Josefine Großmann ist Haustiernanny in Schwerin und im nahen Umland. Seit April macht die 39-Jährige das hauptberuflich. Sie besucht Katzen, Hunde, Kaninchen, Vögel, Hamster und andere tierische Mitbewohner in deren vertrauter Umgebung, füllt den Napf, redet mit den Tieren und schreibt den Besitzern regelmäßig Nachrichten per WhatsApp.
Betreuung für Katzen und Hunde
Am häufigsten schaut Josefine bei Katzen vorbei, deren Besitzer verreist sind. „Katzen sind empfindlicher. Eine Einzelbetreuung zu Hause ist manchen lieber als die Pension“, erzählt sie. Hunde fahren dagegen oft mit in den Urlaub oder kommen in eine Pension. Doch auch das klappt nicht immer: Manche Einrichtungen sind ausgebucht, manche Hunde zu alt oder gerade läufig. Wer nicht kastriert oder geimpft ist, darf je nach Pension gar nicht einziehen.
Also kommt Josefine auch zu Hunden, deren Besitzer tagsüber lange arbeiten. „Manche Frauchen und Herrchen sind froh, wenn sie mittags nicht nach Hause hetzen müssen, um Gassi zu gehen“, so die Nanny. „Es gibt Hunde, die partout nicht gern allein sind. Für andere ist das gar kein Problem.“
Vertrauen und Kennenlernen
Einer zunächst wildfremden Frau den Schlüssel fürs eigene Haus oder die Wohnung zu überlassen, ist keine Kleinigkeit. Josefine weiß, dass das ein ziemlicher Vertrauensbonus ist. Könnten nicht Nachbarn oder Verwandte nach Hund und Katze schauen? „Manche machen das“, sagt Josefine. „Andere wählen ein Mischmodell. Morgens füttert zum Beispiel die Mutter, abends schau ich vorbei. Viele wollen ihre Angehörigen aber nicht ständig hin und her scheuchen. Auch die Nachbarn zu fragen, fällt etlichen schwer. Sie wollen kein Bittsteller sein.“
Bevor Josefine zum ersten Mal aufpasst, besucht sie die Tierhalter zu Hause. Sie lernt deren Lieblinge kennen und lässt sich von Frauchen und Herrchen ebenfalls beschnuppern. Dabei erzählt sie, wer sie ist und warum sie diesen Job so gern macht.
Hintergrund und Ausbau
In Zickhusen ist Josefine mit Tieren groß geworden. Zu ihrer Kindheit gehörten Katzen und eine Neufundländerhündin, mit der sie „immer ganz dicke“ war. Auch heute schnurren in ihrem Zuhause in Klein Medewege zwei Katzen. Die Familie hat sie aus dem Tierheim in Roggendorf geholt. „Wir waren ziemlich traurig, weil unsere alte Katze Püppi mit 17 Jahren gestorben ist, und dann mussten wir auch noch Abschied nehmen von unserer 13-jährigen Hündin Sam“, erzählt sie.
Beruflich hatte Josefine zunächst einen anderen Weg eingeschlagen. Sie arbeitete als Veranstaltungskauffrau und später in einer Hundeschule. Vor einigen Jahren fing sie nebenbei an, Tiere zu betreuen. Nach der Elternzeit fand sie nicht mehr so recht zurück ins Büro. Da fasste sie den Entschluss, sich endlich als Haustiernanny selbstständig zu machen. Seitdem ist sie viel unterwegs, von einem Hausbesuch zum nächsten. Auch an den Wochenenden.
Aus dem Wort Haustiernanny möchte Josefine gern mehr machen. Sie will eine Marke daraus entwickeln – für sich und andere, die ebenfalls Freude an der Tierbetreuung haben. Dafür hat sie Standards entwickelt, an denen sich Haustiernannys orientieren können. Dazu gehören die regelmäßigen Nachrichten an die Besitzer, wenn diese verreist sind. Auf Wunsch gibt es Fotos, kleine Texte oder Sprachnachrichten.
Zum Konzept gehört außerdem das Kennenlerngespräch vor dem ersten Einsatz. Dabei klärt Josefine auch, was im Notfall zu tun ist: Wo ist der nächste Tierarzt? Wo steht die Transportbox? Und wer ist erreichbar, wenn die Besitzer gerade am anderen Ende der Welt am Strand liegen? „Das tritt zwar selten ein“, sagt Josefine, „aber ich möchte vorbereitet sein, falls doch was mit dem Tier sein sollte.“
Die Idee könnte noch wachsen. Vielleicht entwickelt Josefine künftig ein Coaching, einen Fernlehrgang, ein Siegel oder eine Datenbank, über die Tierhalter Haustiernannys finden, die nach ihren Qualitätsstandards arbeiten. „Das steckt alles noch in den Kinderschuhen“, sagt sie. Starthilfe gibt sie schon jetzt gern. „Wer sagt, der Job ist so toll, den würde ich auch gern machen, darf sich gern bei mir melden“, so die Schwerinerin.