50 Jahre Angelladen in Schwerin: Gerd Habeck beißt nicht an
50 Jahre Angelladen: Gerd Habeck beißt nicht an

Seit 50 Jahren betreibt Gerd Habeck das Angelgeschäft „Fische & Angeln Habeck“ – davon 20 Jahre in Ratzeburg und inzwischen 30 Jahre in Schwerin. Der 80-Jährige steht noch immer in seinem großen Angel-Shop im Eckdrift 41 in Schwerin. Zum Jubiläum bietet er einen Großteil seiner 22.000 Artikel bis Jahresende zu Sonderpreisen an.

Vom Schrott-Rollen-King zum Ladenbesitzer

Angefangen hat alles mit Opas Angelrolle. Gerd war zwölf. „Es war eigentlich eine Schrott-Rolle“, erzählt er. „Aber die anderen Jungs hatten überhaupt keine Rolle an ihrer Angel. Ich war also der King.“ Nach der Schule wurde er Industriemeister, arbeitete Jahre in Hamburg und machte 1976 in Ratzeburg sein Hobby zum Beruf.

„Wenn man keine reichen Eltern hat, muss man was tun, damit man vernünftig leben kann“, sagt der Angelshop-Betreiber und erinnert sich an die Worte, die sein Vater früher gern zu ihm sagte: „Ist das Leben schön gewesen, ist das viel Arbeit und Müh gewesen.“

Der Weg nach Schwerin und die Filiale in Wismar

Nach der Wiedervereinigung kamen viele Angelfreunde aus dem Osten nach Ratzeburg. „Da kann ich auch gleich einen Laden in Schwerin aufmachen“, dachte er sich. Doch die Mietpreise spielten in den ersten Jahren verrückt. Als sie sich beruhigten, schlug er in Schwerin zu. Im Erdgeschoss eines Neubaus breitete er sich auf 600 Quadratmetern aus.

Auch in Wismar eröffnete Gerd Habeck eine Filiale und legte sich einen Kutter zu. Doch den Laden schloss er nach einiger Zeit wieder. „Ich hab’ mich dann auf das Geschäft in Schwerin konzentriert. Die Wismarer Kundschaft kam auch hierher“, erzählt er.

Fachwissen und Fischerei-Lehrgänge

Bis heute beträgt der Umkreis, aus dem sich Leute auf den Weg zum Angel-Shop machen, rund 80 Kilometer. „Na gut“, so Gerd Habeck. „Jetzt bei den Benzinpreisen vielleicht nicht ganz so viel.“ Routen, Rollen, Köder, Zelte, Angel-Stühle, Räucherware – bei ihm gibt es alles, wonach das Anglerherz verlangt.

Vor allem versorgen Gerd Habeck und sein Mitarbeiter René, der früher selbst Kunde war, die Szene mit geballtem Fachwissen. Gerd Habeck war 71-mal zum Angeln in Norwegen, fischte in Irland und Afrika. Jahrelang gab er selbst Lehrgänge für den Fischereischein und nahm Prüfungen ab.

Seine persönlichen Favoriten sind Raubfische: Zander, Hecht und Karpfen isst er gern. Nur mit dem Aal ist das so eine Sache – an den kommt er nicht mehr ran, nachdem er sich vor vielen Jahren mal überfressen hat. Seit Jahren lebt er mit seiner Lebensgefährtin in einem ausgebauten Bootshaus nahe der Müritz.

Vier Tage pro Woche im Laden

Von der Müritz nach Schwerin ist kein Katzensprung. Darum steht Gerd Habeck nur vier Tage in der Woche im Laden. Er hat sich einen Fernseher und ein Bett reingestellt, um nach Feierabend bleiben zu können. Meistens sitzt er nach Ladenschluss noch lange da, um die Bestelllisten durchzugehen. Neben ihm liegt dann Freddy, sein Jack Russell.

„Heutzutage haben die Händler oft Lieferschwierigkeiten“, seufzt er. „Früher hat man angerufen und nach zwei Tagen war die Ware da. Heute dauert das viel länger.“ Auf die Frage, wie lange er sich das noch antun will, zuckt Gerd Habeck mit den Schultern. Den Angelladen will er schaukeln, solange er kann.