ReBride in Schwerin: Gebrauchte Brautkleider für die zweite Braut
ReBride in Schwerin: Gebrauchte Brautkleider für die zweite Braut

Ein prüfender Blick auf den Saum, dann wandern die Hände weiter über den feinen Tüll. Janine Guschewski schaut sich das Brautkleid ganz genau an. Spitze, Reißverschluss, Nähte – alles muss stimmen. Die Besitzerin steht daneben und erzählt von ihrer Hochzeit. Damals war sie schwanger, das Kleid mit Spitze und Tüll trug sie nur an diesem einen Tag. Danach wurde es professionell gereinigt – entsprechend gut ist sein Zustand. „Das sieht richtig, richtig gut aus“, sagt Guschewski. Das Kleid darf bleiben. Wenig später gehört es zu den Hochzeitskleidern, die bei ReBride in der Friedrichstraße 22 auf eine zweite Braut warten.

Brautkleider müssen nicht im Schrank verschwinden

Hinter ReBride steckt ein einfaches Prinzip: Brautkleider, die nach der Hochzeit meist im Schrank verschwinden, sollen weitergetragen werden. Guschewski verkauft sie auf Kommission. Die ehemalige Braut gibt ihr Kleid ab, gemeinsam wird ein Verkaufspreis vereinbart. Findet sich eine neue Besitzerin, erhalten beide Seiten ihren vorher festgelegten Anteil. Rund 30 Kleider hatte Guschewski bereits zum Start im Bestand, weitere sind angekündigt. Dabei achtet sie genau darauf, was sie aufnimmt.

Saum, Nähte und Reißverschluss müssen in gutem Zustand sein. Denn ReBride soll kein klassischer Secondhandladen sein. Die Kleider sollen hochwertig sein und auch die Anprobe soll sich weiterhin besonders anfühlen.

Die Idee entstand aus eigener Erfahrung

Die Idee entstand aus Guschewskis eigener Erfahrung. Vor drei Jahren heiratete sie selbst und gab viel Geld für ihr Brautkleid aus. Danach hing es im Schrank. „Was mache ich denn jetzt damit?“, fragte sie sich. Ihre Schwester hatte ihr Kleid in einem nachhaltigen Brautmodengeschäft in Hamburg gekauft. Guschewski gefiel das Konzept. „Ich dachte: Cool, das wäre es doch für Schwerin.“

Vor rund einem Jahr wurde aus der Idee langsam Realität: Guschewski bewarb sich beim Wettbewerb „Erfolgsraum Altstadt“ und gewann. Die 46-Jährige kennt Schwerin gut. Hier geboren, zog sie nach der Wende mit ihrer Familie nach Hamburg, lebte später in Frankfurt am Main und kehrte schließlich mit ihrem Mann – ebenfalls einem Schweriner – in die Heimat zurück.

Viele Angebote waren zu teuer

Für ReBride fehlte nur noch der passende Raum. Viele Angebote waren zu teuer, bis sich die Möglichkeit in der Friedrichstraße 22 ergab. Dort betreibt die dreifache Mutter das Geschäft neben ihrem Hauptberuf im Qualitätsmanagement. Anproben gibt es nach Vereinbarung, zusätzlich ist einmal im Monat ein offener Samstag geplant.

Für zukünftige Bräute soll ReBride einen entscheidenden Vorteil gegenüber dem Kauf im Internet haben: Sie können die Kleider anfassen, anprobieren und sehen, wie sie tatsächlich sitzen. Vor einem Termin fragt Guschewski nach der benötigten Größe und stellt passende Modelle zusammen. Rund anderthalb Stunden plant sie für eine Anprobe ein. Bei Änderungswünschen kann sie Kontakte zu Schneidereien vermitteln. Die Auswahl reicht über verschiedene Größen und Stilrichtungen – von Spitze und Tüll bis zu schlichteren Modellen.

Hochzeitskleider für weniger als 1000 Euro

Einige Kleider wurden nur einmal getragen, andere sind sogar noch ungetragen und haben ihre ursprünglichen Etiketten. Preislich sollen die Kleider bei höchstens rund 1000 Euro liegen, viele kosten weniger. Gerade bei Modellen, für die ursprünglich 2000 oder 2500 Euro bezahlt wurden, kann die Ersparnis groß sein. Und manchmal wird Guschewski selbst zur Vermittlerin: Fehlt einer Interessentin etwas Geld zum Wunschkleid, würde sie bei der ehemaligen Braut nachfragen, ob beim Preis noch etwas möglich ist.

Denn Guschewski möchte nicht einfach gebrauchte Kleider verkaufen. Mit Sitzecke, Musik, Begleitung und ausreichend Zeit soll auch die Suche nach einem Secondhand-Brautkleid zum Erlebnis werden. „Mir ist wirklich wichtig, dass die Braut weiß, dass wir hier nicht so dieser klassische Secondhand-Store sind“, sagt sie.

Für Guschewski ist ReBride zugleich die Möglichkeit, sich neben Beruf und Familie etwas Eigenes aufzubauen. „Ich habe etwas gesucht, wo ich mich noch mal so ein bisschen verwirklichen kann.“ Besonders die Begegnungen mit den Kundinnen treiben sie an: „Die Menschen sind superlieb. Alle happy, sie haben etwas Schönes als Ziel.“