Die Zukunft der geplanten Warnowbrücke im Rostocker Stadthafen ist nach einer erheblichen Kostensteigerung ungewiss. Statt der bisher veranschlagten 63 Millionen Euro soll das Projekt nach neuesten Schätzungen rund 88 Millionen Euro kosten. Die Rostocker Bürgerschaft wird sich Ende November in einer Sondersitzung mit dem Vorhaben befassen.
Kostenexplosion und Zweifel am Projekt
Die AfD-Fraktion in der Bürgerschaft hatte zuletzt die Sinnhaftigkeit des 540 Meter langen Prestigeprojekts angezweifelt. AfD-Mann Michael Meister befürchtet weitere Kostensteigerungen. Die Stadtverwaltung tritt dem entgegen und hält unmissverständlich am Brückenschlag über die Warnow fest.
„Auf Grundlage der derzeit vorliegenden Erkenntnisse gibt es keinen konkreten Anhaltspunkt für eine weitere Kostensteigerung“, erklärt Senatorin Ute Fischer-Gäde (Grüne) für Stadtplanung, Bau, Klimaschutz und Mobilität. Das vorliegende Angebot einer Bietergemeinschaft werde angesichts der Komplexität der Aufgabe als plausibel eingeschätzt. „Es enthält bereits einen Risikoaufschlag“, so die Senatorin, die in der Brücke ein „städtebauliches Highlight“ sieht. Der Bund der Steuerzahler MV hatte dagegen kürzlich gefordert, das „Millionengrab Warnowbrücke endlich zu stoppen“.
Prognosen und Verkehrsentlastung
Laut Fischer-Gäde spreche auch die Nutzerprognose für die Brücke. „Für den Fußverkehr liegt bereits eine aktualisierte Prognose von rund 1040 Personen täglich vor“, so die Senatorin. Eine belastbare Prognose für den Radverkehr werde zum Jahresende erwartet. Aktuelle Daten zeigten, dass der Radverkehr in Rostock weiter zunehme, während der Anteil der Wege mit dem Auto von 34 auf 27 Prozent gesunken sei.
Die Senatorin argumentiert, dass attraktive und direkte Radverbindungen für Rostock immer wichtiger würden. „Die Warnowbrücke ist dabei ein neuer und wichtiger Baustein für eine zukunfts- und leistungsfähige Verkehrsinfrastruktur in Rostock.“ Für die Einwohner von Gehlsdorf ermögliche die Brücke eine staufreie, schnelle und ganzjährig verlässliche Erreichbarkeit der Innenstadt mit dem Fahrrad innerhalb von 15 Minuten. Zudem würde das durch den Autoverkehr überlastete Straßensystem am Dierkower Damm/Petridamm entlastet. Die Stadtteile Gehlsdorf, Langenort und Toitenwinkel würden näher an die Innenstadt rücken und sogar „zu hochattraktiven Innenstadtlagen“ werden.
Sondersitzung der Bürgerschaft
Der für diesen Herbst geplante Baubeginn ist auf unbestimmte Zeit verschoben. Laut Stadtsprecher Ulrich Kunze hofft die Verwaltung auf eine Zusage des Bundes, dass die bisher zugesagte Förderung in Höhe von rund 37 Millionen Euro bestehen bleibe. Für den 26. November kündigt Kunze eine zusätzliche Sitzung der Bürgerschaft an, die sich ausschließlich mit dem Thema Warnowbrücke beschäftigen wird. Die Mitglieder müssen abwägen, was angesichts des defizitären Haushalts der Hansestadt noch möglich ist.