Das Ringhotel Warnemünder Hof an der Ostsee erstattet seinen Gästen die An- und je nach Aufenthaltsdauer sogar die Abreisekosten – wenn diese direkt über die Hotel-Website buchen. Hoteldirektor Frank Martens erklärt, warum sich das für das Haus rechnet.
Marktmacht der Vermittler
Internationale Reisevermittler wie Booking.com dominieren den Markt, vor allem wegen ihrer Sichtbarkeit. „Booking.com ist einfach supererfolgreich und hat natürlich enorm viel personelle Kapazität und Geld, was in die Internetwerbung gepumpt werden kann“, sagt Martens. Die Portale vermitteln die Angebote und kassieren dafür im Schnitt etwa 15 Prozent Provision vom Zimmerpreis, oft sogar mehr.
Das Angebot für Direktbucher
Buchen Gäste direkt über die Hotel-Website, erstattet das Hotel ab drei Übernachtungen die Anreisekosten. Ab sechs Übernachtungen werden auch die Rückreisekosten übernommen. Grundlage ist die per Google Maps ermittelte Strecke, kalkuliert mit 7 Litern Kraftstoff pro 100 Kilometer. Erstattet wird bei Benzin 2,10 Euro pro Liter, bei Diesel ein etwas höherer Ansatz. E-Auto-Gäste können an den hauseigenen Ladesäulen kostenlos laden.
Warum sich der Rabatt lohnt
Martens rechnet vor: „Bei 580 Kilometern Anreise erstatten wir dem Gast, wenn er mindestens drei Tage bei uns nächtigt, rund 77 Euro.“ Bei Diesel etwas mehr. Bei einer Buchung über Booking.com müsste das Hotel bei fünf Nächten etwa 85 Euro Provision zahlen. Durch die Direktbuchung entfallen diese Abgaben, und das Hotel macht trotz Sprit-Rabatt Gewinn. Je länger der Aufenthalt, desto größer der Spareffekt.
Erstgäste und Sichtbarkeit
Fast alle, die das Angebot nutzen, sind Erstgäste. „Und das ist ja eigentlich das, was wir damit auch erreichen wollen“, so Martens. Man habe sich auf die aktuelle Aufmerksamkeit rund um das Thema Spritpreise gesetzt, „um mehr Sichtbarkeit für uns zu erreichen“. Jedes Hotel müsse aufpassen, dass die eigene Sichtbarkeit nicht nur über die Plattformen erreicht werde.
Booking.com bleibt wichtig
Trotz des Angebots bleibt Booking.com für die Reichweite zentral. „Die meisten Gäste informieren sich eben über Booking.com, welche Hotels es überhaupt in Warnemünde und Umgebung gibt.“ Eine deutsche oder lokale Alternative hält Martens zwar für wünschenswert, aber nicht für konkurrenzfähig: „Dafür sind diese Plattformen einfach zu groß.“
Das Feedback der Gäste sei „durchweg positiv“. Einige hätten sogar angegeben, sich wegen des Angebots für die Anreise mit dem Auto entschieden zu haben. Dass Menschen wegen hoher Spritpreise auf den Urlaub verzichten, sieht Martens nicht. Die eigentliche Herausforderung sieht er bei den Mitarbeitern: Als Arbeitgeber könne er nur den gedeckelten 50 Euro steuerfreien Sprit-Zuschuss auszahlen. „Aber seien wir mal ehrlich“, sagt er, „das ist heutzutage gar nichts mehr.“