Warum ich für meinen Urlaub keine DDR brauche – und auch nicht die Ostsee
Warum ich keine DDR und keine Ostsee im Urlaub brauche

Es wird windig und kühl, Blätter wehen über die Mühlenstraße in Warnemünde. Der Herbst ist da – die Lieblingsjahreszeit des Kolumnisten. Die Sommertage mit den Touristenheeren sind vorbei, nur einzelne Besucher verlaufen sich noch an Strand und Promenade, in dicke Mäntel und Jacken gehüllt, mit einem warmen Tee oder stärkeren Getränken im Visier.

Die Zeichen stehen auf Sturm

Die roten Fahnen, die am Strand wehen, signalisieren Badeverbot und kein kommunistisches Regime. Wer weiß, was noch kommt. Die Zeichen stehen auf Sturm – nicht nur an der Küste. Bald wird es noch kälter und dunkler, die Zeit ist gefühlt schon auf Winterbetrieb umgestellt.

Der Autor freut sich auf zwei Wochen Urlaub in seiner Wahlheimat Polen, in Warschau, Krakau und ein bisschen Zakopane. Die polnische Ostsee lässt er diesmal weg, denn die Ostsee in Rostock hat er ja jeden Tag gratis.

Die DDR ist kein Thema

Was er in Polen nicht vermissen wird, sind sentimentale Erinnerungen an die DDR. Jedem seien sie auf der persönlichen Ebene (Familie, Freunde) zugestanden, aber wenn sich die Ostalgie auf die Politik ausdehnt, wird es kritisch.

In Polen stehen die Zeichen auf Zukunft. Niemand sehnt sich nach der Volksrepublik Polen zurück. Stattdessen versucht Polen, wirtschaftlich und politisch mitzuhalten bei dem, was sich in der Welt gerade tut – mit Erfolg.

Das Thema Sicherheit spielt eine Rolle. Jeder in Polen nimmt die Bedrohung durch Russland ernst. Die polnische Regierung empfiehlt den Bürgern schon lange, einen Rucksack vorbereitet zu haben, in dem sich die wichtigsten Besitztümer und Überlebensmittel befinden. Außerdem gibt es Unterschlupf-Tipps.

Kein Gorbatschow-Kult

Das ist aus Sicht des Autors keine Panikmache, sondern kluger Realismus. Es mag dem ein oder anderen Deutschen gut tun, Friedenslieder zu singen – im Kriegsfall nützt das wenig. Was nicht heißt, dass nicht alles unternommen werden sollte, um diplomatische Kommunikationskanäle zu Moskau zu bemühen.

Doch das ist leicht gesagt. Viele Polen halten die Bundesrepublik im Umgang mit Russland für naiv. Die große Gorbatschow-Verehrung hat man dort nie verstanden. Das Ende des Kalten Krieges wird in Polen der Gewerkschaft Solidarność und dem Wirken von Papst Johannes Paul II. zugeschrieben.

Vielleicht stellt der Autor am Grab von Kardinal Stefan Wyszyński, dem legendären polnischen Primas, eine Kerze auf – für den Weltfrieden und Erleuchtung in dunklerer Zeit.