Zuckersteuer: Kinderärztin Kerstin Holze fordert Investition in Sportstätten
Zuckersteuer: Kinderärztin fordert Investition in Sportstätten

Die Bundesregierung hat die Einführung einer Zuckersteuer beschlossen. Kerstin Holze, Kinderärztin aus Schwerin und Vize-Präsidentin des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), erwartet davon sinkende Zuckergehalte in Getränken. Zugleich fordert sie, die Einnahmen in die Zukunft von Kindern und Jugendlichen zu investieren.

Erwartungen an die Zuckersteuer

Holze sieht die Zuckersteuer als wichtigen Baustein für ein gesundes Leben, ebenso wie die Förderung von Sport und Bewegung. Bisherige politische Bemühungen, den Zuckergehalt in Softdrinks zu senken, seien nicht erfolgreich gewesen. Die 2018 eingegangene freiwillige Selbstverpflichtung der Industrie, den Zuckeranteil bis Ende 2025 um 15 Prozent zu senken, wurde nur im Durchschnitt erreicht. Viele überzuckerte Bestseller seien unverändert geblieben. Im internationalen Vergleich liege Deutschland weiterhin beim Zuckerkonsum über Softdrinks an der Spitze.

Konkret erwartet die Kinderärztin, dass mit der Einführung der Zuckersteuer ab April 2027 nicht pauschal die Preise für zuckerhaltige Getränke steigen, sondern – analog zu den Entwicklungen in Großbritannien – der Zuckergehalt in den Getränken sinken wird. Die Wirtschaft werde versuchen, die Preise stabil zu halten, um den Absatz zu sichern.

Gesundheit von Kindern und Jugendlichen

Der Zuckergehalt in Getränken, insbesondere in Softdrinks, sei eine für viele unbekannte und unbeachtete Kalorienfalle, so Holze. Sinken der Zuckeranteil und damit die beim Trinken aufgenommenen Kalorien, sei das ein wichtiger Beitrag für eine gesunde Ernährung aller und besonders für ein gesundes Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen.

Auf die Frage nach ungesunden Süßstoffen in Getränken antwortet sie, die Vielfalt sei zu groß, um pauschal zu antworten. Die Zuckersteuer mache es aber nicht überflüssig, darauf zu achten, was man trinke. Vielen sei nicht bewusst, dass ein Liter Apfelsaft pur genauso viele Kalorien habe wie eine Tafel Schokolade.

Keine Gängelei, sondern Schutz

Zero-Produkte, die vermeintlich nicht süß seien, seien nicht automatisch gesund. Grundsätzlich gehörten solche Softdrinks aus ihrer Sicht gerade im Kindes- und Jugendalter nur für besondere Tage auf den Tisch – zur Geburtstagsfeier, beim Essen gehen, zu Weihnachten. Sie seien nichts für den täglichen Speiseplan von Kindern und Jugendlichen, egal ob Zero-Produkt oder echter Zucker. Kinder sollten nicht an den Geschmack von Zucker gewöhnt werden.

Den Vorwurf der Gängelei sieht Holze anders. Jeder volljährige Mensch sei frei zu tun, was er für richtig halte – rauchen, Alkohol oder Softdrinks konsumieren. Das sei legitim. Aber es sei auch legitim, dass jeder die Risiken und Nebenwirkungen seines Verhaltens selbst trage. Dann sei es richtig, dass der Staat sich die Kosten ernährungsbedingter Krankheiten über die Zuckersteuer zurückhole. Bei Kindern sei die Ausgangslage anders: Sie könnten noch nicht erkennen, ob es eine gute oder schlechte Entscheidung sei, täglich zwei Liter Softdrinks zu trinken. So wie der Gesetzgeber festgelegt habe, dass Kinder im Auto auf einem Kindersitz fahren müssen – nicht um sie zu gängeln, sondern um sie zu schützen – müsse dafür gesorgt werden, dass das, was ihnen angeboten werde, gesund sei.

Einnahmen für Sportstätten

Holze wünscht sich, dass der Staat das Geld aus der Zuckersteuer in die Zukunft von Kindern und Jugendlichen steckt. Prävention und gesundes Aufwachsen seien nicht nur eine Frage der Ernährung, sondern auch eine Frage von Bewegung. Die 86.000 Sportvereine unter dem Dach des DOSB brauchten funktionierende und moderne Sportstätten. Das stark überzeichnete Sportstättenförderprogramm des Bundes mit Einnahmen aus der Zuckersteuer aufzustocken, wäre ein Schritt in die richtige Richtung.