Mathias Brodkorb, ehemaliger Bildungs- und Finanzminister in Mecklenburg-Vorpommern, hat mit „Böse Wörter“ ein neues Buch vorgelegt. Darin setzt er sich mit Wörtern auseinander, die aus dem Sprachgebrauch verschwinden sollen – und stellt die Frage, wer das eigentlich bestimmt und ob das richtig ist.
Ein Buch über verbotene Wörter
In seinem neuesten Werk begibt sich Brodkorb auf eine Sprachreise. Er untersucht, was gerade mit der deutschen Sprache geschieht – mal philosophisch, mal spitzbübisch, oft tiefschürfend. Die Genese mancher Wörter scheint zu einem Fall für die Sprachpolizei geworden zu sein, die aber niemand ermächtigt hat.
Brodkorb geht es um die Wörter, die die Gesellschaft aktiv verschwinden lässt – sozusagen um die verbotenen Wörter. Die Idee zum Buch hatte der Patenonkel seiner Tochter: „Er sagte: Eigentlich musst Du mal das Buch ‚Das wird man ja wohl noch sagen dürfen!‛ schreiben. Das hat mich sofort überzeugt, weil das Thema viele Menschen bewegt. Der Titel ‚Verbotene Wörter‛ würde nicht tief genug bohren. Manche wollen Wörter verbieten, weil sie sie für böse halten. Aber das ist magisches Denken.“
Böse Wörter gibt es nicht
Böse Worte gibt es Brodkorbs Ansicht nach gar nicht. Ein Wort ist eine Abfolge von Buchstaben. Erst die Begrifflichkeit in unseren Köpfen macht es zu etwas: zu gut, zu böse oder zu einer simplen Erklärung für einen Gegenstand oder Vorgang. Denkt man das konsequent zu Ende, gibt es eher böse Menschen denn böse Worte.
„Niemand hat das Recht, erwachsenen Menschen Sprachvorschriften zu machen. Vor allem möchte ich auf unterhaltsame Weise zeigen, dass es keine bösen Wörter gibt. Wörter sind bloß unschuldige Sprachzeichen. Böse können nur Menschen sein. Deshalb ist der Streit um die Sprache auch sinnlos“, erklärt der Autor seine Absichten.
Ein Nazi-Eklat am Schauspielhaus Bochum
In einem der neun Kapitel kommt Brodkorb zu einem spannenden Fazit – anhand des Films „Das Kanu des Manitu“ von 2025, für den Bully Herbig extra echte Apachen engagiert hatte. Wenn auf der Theaterbühne nur Schwarze Schwarze spielen dürfen, nur Lesben Lesben und nur Indianer Indianer, habe diese Logik auch eine unappetitliche, aber logische Konsequenz: Man müsste dann ebenso Film- und Theaterrollen über Nazis mit echten Nazis besetzen. Alles andere wäre ja ebenfalls eine Form „kultureller Aneignung“.
Brodkorb: „Welch verrückte Konsequenzen die sprachphilosophischen Missverständnisse inzwischen nach sich ziehen, konnte man Anfang des Jahres 2026 am Schauspielhaus Bochum beobachten. Ein Schauspieler spielte einen Faschisten. Und das Publikum hielt ihn für einen tatsächlichen Faschisten. Die Sache endete in einem Eklat. Als der ‚Faschist‛ zu einem Monolog anhub, stürmten mehrere Zuschauer die Bühne und attackierten ihn auch körperlich. Die stellvertretende Intendantin des Theaters sah sich daraufhin genötigt, dem staunenden Publikum Folgendes zu erklären: Es befinde sich gerade in einem Theater und die Leute auf der Bühne seien Schauspieler. Eine Theateraufführung sei nicht die Realität.“
Geschichtsverfälschung im Namen der Demokratie
Das Buch geht auch auf Geschichtsverfälschungen ein. 2025 wurde in Berlin die Mohrenstraße in Anton-Wilhelm-Amo-Straße umbenannt. Es geht um eine Heldengeschichte eines schwarzen Sklaven, die sich aber so nicht belegen lässt. In den 1930ern nannten die Nazis die Mohrenstraße in Coburg um und entfernten den Mohren aus dem dortigen Stadtwappen, was nach 1945 rückgängig gemacht wurde. Was in der Hauptstadt als Rassismus gilt, ist in Bayern ein Beitrag gegen den Rassismus.
Auf die Frage, wie er es mit dem N-Wort halte, sagt Brodkorb: „Einmal fragte mich meine Tochter, was ‚N-Wort‛ bedeute. Also habe ich ihr erklärt, dass mit dem Wort ‚Neger‛ früher Menschen dunkler Hautfarbe bezeichnet wurden. Hätte ich das nicht getan, hätte sie doof sterben müssen. Sage ich ‚Neger‛ zu Menschen? Nein. Das Wort ist heute eher negativ konnotiert. Warum sollte ich meine Mitmenschen beleidigen? Sage ich ‚Negerkuss‛? Gewiss. In diesem Fall bezeichnet man ja keinen Menschen, sondern eine Süßigkeit. Und die kann man nicht beleidigen, egal wie viel Mühe man sich auch geben mag.“
Das Buch „Böse Wörter. Der Kulturkampf um die Sprache und seine Irrtümer“ ist im zu Klampen Verlag erschienen, hat 216 Seiten und kostet 24 Euro (ISBN 978-3987370694).