Nach dem historischen Ausscheiden aus dem Landtag mit nur 4,9 Prozent der Stimmen ist in der CDU Mecklenburg-Vorpommern ein heftiger Streit über die Schuldfrage ausgebrochen. Die Greifswalder CDU-Chefin Madeleine Tolani erhebt schwere Vorwürfe gegen die früheren Parteigranden Sascha Ott und Axel Hochschild. Beide hatten kurz vor der Wahl ein Ende der Abgrenzung zur AfD gefordert.
Vorwürfe gegen Ott und Hochschild
Tolani sagte dem Nordkurier, die beiden seien damit „dem Landesvorsitzenden in den Rücken gefallen“ und hätten „nicht unwesentlich“ Stimmungen geprägt. „Dazu stehe ich“, betonte sie. Sascha Ott weist die Kritik in einem sechsseitigen offenen Brief zurück. „Der Wähler ist nicht dumm“, schreibt er. Der „Absturz der CDU“ sei seit mehr als 20 Jahren „kein Betriebsunfall“, sondern „das Ergebnis einer Entwicklung vieler Jahre“.
Ott, der 2016 als Justizminister vorgesehen war, aber wegen eines Facebook-Posts zurückgezogen wurde, nennt die Ursachen der Wahlschlappe in drei Worten: „Profilverlust. Glaubwürdigkeitsverlust. Realitätsverlust.“ Die Partei habe auf der Suche nach der Mitte eigene Werte über Bord geworfen. Bereits früher habe er auf einem Parteitag gesagt, die CDU sei „farblos und beliebig geworden“.
Amthor will Aufarbeitung ohne Schuldzuweisungen
Der kommissarische Landeschef Philipp Amthor, einst politischer Ziehsohn von Ott, kündigte eine ehrliche Aufarbeitung und einen Sonderparteitag Anfang 2027 an. „Gegenseitige Schuldzuweisungen oder persönliche Auseinandersetzungen bringen uns dabei nicht weiter“, erklärte er. Die Partei müsse verlorenes Vertrauen gemeinsam zurückgewinnen.
Der frühere Bundestagsabgeordnete Eckhardt Rehberg sieht sein Lebenswerk zerstört. „Wenn man seit 1990 dieses Land mit aufgebaut hat, dann liegt diese Einschätzung nahe“, sagte er. Auch der Nordkurier-Leser Peter Lohmann aus Neubrandenburg fordert von Landtagskandidaten und Kommunalpolitikern, Verantwortung ernst zu nehmen: „Nun wäre die Gelegenheit, zu zeigen, dass sie diesen Begriff auch nach der Wahl ernst nehmen.“