Seit mehr als einem Jahr beschäftigt eine Brandserie in einem Hochhauskomplex in Neubrandenburg Feuerwehr, Polizei und Stadt. Seit einigen Wochen ist der Elfgeschosser in der Oststadt gesichert, seitdem ist dort kein neues Feuer bekannt geworden. Allerdings musste die Stadt bereits eine mittlere fünfstellige Summe für die Sicherung vorschießen. Die Rechnungen an die Eigentümergesellschaft sind offen, für das Grundstück läuft ein Zwangsversteigerungsverfahren.
Städte stehen vor ähnlichen Problemen
Die Stadt muss Gefahren abwehren, obwohl ihr die verfallenden Gebäude nicht gehören – und es ist unklar, ob sie das Geld zurückbekommt. Neubrandenburg steht mit diesem Problem jedoch nicht allein da: Auffallend ähnliche Fälle gibt und gab es beispielsweise auch in Halle und Magdeburg. In Sachsen-Anhalt zeigen die Erfahrungen: Provisorische Sperren halten oft nicht lange – und selbst Mauern lösen das eigentliche Problem nicht.
So sorgte im halleschen Stadtteil Silberhöhe im Jahr 2024 ein leer stehendes Plattenbauhochhaus in der Silbertalerstraße immer wieder für Brände, Vandalismus und Polizeieinsätze. Die früheren Zimmer in dem Elfgeschosser waren nach Berichten des lokalen Nachrichtenportals „Du bist Halle“ noch eingerichtet, Möbel, Kühlschränke und andere Gegenstände boten reichlich Brandlast.
Erste Reaktionen und deren Folgen
Die erste Reaktion war die gleiche wie in Neubrandenburg: Die Stadt ließ die Türen des früheren Hotels und Appartementhauses mit Sperrholzplatten verschließen. Doch schon ein Tag später war die Sicherung aufgebrochen, Jugendliche gelangten erneut in das Hochhaus. Die Eigentümergesellschaft war nach damaliger Auskunft bereits aufgelöst, ein verantwortlicher Ansprechpartner zunächst nicht vorhanden, das Gebäude galt für die Stadt als „faktisch herrenlos“.
Nach einem weiteren Brand im Oktober 2024 ging Halle massiver vor: Zugänge und Fensteröffnungen der unteren Etagen wurden zugemauert und mit Stahl geschützt. Im Frühjahr 2025 folgte die Entrümpelung des Gebäudes. Die Sicherung im Rahmen einer Ersatzvornahme kostete rund 25.000 Euro. Anders als bislang in Neubrandenburg bekam Halle das ausgelegte Geld aber später von einem Gebäudeverantwortlichen erstattet. Eine dauerhafte Perspektive für das Hochhaus gibt es bis heute dennoch nicht: Es wurde zum Verkauf angeboten, eine Sanierung oder neue Nutzung ist nicht bekannt.
Weitere Beispiele aus anderen Städten
Ein zweiter ostdeutscher Langzeitfall steht in Magdeburg. Der Plattenbau am Westring 34 steht bereits seit Ende 2016 leer und wurde nach Berichten der lokalen „Volksstimme“ über Jahre zum Ziel von Vandalismus. Im Januar 2022 brannte es dort, im Februar 2024 wurde mindestens der vierte Brand gemeldet. Nach weiteren Feuern Anfang 2025 ordnete das Bauordnungsamt Sicherungsmaßnahmen an. Die Eigentümerin hatte frühere Aufforderungen nach Medienberichten nicht ausreichend umgesetzt. Der Schandfleck in Magdeburg-Stadtfeld besteht aber zehn Jahre nach dem Leerzug noch immer.
Weitere Fälle zeigen noch andere Aspekte des Problems: In Essen (Nordrhein-Westfalen) brannte es von 2019 bis 2026 in einem leer stehenden Gebäudekomplex nahe dem Hauptbahnhof wiederholt. Die frühere Eigentümerin, eine Baufirma, meldete 2022 Insolvenz an. Obwohl das Gebäude später den Besitzer wechselte und Zugänge verschlossen wurden, drangen weiterhin Menschen ein. Allein innerhalb eines halben Jahres registrierte die Polizei neun Einsätze. Im Mai 2026 rettete die Feuerwehr bei einem Kellerbrand vier Menschen.
In Delitzsch (Sachsen) brach 2025 in einem leeren Plattenbau an der Rudolf-Breitscheid-Straße im November ein Feuer in einer Wohnung im vierten Obergeschoss aus. Einsatzkräfte fanden dort einen Menschen, der trotz Wiederbelebungsversuchen starb. Der Fall zeigt, dass selbst offiziell unbewohnte Gebäude keineswegs menschenleer sein müssen.
In Bad Driburg (Nordrhein-Westfalen) stand ein Hochhaus mit 64 Wohnungen rund 20 Jahre leer, etwa von 2006 bis 2026. Die Stadt ließ Zugänge sichern, dennoch gelangten Jugendliche und sogenannte Lost-Place-Besucher hinein. Weil das Gebäude zuletzt sieben Eigentümern aus mehreren Ländern gehörte und mit mehr als einer Million Euro Schulden belastet war, dauerten die Verhandlungen fünf Jahre. Im Sommer 2026 kaufte die Stadt das Haus schließlich selbst – nun muss entschieden werden, ob es saniert oder abgerissen wird.
In Wuppertal (Nordrhein-Westfalen) ließ die Stadt bis 2016 vier gefährliche Schrottimmobilien im Rahmen der Gefahrenabwehr abreißen und gab dafür rund 600.000 Euro aus. Ein Großteil der Kosten blieb zunächst an der Kommune hängen. Schließlich gab es in NRW eine gesetzliche Änderung, durch die solche Forderungen bei einer Zwangsversteigerung besser berücksichtigt werden.
Keine Patentlösung in Sicht
Die Beispiele zeigen keine Patentlösung. Bretter und einfache Gitter werden häufig überwunden. Mauern, Zäune und Überwachung können das Eindringen erschweren, beseitigen aber weder den Leerstand noch ungeklärte Eigentums- und Finanzierungsfragen. Ein Abriss wiederum ist nur unter engen rechtlichen Voraussetzungen möglich und kann für eine Kommune teuer werden.
In Neubrandenburg hat die Sicherung zunächst das wichtigste Ziel erreicht: Im Hochhaus brannte es danach nicht mehr. Gelöst ist der Fall damit ebenso wenig wie die Beispiele in Halle und Magdeburg: Die Eigentümerstruktur ist kompliziert, die Rechnungen der Stadt offen, die Zukunft ebenso. Eine dauerhafte Antwort gibt es wohl erst, wenn das Gebäude einen handlungsfähigen Eigentümer hat und klar ist, wie es weitergeht: mit Sanierung, Verkauf oder Abriss.