Beim Gesundheitsquiz mit den Basketballprofis der Rostock Seawolves zeigten die Kinder der Jenaplanschule Rostock ihr Wissen: Auf die Frage, was schlechter für die Zähne sei – Pommes oder ein Stück Kuchen – riefen Dutzende Kinder im Chor: „Pommes!“
Tag der Zahngesundheit an der Jenaplanschule
Anlässlich des Tags der Zahngesundheit warben die Sportler bei den Kindern für Mundhygiene und gesunde Ernährung. Gemeinsam mit Mecklenburg-Vorpommerns Gesundheitsministerin Stefanie Drese (SPD), Stefanie Tiede, Präsidentin der Zahnärztekammer MV, und Michael Hewelt von der Landesarbeitsgemeinschaft für Jugendzahnpflege (LAJ) übergaben sie einen Fünf-Punkte-Plan zur Stärkung der Gesundheitsprävention in MV.
Hintergrund der Aktion ist die politische Initiative der Zahnärztekammer und der Kassen, die Gesundheitspräventionsarbeit an Schulen weiter zu stärken. „Wir suchen Wege, wie wir das Thema gesundes Körperbewusstsein noch besser in den Schulalltag integrieren können“, erklärt Tiede. Rückmeldungen aus den Schulen hätten gezeigt, dass ein weiteres Fach „kaum umzusetzen“ sei. Stattdessen solle das Thema alltagsnah verankert werden – etwa durch Fortbildungen für Lehrkräfte und den Ausbau bestehender Präventionsangebote.
Kinder sollen von sich aus einen Apfel verlangen
„Wir werden es nicht schaffen, die Eltern zu erreichen“, meint Tiede. Stattdessen müsse es gelingen, dass das Kind, ganz unabhängig vom Bildungshintergrund oder dem sozioökonomischen Status der Eltern zu Hause sagt: „Ich möchte lieber einen Apfel, als etwas Gezuckertes essen“. Ziel sei es, sich mit der Ministerin sowie Akteuren aus Schule, Kassen und Ärzteschaft an einen Tisch zu setzen.
Denn wie aktuelle Daten der AOK Nordost belegen, besteht weiterhin Handlungsbedarf bei der Zahngesundheit von Kindern im Land. Der AOK Nordost zufolge nahmen im Jahr 2025 lediglich 44 Prozent der bei ihr versicherten Kinder bis zu ihrem sechsten Geburtstag mindestens eine zahnärztliche Früherkennungsuntersuchung wahr, obwohl Anspruch auf bis zu sechs besteht. 44 Prozent seien zwar eine leichte Steigerung, so Drese, zeige aber auch „dass wir noch nicht alle Kinder erreichen“.
Behandlungsbedürftige Gebisse bei 15 Prozent der Kinder
Bei rund 15 Prozent der Kinder stellten die Zahnärzte 2025 ein behandlungsbedürftiges Gebiss fest. Um Früherkennungsuntersuchungen konsequenter nachverfolgen zu können, werden deren Ergebnisse seit Januar 2026 direkt im gelben Kinderuntersuchungsheft dokumentiert. Drese stellte klar, dass frühkindliche Bildung auch die Anleitung zu einer gesunden Lebensführung umfasse und darum seit 2019 auch im Kindertagesförderungsgesetz so festgeschrieben sei.
Die Zahnärzteschaft sei daher schon seit Jahren in Kitas und Schulen präsent, erklärt auch Tiede. Die Organisation von Untersuchungen in Kitas übernimmt dabei die LAJ. Neben dem Gesundheitsquiz mit den Sportlern der Seawolves konnten die Kinder der Jenaplanschule Autogramme ergattern, eine Brotbox befüllen und mit nach Hause nehmen sowie ihre alten Zahnbürsten gegen neue tauschen. Ziel war es, den Kindern einen „zuckerfreien Vormittag“ nahezubringen.
Präventionskonzept „16 plus 8“ und die Rolle der Schule
Dahinter steckt das Präventionskonzept „16 plus 8“: Danach sollen Kinder nach dem Zähneputzen abends eine achtstündige Schlaf- und Ruhephase einhalten und dann einen möglichst zuckerfreien Vormittag gestalten, um die Zähne über 16 Stunden hinweg zu schützen. „Das schützt nicht nur die Zähne“, sagt Tiede. Zucker sei zwar eine Form von Energie für den Körper, „aber eben auch ein Zellgift und ein Nährstoff für Krebs“. Deswegen sei es ganz prinzipiell gut, den Zuckerkonsum zu reduzieren. „Die Sportler der Seawolves sind dabei natürlich die idealen Multiplikatoren für eine gesunde Lebensweise.“
Martin Plant, Leiter der Rostocker Jenaplanschule, teilt diese Ansicht: „Durch den Ereignischarakter bleibt die Botschaft bei den Kindern natürlich viel länger präsent.“ Für ihn ist die Integration von Gesundheitsthemen im Schulalltag essenziell: „Das kann man nicht nur den Eltern, Ärzten und dem gesellschaftlichen Umfeld der Kinder überlassen“, ist er überzeugt. Schule müsse als Lern- und Lebensraum verstanden werden, in dem Grundregeln einer gesunden Lebensweise ganzheitlich und an wirklich alle vermittelt werden.