Klimaaktionstag in Rostock: Wasser bewegt die Hansestadt
Klimaaktionstag in Rostock: Wasser bewegt die Hansestadt

Der 18. Rostocker Klimaaktionstag lud am 26. September wieder zum Nachdenken über Klima, Umwelt und die Zukunft ein. Unter dem Motto „Wasser bewegt Rostock“ konnten sich Interessierte an Dutzenden Ständen in der gesamten Innenstadt über Klima, Wasser, Forschung und die Arbeit lokaler Vereine informieren.

Mathematik als Schlüsseltechnologie

Am Stand des Instituts für Mathematik der Universität Rostock erklärten die Mathematiker um die Professoren Jens Starke und Jan-Christoph Schlage-Puchta, wie Klimasimulationen mathematisch funktionieren. Drei Veranschaulichungen zeigten die Grundlagen: das Doppelpendel, die „Katastrophenmaschine“ und das Galtonbrett.

Das Doppelpendel veranschaulicht das Chaos und wie sensibel Simulationen auf kleinste Datenabweichungen reagieren. Das Galtonbrett zeigt, wie aus unzähligen Einzelereignissen verlässliche Prognosen entstehen können – die Kugeln verteilen sich immer ähnlich und bilden eine Glockenkurve.

Die „Katastrophenmaschine“ machte den von Klimawissenschaftlern gefürchteten „Kipppunkt“ erlebbar: Lange Zeit passiert scheinbar nichts, bis das System schlagartig und wahrscheinlich unumkehrbar einen massiven Sprung macht. Für Interessierte hatten die Mathematiker eine Bauanleitung vorbereitet.

„Ich glaub’ da ja eigentlich nicht so dran, an die ganzen Weltuntergangsszenarien“, meinte Heide L. beim Betrachten des Pendels. Sie habe allerdings nicht gewusst, „wie viel Mathe in der Klimaforschung steckt“. Jens Starke betonte: „Mathematik ist die ‚Schlüsseltechnologie‘ der Zukunft.“

Debatte um das Rechenzentrum in Dummerstorf

Nur wenige Meter weiter eröffneten Wissenschaftler die Diskussion zum Thema Umweltschutz am konkreten Beispiel des geplanten Großrechenzentrums in Dummerstorf. Dabei ging es um Landschaftserhalt, Gewerbesteuer, Stromverbrauch und den Wasserbedarf.

„Der Wasserbedarf ist tatsächlich auch unsere größte Sorge“, sagte Jessica Iredi, die mit ihrer Frau Annabell Iredi in Dummersdorf lebt. In einer ländlichen Umgebung mit vielen Landwirtschaften sorge sie sich um das Grundwasser. Auf der anderen Seite stellten die beiden Frauen klar: „Das ist eine wirklich wichtige Investition in die Zukunft und die Verantwortlichen versprechen sich auch sehr viel davon.“ Ihre Hoffnungen lägen auf den vertraglichen Vorbereitungen: „Da müssen all diese verschiedenen Aspekte unbedingt bedacht werden.“

Virtueller Tauchgang und Seegras-Projekt

Auf dem Neuen Markt präsentierten sich lokale Vereine, Unternehmen und Initiativen. Die Unterwasserarchäologen und Taucher der Gesellschaft für Schiffsarchäologie Rostock boten per VR-Brille einen virtuellen Tauchgang auf den Ostseegrund. Der Verein schützt in Zusammenarbeit mit Behörden und Landesämtern das Kulturgut unter Wasser.

Annalena Rügner und Jonathan Hansch von der Küsten Union Deutschland informierten über das Forschungsprojekt SeaStore, das Seegras wieder ansiedeln will, um die Biodiversität der Ostsee zu sichern.

Sabine F. aus Schmarl genoss mit ihren Kindern „das Schlendern mit Mehrwert“. Es sei toll, „dass man viel machen und lernen kann“. Auffällig sei nur, dass im vergangenen Jahr deutlich mehr Leute unterwegs gewesen seien. „Ich hoffe wirklich, dass das nur am Wetter liegt.“