Nach einer Brustkrebsdiagnose gründeten drei Schwerinerinnen die Selbsthilfegruppe „Schweriner Mutmacherinnen“. Aus einer kleinen Kaffeerunde entstand ein Netzwerk, das heute 81 Frauen in einer WhatsApp-Gemeinschaft vereint. 55 von ihnen sind Mitglieder des eingetragenen Vereins, der seit Oktober 2025 besteht.
Diagnose verändert alles
Für Katrin Wendel, genannt Kati, begann alles im April 2022 mit einem kurzen Satz ihrer Frauenärztin: „Das sieht nicht gut aus.“ Eigentlich wollte die Schwerinerin nur schnell zwischen zwei Arbeitsterminen zur Vorsorge. Doch nach einer langen Stille während des Ultraschalls stand plötzlich eine schreckliche Vermutung im Raum. „Von da an war ich irgendwie wie weg“, erinnert sie sich. „Auf einmal war da dieses Gefühl, dass ich sterben muss.“
Schon ein halbes Jahr zuvor hatte sie einen Knoten in ihrer Brust ertastet. Doch immer kam etwas dazwischen: Weihnachten, der Alltag, ein verschobener Arzttermin. Inzwischen hatte sich sogar die Haut an einer Stelle nach innen gezogen. Mammografie, Biopsie und schließlich die Gewissheit: Brustkrebs. „Ich bin morgens aufgewacht und habe gedacht, vielleicht war das alles nur ein schlechter Traum“, erzählt sie.
Vom Austausch zur Gemeinschaft
Eine Freundin, die selbst Brustkrebs hatte, begleitete Kati zu ihren Arztterminen. „Sie war mein zweites Paar Ohren“, sagt sie. Nach der Operation folgte die Chemotherapie. Doch es fehlte ihr etwas Entscheidendes: „Ich brauchte irgendwie jemanden, dem es gerade genauso geht wie mir.“
Über Instagram kam sie mit Susi in Kontakt, die ebenfalls an Brustkrebs erkrankt war. Ihre Chemotherapien verliefen nahezu zeitgleich. Als aus dem Brustzentrum die Anregung kam, eine Gruppe für jüngere Brustkrebspatientinnen aufzubauen, holte Susi ihre Freundin Anka dazu. Beim ersten Treffen im Januar 2023 saßen bereits knapp 20 Frauen zusammen.
Die Frauen unternehmen Ausflüge, walken gemeinsam um den Ziegelsee oder verbringen Achtsamkeitswochenenden im Kloster. „Es erfüllt mein Herz“, sagt Kati. Doch eines betont sie: „Ohne Susi und Anka hätte ich das nie gemacht.“
Leuchtendes Zeichen beim Musikklub
Am 29. September sprach Kati beim letzten Musikklub des Jahres auf dem Schweriner Markt über ihre Erkrankung und eine Zahl: Etwa jede achte Frau erkrankt im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs. Mit Unterstützung von Musikklub-Organisator David Kramer wurden im Publikum Leuchtstäbe verteilt – jeder achte Besucher hielt einen leuchtenden Stab in die Höhe. „Ich war so gerührt“, erzählt Kati. „Das ist auf einmal das, was ich immer sehen wollte.“
Im Brustkrebsmonat Oktober werben die Mutmacherinnen unter anderem auf den Bildschirmen der Schweriner Straßenbahnen mit der Botschaft „Go Pink – Geh zur Vorsorge“. Beim Heldenmarsch am 10. Oktober unterstützten mehrere Frauen die Veranstaltung. Kati hofft, dass andere Frauen früher reagieren, als sie es damals getan hat: „Wenn wir da irgendwie drei, vier Frauen mit erreicht haben, vielleicht doch zur Vorsorge zu gehen, haben wir das erreicht, was wir wollten.“ Für ihr Engagement erhielt sie Anfang 2026 einen Ehrenpreis der Krebsgesellschaft Mecklenburg-Vorpommern.