Am 2. November öffnet die „Hobbywelt Klevara“ in der Goerdelerstraße in Reutershagen. Conny Klee und ihr Sohn Michael verwirklichen damit einen lang gehegten Traum: Auf rund 100 Quadratmetern entsteht ein Treffpunkt für Sammler, Spieler und Modellbahner – mit einem Sortiment, das zu 90 Prozent aus Gebrauchtware besteht.
Ein Traum wird wahr
Wo zu DDR-Zeiten Blumen verkauft wurden, schlägt künftig das Herz für Sammlerstücke. Der eigene Laden war immer der Traum von Conny Klee und ihrem verstorbenen Mann Klaus. Nach der Wende „fehlte uns aber der Mut“, erzählt Klee. Ihr Mann sammelte leidenschaftlich Matchbox-Autos und war damit erfolgreich.
Nun fügte es sich: Conny Klee betrieb bereits einen Online-Handel mit Modellbahn-Sammlerstücken. „Und nun hat unser Lieblingsgeschäft, der Modellbahnladen von Stefan Hellwig am Gertrudenplatz schließen müssen.“ Zudem ist sie in Rente, und ihr Sohn wagte den Schritt in die Selbstständigkeit. „Da haben wir gedacht, jetzt machen wir eben ernst.“
Netzwerk aus Sammlerfreunden hilft
Was bisher vom 40 Quadratmeter großen Wohnzimmer der Klees organisiert wurde, verlagert sich nun in den Laden. Neben dem Online-Handel wollen Mutter und Sohn vor Ort Mangas, Lego, Animes, Spiele, Modellbahnen und mehr verkaufen. Unterstützt werden sie von einem Netzwerk aus Sammlerfreunden, die beim Renovieren helfen. „Ohne ihre Hilfe, würde das nicht gehen“, so Klee.
Nachhaltiges Konzept: 90 Prozent Gebrauchtware
Das Sortiment setzt auf Nachhaltigkeit: 90 Prozent der Ware sollen gebraucht vermittelt werden. „Und zehn Prozent circa wollen wir Neuware anbieten, vor allem bei den Spielen und den Modellbahnen“, erklärt Klee. Sohn Michael sieht das als bewusstes Statement gegen die Wegwerfgesellschaft: „Es ist viel zu schade, diese Stücke wegzuwerfen. Sicher, gerade im Modellbahn-Bereich muss man einfach auch Neuware haben, aber die fertigen Modelle haben nicht nur unglaublich viel Zeit und Liebe gekostet, sondern sind auch von hohem Sammlerwert.“
Der 30-Jährige arbeitete jahrelang bei Spiele Max und später im Online-Handel eines bekannten Klemmbaustein-Anbieters. „Die Leidenschaft für Modellbahnen und all sowas hat er mit der Muttermilch aufgesogen“, sagt Conny Klee.
Sammlungen vor dem Müll bewahren
Die Schätze beziehen die Klees über Ebay und ähnliche Börsen sowie über Kontakte, die sie und der verstorbene Klaus Klee aufgebaut haben – etwa zum Club der Eisenbahn- und Modellfreunde (CAM). „Da machen wir auch fast jedes Jahr bei den Veranstaltungen mit.“ Oft übernehmen sie komplette Sammlungen von Menschen, die ihr Hobby aufgeben oder die Spurweite wechseln. „Da ist es eigentlich immer das gleiche: Die Leute sind einfach nur froh, wenn ihre Arbeit und die vielen Stunden Basteln nicht einfach im Müll landen.“
Zukunft: Spieleabende im Hinterzimmer
Was bei den Kunden am besten ankommt, werde sich nach der Eröffnung zeigen, sagt Conny Klee. Langfristig soll neben Verkauf und Online-Handel ein Treffpunkt für gemeinsames Spielen entstehen, etwa für Trading-Card-Games oder Dungeons & Dragons. „Wir haben theoretisch ein Hinterzimmer, das jetzt erst einmal Lager sein wird und dürfen später auch die Außenfläche nutzen, wenn wir das wollen“, erklärt Klee. „Also mal sehen, was sich so ergibt.“
Nach 45 Arbeitsjahren als Blitz-Zustellerin will Conny Klee nicht aufhören. „Ach, das kann ich nicht“, meint die Mittsechzigerin. „Meine Freunde sagen immer: Du arbeitest noch bis ans Sterbebett.“ Aber, sagt sie mit Blick auf ihren Sohn, solange es beiden Spaß mache, sei es keine wirkliche Arbeit.