Nach 27 Jahren: Kunzi räumt seine Räucherkammer in Schwerin aus
Nach 27 Jahren: Kunzi räumt seine Räucherkammer aus

In der Lortzingstraße in Schwerins Paulsstadt stapeln sich vor dem Lokal Stühle und Inventar. Drinnen helfen viele Menschen beim Ausräumen. An der Wand hängt noch eine Wandzeitung im Stil der Bild-Zeitung zum zehnjährigen Jubiläum von Kunzi's Räucherkammer. „Unglaublich! Fantastisch! Kunzi's Kneipe wird zehn Jahre“, steht auf dem Plakat von 2009, darunter viele Glückwunsch-Unterschriften.

Kunzi hört mit 80 Jahren auf

Das 30. Jubiläum wird die kleine Kneipe nicht erleben. Wirt Wolfgang Kunz, genannt Kunzi, sagt mit stoischer Ruhe: „Nach 27 Jahren ist irgendwann mal Schluss.“ Er sitzt im Gewusel, während viele Hände beim Ausräumen helfen.

An der Decke hängt noch ein übergroßer Dartpfeil. Die Dartscheiben und der Fernseher sind schon abmontiert. In der Räucherkammer spielten regelmäßig zwei Dartmannschaften. Bier und andere Getränke gab es für wenig Geld, an der Theke wurde geschnackt und geraucht. Regelmäßig wurden die Karten für Preisskat herausgeholt.

Aus gesundheitlichen Gründen Schluss

Kunzi stand bis Ende Juli hinter dem Tresen. Auf die Frage nach den Gründen für die Schließung sagt er ruhig: „Hallo, ich bin 80, irgendwann ist meine Gesundheit auch nicht mehr die beste.“ Wehmut schwingt mit: „Wenn du das 27 Jahre machst, da hängen viele Erinnerungen dran.“ Eine Helferin ruft „Trauerstimmung“, die Männer nicken stumm.

Angefangen hat das Lokal vor 27 Jahren als Kunzi's Kneipe. „Der Name Räucherkammer hängt mit dem Rauchverbot zusammen“, berichtet der Wirt. Nach einem bundesweiten Gerichtsurteil wurde die Kneipe zu einem Vereinslokal umgewidmet und ein Verein gegründet. Danach lief alles weiter wie gewohnt und es wurde weiter geraucht.

Neue Domizile für die Dartmannschaften

Die Kneipe lief trotz versteckter Lage und niedriger Preise gut. Ein Interessent wollte übernehmen, „doch der hat kalte Füße bekommen“, sagt Kunzi. Auch weil die Miete deutlich angehoben werden sollte.

Das Mobiliar kommt auf den Sperrmüll. „Ist eigentlich schade drum, aber das ist 30 Jahre alt, das will keiner mehr“, bedauert Kunzi. Auf die Frage nach seiner Zukunft antwortet er knapp: „Garten“. Dann überlegt er: „Im Winter weiß ich dann nicht. Vielleicht schwimmen gehen?“

Die beiden Dartmannschaften haben neue Spielorte gefunden. Die Dartlöwen kommen im „House of Darts“ im Stadtteil Görries unter, die Spiders werfen ihre Pfeile künftig im Treffpunkt Nord. Wenn das letzte Inventar abgeholt ist, bleibt nur ein leeres Lokal zurück – und es gibt ein Stück Kneipenkultur weniger in Schwerin.