Handwerk in MV: Geschäftsklimaindex fällt auf Fünfjahrestief
Handwerk in MV: Geschäftsklimaindex auf Fünfjahrestief

Die Stimmung im Handwerk in Mecklenburg-Vorpommern trübt sich weiter ein. Der Geschäftsklimaindex ist binnen eines Jahres von 104,1 auf 98,2 Punkte gesunken – der schlechteste Wert seit fünf Jahren. Das geht aus der Herbst-Konjunkturumfrage der Handwerkskammern des Landes hervor.

Explodierende Material-, Energie- und Lohnzusatzkosten sowie die Zurückhaltung potenzieller Auftraggeber machen den rund 19.200 Handwerksbetrieben im Land zunehmend zu schaffen. Der durchschnittliche Auftragsvorlauf beträgt nur noch 9,6 Wochen – ein Jahr zuvor waren es noch 11,9 Wochen, sagt Jens-Uwe Hopf, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Ostmecklenburg-Vorpommern.

Kunden sparen, Aufträge fehlen

Friseure und Kosmetiker registrieren, dass Kunden längere Abstände zwischen ihre Besuche legen und sich auf die notwendigsten Leistungen beschränken. Auch andere Dienstleister berichten von einer höheren Sparneigung ihrer Kunden. Jeder dritte Betrieb erwartet weiter sinkende Umsätze. Die Folge: Jeder zweite Handwerker in MV plant absehbar keine Investitionen.

Im Bauhauptgewerbe erwarten 46 Prozent der Betriebe weiter sinkende Aufträge – ein Jahr zuvor waren es lediglich 36 Prozent. Nur noch ein Drittel der Baubetriebe schätzt die wirtschaftliche Lage als gut ein. Die aus dem „Sondervermögen“ versprochenen Investitionen müssten endlich bei den regionalen Baubetrieben ankommen, fordern die Handwerkskammern. Sie allein würden jedoch nicht ausreichen, um die Lage zu stabilisieren, dazu bedürfe es auch weiterer Aufträge aus dem Privatsektor.

Kfz-Handwerk: Ersatzteile sechs Prozent teurer

Nicht ganz so schlecht sieht es im Kfz-Handwerk aus, aber auch hier erwarten mehr als ein Drittel (36 Prozent) der Unternehmen eine schlechtere Geschäftslage – ein Jahr zuvor waren es nur 20 Prozent. Die Werkstatt-Auslastung habe sich verschlechtert, Ersatzteile seien um sechs Prozent teurer geworden. „Am Ende hat der Verbraucher nur einen Euro zum Ausgeben – für Werkstatt, Neuwagen oder Benzin“, umreißt Hopf das Problem.

Um die Sorgen der Handwerksbetriebe zu lindern, brauche es endlich verlässliche wirtschaftliche Rahmenbedingungen und damit Planungssicherheit, fordern beide Handwerkskammern im Land. So verspreche die Bundesregierung in ihrem Koalitionsvertrag eine Befreiung von der Stromsteuer, passiert sei nichts. Gleiches gelte für die Bonpflicht, die das Nahrungsmittelhandwerk nach wie vor besonders belastet. Und drittes Beispiel: Laut Koalitionsvertrag soll das Sonntagsbackverbot für Bäcker und Konditoren aufgehoben werden. „Bitte umsetzen, können wir nur fordern“, sagt Jens-Uwe Hopf.

Keine Entlassungswellen, aber mehr Ausbildungsverträge

Der Schweriner Handwerkskammer-Präsident Uwe Lange verweist darauf, dass es in Handwerksbetrieben trotz der sich wieder verschärfenden Krisenstimmung nach wie vor keinen Trend zu Entlassungswellen gibt. „Denn die Beschäftigten sind die wichtigste Ressource unserer Unternehmen.“ Bei drei Viertel der Handwerksbetriebe, die sich an der Befragung beteiligt hatten, sei der Personalbestand daher gleich geblieben, mehr als elf Prozent hätten sogar neu eingestellt.

Und es wird ausgebildet: 2092 bis zum 30. September 2026 von Handwerksbetrieben geschlossene Ausbildungsverträge seien noch einmal 4,4 Prozent mehr als 2025. „Wir können davon ausgehen, dass angesichts der KI-bedingten schlechten Prognosen für viele akademische Karrierewege der Zulauf Jugendlicher in die duale Ausbildung weiter zunehmen wird“, gibt sich Lange zuversichtlich.

Betriebe müssten aber darauf vertrauen können, dass politische Zusagen auch eingehalten werden. „Ausbildung und Beschäftigung wird angesichts steigender Löhne und immer höherer Lohnzusatzkosten immer mehr zu einer Herausforderung.“ Das Handwerk sei bereit, Verantwortung zu übernehmen und Veränderungen mitzugestalten. „Dafür braucht es aber einen verlässlichen politischen Kurs statt immer neuer Versprechen und Kursänderungen“, mahnt der Schweriner Kammerpräsident.

Erwartungen an die neue Landesregierung

Von der künftigen Landesregierung erwartet er unter anderem verlässliche Investitionen in die Berufsschullandschaft, Mobilitätshilfen für Auszubildende und die Verstetigung von Anreizinstrumenten wie Praktikumsprämie oder Meister-Extra. Auch für die fehlende Ausbildungsreife von Schulabgängern müssten endlich Lösungen gefunden werden.