Aus dem Schopf-Tintling, einem heimischen Waldpilz, lässt sich zu Hause echte Tinte herstellen. Die Rostocker Pilzberaterin Ria Bütow zeigt, wie das funktioniert. Der Pilz wächst von Mai bis November häufig in Grüppchen auf Wiesen, an Wegrändern, in Gärten und Parkanlagen.
Der schmelzende Pilz auf heimischen Wiesen
Der Schopf-Tintling, auch Spargelpilz genannt, sieht zunächst aus wie eine schuppige Kerze. Als junger Pilz ist er essbar, muss dann aber vollkommen fest sein. Sobald er ausreift, verflüssigt er sich von den Rändern her und schmilzt gewissermaßen. Dieser Prozess dient der Sporenverbreitung, da er Insekten anlockt oder die Sporenflüssigkeit vom Regen fortgespült und verteilt wird.
„Kinderleicht“: Tinte für zuhause selbst gemacht
Bei der 48. Landespilzausstellung in Rostock hat Ria Bütow aus dem Pilz gewonnene Tinte mitgebracht. Der Herstellungsprozess ist „kinderleicht“, wie sie sagt. „Ich packe die Hüte einfach in einen Behälter und warte, bis sie sich weitgehend aufgelöst haben“, erklärt die Fachfrau. Dann seihe sie den Sud ab, wobei sie darauf achte, dass kein Fleisch mehr in die künftige Tinte gerät.
Danach komme „einfach nur noch etwas Nelkenöl dazu, damit die Tinte angenehm riecht und haltbar ist“, so Bütow. Für den letzten Schliff, damit die Tinte etwas dickflüssiger und leichter zu nutzen ist, kommt abschließend noch etwas Gummi Arabicum, ein gängiges Bindemittel für Farben, Gouache oder Tusche, dazu. „Damit hält die Tinte auch besser auf dem Papier“, erklärt die Pilzberaterin.
Ergiebig und lichtbeständig
„Und das war es auch schon“, sagt Bütow. Die Tinte sei sehr ergiebig und auch haltbar. Sie ist lichtbeständig und eignet sich hervorragend für das Schreiben mit der Naturfeder.