Patrick Dahlemann, Chef der Staatskanzlei in Mecklenburg-Vorpommern, hat nach der Landtagswahl im September 2026 seinen vollständigen Rückzug aus der Landespolitik angekündigt. Der 38-jährige SPD-Politiker aus Torgelow sprach im Interview mit dem Nordkurier über die Beweggründe, seine politischen Erfolge und die persönlichen Belastungen der vergangenen Jahre.
Reaktionen und Kritik am Rückzug
Die Bürgermeister in der Region hätten den Rückzug bedauert und viel positives Feedback gegeben. Diese Worte hätten ihn persönlich sehr berührt, sagte Dahlemann. Die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister seien für ihn enge Partner beim Gestalten der Uecker-Randow-Region gewesen.
Die Junge Union wirft Dahlemann vor, den Wähler betrogen zu haben, da er am Wahltag noch versprochen hatte, sich für die Region einzusetzen. Dahlemann entgegnet: „Es gab nur eine Chance. Entweder gewinnt die AfD das Direktmandat oder die SPD.“ Die AfD-Kandidatin habe das Direktmandat mit einem Stimmenvorsprung von knapp 17 Prozent zu ihm geholt. „Da kann man nicht einfach so weitermachen wie bisher. Ich muss feststellen, dass die Menschen mir eben nicht ihr direktes Vertrauen ausgesprochen haben.“
Die AfD habe in nahezu allen Wahlkreisen in Vorpommern mehr als 50 Prozent bei den Erststimmen geholt. Dahlemann wertet das Erststimmenergebnis in seinem Wahlkreis trotzdem als eines gegen seine Person: „Für mich ist das die schönste Region der Welt und meine Heimat. Ich habe all meine Kraft in die Gestaltung der Uecker-Randow-Region gesteckt und immer sehr persönlich Politik gemacht. So wie ich glaube, dass die Menschen bei den vergangenen Wahlen den Menschen Patrick Dahlemann gewählt haben, glaube ich eben auch, dass sie es diesmal nicht getan haben.“
Entscheidung und Abschied vom Amt
Die Entscheidung zum Rückzug sei für ihn und seine Frau immer fest gestanden. Dahlemann hatte 2011, 2016, 2021 und 2026 für den Landtag kandidiert. Auch dieses Mal habe er gesagt, dass er das Mandat nur annehme, wenn er direkt gewählt werde.
Der Abschied vom Amt des Chefs der Staatskanzlei fällt ihm schwer: „Ja. Ich habe immer gesagt, das ist das schönste Amt der Welt, und das war es auch.“ Er habe ein großartiges Verhältnis zur Ministerpräsidentin gehabt, ein großartiges Team und sei gerne Chef der 130 Bediensteten gewesen. „Das aufzugeben, fällt mir unendlich schwer.“
Als größten Erfolg nennt er das hohe Lob in den Umfragen für die stabile und verlässliche Arbeit der Landesregierung. Auch die Einführung des Mindestlohns und die Kita-Beitragsfreiheit hebt er hervor. Sein Herzensprojekt im Wahlkreis sei die Berufliche Schule Torgelow, die im früheren Gymnasium etabliert wurde – eine Kraftanstrengung für den damaligen Bürgermeister Ralf Gottschalk und ihn.
Persönliche Enttäuschungen und Zukunft
Dahlemann berichtet von persönlichen Anfeindungen im Wahlkampf. Menschen, denen man sehr geholfen habe, hätten sich offen dazu bekannt, AfD zu wählen und seien persönlich ablehnend aufgetreten. Direkt angesprochen habe ihn niemand, aber die Stimmung sei spürbar gewesen.
Den Frust der Menschen über die Bundespolitik versteht er: „Die Menschen sind durch mit der Arbeit dieses Bundeskanzlers.“ In Bezug auf das Land Mecklenburg-Vorpommern sieht er keinen Anlass für Unmut: „Ich bin davon überzeugt, dass keine andere Region in MV so stark von landespolitischen Entscheidungen profitiert hat wie die Orte in Uecker-Randow.“
Auf die Frage, ob er wirklich aufhören wolle, antwortet er: „Politik ist ein Mannschaftssport. Jeder ist ersetzbar.“ Für die Zeit nach dem Rückzug hat er vorerst nur einen konkreten Plan: seinen Berufsabschluss nachholen. In den kommenden zwölf Monaten ist er bezüglich Erwerbstätigkeit stark eingeschränkt – für ihn gilt die Karenzzeitregel für scheidende Chefs der Staatskanzlei.
Die Familie spielte bei der Entscheidung eine große Rolle: „Ich bin stolzer Papa. Ich habe ein großartiges Kind, ich habe eine wunderbare Ehefrau. Die sind das größte Glück meines Lebens.“ Er sei fünf Jahre nicht da gewesen, habe Geburtstage verpasst. „Jetzt kann ich unbeschwert Papa sein.“