In den Wäldern rund um Rostock wachsen derzeit viele Champignons, auch Egerlinge genannt. Europaweit gibt es rund 60 Arten, in Mecklenburg-Vorpommern sind Dutzende heimisch. Die meisten sind wohlschmeckende Speisepilze, doch drei heimische Wildarten sind giftig und können nach dem Verzehr schwere Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen und Krämpfe verursachen.
Zwei sichere Erkennungsmerkmale
Die Rostocker Pilzberaterin Ria Bütow erklärt, wie man die Gift-Egerlinge erkennt: „Das Gute ist, sie lassen sich mit einem einfachen Test sehr gut erkennen.“ Entscheidend seien zwei wesentliche Merkmale.
Das hervorstechendste ist die intensive Gelbfärbung: „Schneidet man die Basis des Stiels an, verfärbt sich das Fleisch binnen weniger Sekunden auffallend Chromgelb“, so Bütow. Auch das Reiben am Hutrand erzeugt einen ähnlichen Effekt. Essbare Anis-Champignons gilben zwar auch, aber nur langsam und leicht. Bei den Gift-Egerlingen sei das Gelb extrem auffällig und erscheine sehr schnell nach dem Schnitt an der Knolle, dem untersten Teil des Pilzes. Dieses Gelb verblasst nach einigen Minuten wieder.
Geruch als zweites Indiz
Das zweite Erkennungsmerkmal ist der Geruch: „Gift-Egerlinge riechen sehr aufdringlich“, erklärt Bütow. In der Literatur wird der Geruch mit Karbol, Tinte, Pflaster oder phenolischen Desinfektionsmitteln verglichen. Essbare Waldchampignons riechen dagegen angenehm pilzig oder leicht nach Anis oder Mandeln.
Die Gelbfärbung entsteht durch Giftstoffe wie Phenol und Xanthodermin im Fleischgewebe. Diese sorgen auch für den typischen Geruch. Gelb werden kann übrigens auch das Gericht in der Pfanne, wenn ein Gift-Egerling zwischen den gesammelten Pilzen gelandet ist.
Worauf man beim Test achten sollte
Bei großer Trockenheit, sehr alten Pilzen oder stark geschädigten Knollen kann die Reaktion schwächer ausfallen. Auch junge Pilze entwickeln manchmal keinen starken Geruch. „Darum testet man am besten immer durch einen frischen Anschnitt direkt an der untersten Stielbasis“, rät Ria Bütow. „Es ist immer eine Frage des Zusammenspiels verschiedener Merkmale.“
Wer unsicher ist, kann sich in den nächsten Wochen an den Wochenenden zwischen 14 und 18 Uhr im Botanischen Garten von den Rostocker Pilzberatern helfen lassen. Zur Beratung sollte der ganze Pilz inklusive Stiel und Knolle mitgebracht werden. Listen und Kontaktdaten der lokalen Pilzberater finden sich auf den Internetseiten der Stadt und des Landesamtes für Gesundheit.