Grambower Moor: Vom Torfabbau zur Renaturierung
Grambower Moor: Vom Torfabbau zur Renaturierung

Das Grambower Moor südwestlich von Schwerin präsentiert sich heute vielen als unberührte Natur. Moorwald, dunkle Wasserflächen, Torfmoose, Wollgras und zwei Moorseen prägen das Bild. Doch dieser Eindruck täuscht. Die Landschaft wurde über Jahrhunderte genutzt, entwässert und vielerorts umgeformt.

Vom See zum Regenmoor

Das Moor erstreckt sich über 567 Hektar und zählt zu den bedeutenden Regenmooren in Mecklenburg-Vorpommern. Es entstand nach der Eiszeit in einer Senke, wo zunächst ein flacher See lag. Dieser wuchs nach und nach mit Pflanzen zu. Aus abgestorbenen Pflanzenresten bildeten sich über Jahrtausende mächtige Torfschichten. Später entwickelte sich daraus ein Moor, das hauptsächlich vom Regenwasser lebt.

Früher standen Mooren oft Arbeit, Brennstoff und Versorgung im Vordergrund. Torf wurde gestochen, getrocknet und verbrannt. Für viele Haushalte und Betriebe war er ein wichtiger Energieträger, besonders als Holz knapp wurde.

Torf als Energiequelle und die Folgen

Die Grambower Glashütte nutzte Torf von 1806 bis 1837 fast ausschließlich als Brennstoff. Später wurde Torf in großen Mengen nach Schwerin geliefert. Bis in die 1890er Jahre heizten Menschen und Betriebe mit Material aus dem Moor. Im Sommer sollen zeitweise bis zu 200 Arbeiter dort beschäftigt gewesen sein.

Damit Torf abgebaut werden konnte, musste das Wasser aus dem Moor weichen. Dafür wurden Gräben angelegt und Wasserläufe verändert. Das Moor wurde an ein Entwässerungssystem angeschlossen. Wege, Dämme und Abbauflächen kamen hinzu. Diese Eingriffe veränderten das Moor stark. Wenn ein Moor austrocknet, sackt der Boden zusammen. Im Grambower Moor sind solche Absenkungen teils auf etwa 1,3 Meter geschätzt worden. Zurück blieben Torfstiche, Wasserlöcher, unebene Flächen und die sogenannten Maschinenkuhlen aus der Zeit des maschinellen Abbaus.

Schutz und Renaturierung

Kurz vor dem Zweiten Weltkrieg sollte das Moor als Bombenabwurfplatz für Kampfflugzeuge aus Görries genutzt werden. Um das zu verhindern, wurden 1939 zunächst 313 Hektar unter Naturschutz gestellt. Nach 1945 wurde erneut Torf abgebaut, zunächst für Brennstoff, später für den Gartenbau. 1990 gab es Pläne, auf mehr als 200 Hektar weitere rund vier Millionen Kubikmeter Torf abzubauen. Diese Pläne wurden verhindert. 1992 endete die Frästorfgewinnung.

Im Herbst 1992 gründete sich der Förderverein Grambower Moor. Ab dem 1. Januar 1994 begannen die Renaturierungsarbeiten. Eine 15-köpfige Arbeitsbeschaffungsmaßnahme half bei den ersten Maßnahmen. Im Dezember 1994 wurde das Naturschutzgebiet auf die heutige Größe von 567 Hektar erweitert. Von 1994 bis 1998 wurden mehr als 140 Staue in Gräben eingebaut. Abflüsse wurden verschlossen, Wasserstände an den Moorseen stabilisiert. Die Stiftung Umwelt- und Naturschutz Mecklenburg-Vorpommern kaufte große Flächen an. Heute gehören ihr mehr als 243 Hektar des Gebietes.

Wasser und Artenvielfalt

Seit 2025 läuft ein weiteres Projekt zur Verbesserung des Wasserrückhalts. Ab 2026 werden zentrale Bauabschnitte umgesetzt. Geplant sind unter anderem Torfdämme, regulierbare Überläufe und das Verschließen weiterer Gräben. Auf etwa 105 Hektar sollen die Bedingungen für ein nasseres Moor verbessert werden. Das ist auch Klimaschutz: Trockener Torf zerfällt und gibt klimaschädliche Gase ab. Nasses Moor kann dagegen wieder Lebensraum für typische Pflanzen werden, etwa Torfmoose, Wollgras, Sonnentau oder Glocken-Heide.

Im Grambower Moor leben heute viele seltene Tiere, darunter Kraniche, Kreuzottern, Ringelnattern, Fransenfledermäuse, die Ural-Ameise und zahlreiche Libellen- und Schmetterlingsarten. Besonders auffällig ist die Hochmoor-Mosaikjungfer. Diese große Libelle ist auf nasse Moorbereiche mit Torfmoosen angewiesen und in Deutschland vom Aussterben bedroht. Besucher können das Gebiet über einen Rundweg und Moorlehrpfad erleben. Eine Ausstellung auf Gut Grambow informiert über Natur, Torfabbau und Renaturierung. Das Moor erzählt so von Energiegeschichte, harter Arbeit und den Folgen alter Eingriffe.