50 Jahre Angelladen in Schwerin: Gerd Habeck will nicht loslassen
50 Jahre Angelladen: Gerd Habeck beißt nicht an (12.10.2026)

Seit 50 Jahren betreibt Gerd Habeck sein Angelgeschäft „Fische & Angeln Habeck“ – und das mit 80 Jahren noch immer. Der Laden im Eckdrift 41 in Schwerin ist sein Reich. Ein normales Arbeitsleben war für ihn offenbar zu kurz.

Vom Hobby zum Beruf

Angefangen hat alles mit einer Angelrolle seines Opas. Gerd Habeck war damals zwölf Jahre alt. „Es war eigentlich eine Schrott-Rolle“, erzählt er. „Aber die anderen Jungs hatten überhaupt keine Rolle an ihrer Angel. Ich war also der King.“

Nach der Schule wurde er Industriemeister und arbeitete Jahre in Hamburg. 1976 machte er in Ratzeburg sein Hobby zum Beruf. 20 Jahre führte er dort sein Geschäft, bevor er nach Schwerin zog. Seit 30 Jahren ist der Angel-Shop nun im Eckdrift 41 beheimatet.

Einzigartig in Deutschland

Zum Jubiläum bietet Habeck einen Großteil seiner 22.000 Artikel bis Jahresende zu Sonderpreisen an. Er ist überzeugt: „Ein Angelgeschäft, das in Deutschland ein einzelner seit 50 Jahren durchgehend betreibt, davon gibt es kein zweites.“

Sein Vater hatte ihm einst gesagt: „Ist das Leben schön gewesen, ist das viel Arbeit und Müh gewesen.“ Diesen Spruch hat Habeck offenbar verinnerlicht.

Vom Hamburger Preis zum Schweriner Laden

Nach der Wiedervereinigung kamen viele Angler aus dem Osten nach Ratzeburg. „Da kann ich auch gleich einen Laden in Schwerin aufmachen“, dachte sich Habeck. Doch die Mietpreise spielten zunächst verrückt – „Das waren Hamburger Preise“. Als sich die Preise beruhigten, schlug er in Schwerin zu. Im Erdgeschoss eines Neubaus kann er sich auf 600 Quadratmetern ausbreiten.

Kunden legen für den Weg zum Angel-Shop bis zu 80 Kilometer zurück. „Na gut“, so Gerd Habeck. „Jetzt bei den Benzinpreisen vielleicht nicht ganz so viel.“

Fachwissen und Leidenschaft

Gerd Habeck und sein Mitarbeiter René, der früher selbst Kunde war, versorgen die Anglerszene mit geballtem Fachwissen. Habeck war 71-mal zum Angeln in Norwegen, fischte in Irland und Afrika. Jahrelang gab er Lehrgänge für den Fischereischein und nahm Prüfungen ab.

Seine persönlichen Favoriten sind Raubfische: Zander, Hecht und Karpfen isst er gern. Nur mit dem Aal hat er sich vor vielen Jahren mal überfressen – an den kommt er heute nicht mehr ran. Habeck schwärmt von Mecklenburg-Vorpommern: „MV ist das beste Bundesland, was wir haben. Mein Vater wurde übrigens in Zarrentin geboren.“

Seit Jahren lebt der 80-Jährige mit seiner Lebensgefährtin in einem ausgebauten Bootshaus nahe der Müritz. Deshalb steht er nur vier Tage in der Woche im Laden. Im Geschäft hat er sich einen Fernseher und ein Bett eingerichtet, um nach Feierabend bleiben zu können. Meistens sitzt er nach Ladenschluss noch lange da und geht Bestelllisten durch – neben ihm liegt Freddy, sein Jack Russell.

Auf die Frage, wie lange er das noch durchhalten will, zuckt Gerd Habeck mit den Schultern. Den Angelladen will er schaukeln, solange er kann.