-Generation und den Abschied mit einer letzten großen Party am letzten Tag des Jahres.
Finanzieller Druck und gestiegene Kosten
Die Entscheidung zur Schließung fiel nicht über Nacht, sondern war das Ergebnis eines langen Prozesses zwischen Hoffnung auf Besserung und roten Zahlen. Seit fast zwei Jahren kämpfen Heuer und Schikorr gegen sinkende Gästezahlen und drastisch gestiegene Betriebskosten.
„Wir haben reine Fixkosten von rund einer halben Million Euro im Jahr“, lässt Heuer blicken. „Im Vergleich zu den Einnahmen von vor drei, vier Jahren fehlen uns gleichzeitig allein an der Bar rund 150.000 Euro Umsatz jährlich.“ Die Menschen würden nicht mehr wie früher drei, vier Getränke zu sich nehmen, sondern nur noch eines oder zwei.
Weniger Gäste und verändertes Ausgehverhalten
Kamen früher an einem regulären Freitagabend zwischen 500 und 600 Feiernde in den Club, freue Heuer sich heute, wenn 300 Gäste kommen. Er sieht das Problem nicht im Angebot, sondern im immer kleineren Geldbeutel der Leute. Die allgemeinen Steigerungen bei Lebenshaltungskosten, Mieten und Lebensmitteln treffen das junge, oft studentische Publikum sehr hart. „Die Kaufkraft fehlt einfach und die Leute müssen genau überlegen, wofür sie ihr Geld ausgeben“, meint auch Fabian Schikorr.
Morten Heuer verweist zudem auf den „Corona-Effekt“: Eine ganze Generation junger Menschen habe während der Pandemie gelernt, privat zu feiern und nicht in Clubs. „Die haben einfach nie Party gemacht, so wie ich das noch erlebt habe“, meint der 26-jährige Mitbetreiber des Zwischenbaus.
Emotionaler Abschied und Zukunft des Ortes
„Ich bin wirklich traurig, dass wir schließen müssen“, sagt Morten Heuer. Man habe viel probiert, das Angebot stark erweitert und neue Formate entwickelt. Hinter der Entscheidung stand am Ende der Wunsch nach einem sauberen Schnitt: „Bevor wir auf eine in diesem Sinne ‚geplante Insolvenz‛ zusteuern, ziehen wir lieber erhobenen Hauptes einen ordentlichen Schlussstrich“, sagt Heuer. „Dieser schöne Ort hat ein würdiges Ende verdient.“
Der Zwischenbau blickt auf eine bewegte Geschichte zurück: 1974 erbaut und 1979 erstmals als Club eröffnet, war er einer ganzen Generation als Veranstaltungslokal und als Interklub bekannt. Später wurde daraus der Zwischenbau. Ab 2013 übernahm eine neue Führung, die den Staffelstab dann 2022 an Morten Heuer und Fabian Schikorr weiterreichte. Heuer war damals 21 Jahre alt.
Letzte Party und Mitarbeiterperspektiven
Seit jeher war der Zwischenbau auch ein Ort der Begegnung über das Partymachen hinaus. „Vor zwei Jahren haben hier zwei junge Frauen geheiratet“, berichtet Heuer. Schon der Vater einer der Bräute habe in dem Club geheiratet. Im Zwischenbau gab es Mal-Veranstaltungen, Spieleabende, Kinderpartys und regelmäßige Veranstaltungen für Jugendliche. „Es tut mir in der Seele weh, dass ein weiterer wichtiger Jugendort wegbricht“, meint Heuer.
Für die rund 20 Mitarbeiter des Zwischenbaus wollen die Betreiber alternative Beschäftigungen ermöglichen. „Den Festangestellten bieten wir an, in einer unserer Firmen weiterzuarbeiten“, so die Betreiber. Den Minijobbern wolle man innerhalb des Netzwerkes neue Arbeitsmöglichkeiten eröffnen. Heuer und Schikorr wollen auch künftig gemeinsam Veranstaltungen realisieren. Wie es mit dem Zwischenbau weitergeht, ist noch unklar. Mehrere Interessenten seien im Gespräch. Fest stehe aber: Ein Club wird es künftig nicht mehr sein. Die Betreiber wollen die Zeit bis zur Schließung intensiv nutzen, feiern und bekannte Formate ein letztes Mal ermöglichen. Schließen wird der Club mit einer großen Silvesterparty, für die Heuer und Schikorr frühere Weggefährten zusammenbringen wollen.