Die Rostocker Initiative Plastikfreie Stadt will Unternehmen zeigen, dass Nachhaltigkeit nicht nur der Umwelt hilft, sondern auch finanziell lohnt. Ein Hotel sparte durch Beratung 2,5 Tonnen Plastik pro Jahr ein. Über 40 Unternehmen aus acht deutschen Städten gehören bereits zum Netzwerk.
Weniger Müll, mehr Gewinn
Die 2020 gegründete Initiative berät Betriebe, Kommunen und Organisationen, wie sie ihren Einwegplastikverbrauch senken können. „Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, Unternehmen praxistaugliche Alternativen aufzuzeigen“, erklärt Samuel Drews vom Team. Das reicht von Mehrweggeschirr bis zum Verzicht auf doppelte Folierungen.
„Wir sehen da zum Teil irre Erfolge, auch finanziell, einfach nur, weil ein Unternehmen beispielsweise auf eine andere Verpackungsstärke bei seinen Produkten umgestellt hat“, so Drews. Die Scan Hotels Rostock sparten so 2,5 Tonnen Plastik pro Jahr ein.
Plastikinventur als Schlüssel
Das zentrale Beratungswerkzeug ist die Plastikinventur. Unternehmen erfassen ihren Plastikverbrauch, identifizieren Einsparpotenziale und entwickeln messbare Maßnahmen. „Wir sehen immer wieder, dass viele Unternehmen gar nicht wissen, was sie überhaupt an Müll produzieren“, erklärt Drews.
Zusammen mit der Kühne Logistics University Hamburg entwickelt die Initiative ein KI-gestütztes System zur Müllinventur in Krankenhäusern. „Mittels moderner Raumfahrtoptik wird der Müll hier direkt am Fließband analysiert“, so Drews. Er hofft, dass das Projekt auch die Universitätsmedizin Rostock interessiert.
Erfolge in Wuppertal und bei der Hanse Sail
Kürzlich gewann die Initiative eine Ausschreibung in Wuppertal für eine volldigitalisierte Open-Source-Mehrwegplattform. Die Stadt baut ihre Ausschreibung nun auf der Rostocker Lösung auf. „Das ist ziemlich cool“, freut sich Drews.
Seit 2022 arbeitet die Initiative mit dem Hanse Sail-Büro zusammen. Beim diesjährigen Warnow-Schwimmen kamen erstmals 3000 wiederverwendbare Becher und 1000 Recup-Schalen zum Einsatz, die für Vereine und Veranstalter bereitstehen.
Zukunft und Finanzierung
Die Initiative bangt wegen der Haushaltslage Rostocks um künftige Fördermittel. Um Eigenmittel zu stemmen, startete sie eine Kuscheltier-Aktion. Gefördert wird sie von der EU, der Stadt, der OstseeSparkasse und der Umweltlotterie.
„Wir arbeiten außerdem daran, uns finanziell weitgehend unabhängig zu machen“, so Drews. Bei Förderungen gehe es aber nicht nur um Geld, sondern „vorrangig um das Netzwerk und den Austausch“. Drews ist überzeugt: „Das kann auch ökonomisch tragen und neue Geschäftsfelder eröffnen.“