Rostock: Kinderarzt Ingo Richter wird Ehrenbürger der Hansestadt
Rostock: Ingo Richter wird Ehrenbürger

Der Rostocker Arzt und Hochschullehrer Prof. Ingo Richter ist zum Ehrenbürger der Hansestadt ernannt worden. Die höchste Auszeichnung, die die Stadt zu vergeben hat, soll ihm Ende des Jahres verliehen werden. Anlässlich seines 90. Geburtstags am 15. Oktober würdigen auch Weggefährten und Freunde sein Lebenswerk.

Vom Wendeaktivisten zum Ehrenbürger

„Der Name des Rostocker Arztes ist eng mit dem Aufbruch im Herbst 1989 verbunden“, stellt Journalistin Anette Pröber die Leistungen von Prof. Ingo Richter heraus. „Mutig beteiligte er sich an der Besetzung der Stasi-Zentrale und wirkte an Runden Tischen mit.“ Richter sei nicht nur Mitgestalter des demokratischen Aufbruchs von 1989/90 gewesen, sondern auch Impulsgeber zahlreicher humanitärer und bürgerschaftlicher Projekte, so Pröber weiter.

So sei der engagierte Kinderarzt und Chef der Universitäts-Kinder- und Jugendklinik (1999 bis 2002) zahlreichen Rostockern als Initiator der Hanse-Tour Sonnenschein ein Begriff, die seit 1994 Gelder für krebs- und chronisch kranke Kinder sammelt. Im Laufe der Jahrzehnte wurden durch die Veranstaltung Spenden in Millionenhöhe gesammelt. „Wer einmal dabei war, weiß um das emotionale Erlebnis. Die Hilfsbereitschaft ist ansteckend“, sagt der Rostocker Unternehmer Marcus Diestel.

Verdienste um die Stadtgesellschaft

Der Öllermann der Jahresköste der Kaufmannschaft Rostock kennt Ingo Richter aus der gemeinsamen Arbeit in dem Verein. „Im Namen der Kaufleute gratuliere ich herzlich zur Ehrung, die nach 1990 nur weiteren fünf Rostockern zuteil wurde. Mit seinem vielfältigen sozialen Engagement ist er ein würdiger Träger der Auszeichnung“, so Diestel.

Richter, dem 2003 das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse verliehen wurde, gehört zudem zu den Gründern der Hanseatischen Bürgerstiftung, die bis heute Projekte der Kinder-, Jugend- und Altenhilfe, der Bildung und Kultur unterstützt. „Alles, was er anfängt, bringt er erfolgreich auf die Bahn“, würdigt Marcus Diestel das Engagement Richters.

Als Mitglied der Jahresköste der Kaufmannschaft begeistere er laut Pröber außerdem Unternehmer und Politiker, sich für die Hansestadt einzusetzen und Gutes zu tun. „Er besitzt eine außerordentliche Strahlkraft, ist zurückhaltend, charmant und vor allem immer zur Stelle, wenn er gebraucht wird“, sagt Diestel über Richter, der seit 1998 ununterbrochen im Vorstand der Kaufmannschaft mitwirkt.

Sechster Ehrenbürger nach der Wende

Laut Stadt sei „Ingo Richter ein Rostocker, der sich über viele Jahrzehnte in außergewöhnlicher Weise um die Stadt Rostock und ihre Zivilgesellschaft sowie über deren Grenzen hinaus verdient gemacht hat“, begründet die Stadt ihre Wahl. „Sein Wirken in der Zeit des politischen, demokratischen und gesellschaftlichen Umbruchs sowie sein humanitäres Lebenswerk sind untrennbar mit Rostock und der Stadtgesellschaft verbunden. Seine Verdienste haben eine bleibende Wirkung auch für viele nachfolgende Generationen entfaltet“, heißt es.

Nach der Wende ist Ingo Richter die sechste Person, der das Ehrenbürgerrecht Rostocks verliehen wird. Im Dezember 2018 wurde diese Ehre bereits Dietlind Glüer zuteil, im März 2017 dem Landesrabbiner Dr. William Wolff, im April 2012 dem Bundespräsidenten a.D. Jochim Gauck, im April 1994 dem Schriftsteller Walter Kempowski und im September 1993 dem Historiker Dr. Yaakov Zur. Bis 1989 wurde das Ehrenbürgerrecht laut Informationen der Stadt 18-Mal verliehen, erstmals 1816 an den Generalfeldmarschall Gebhard Leberecht von Blücher (1742 bis 1819).