Nach seinem Rückzug aus der Landespolitik kündigt Patrick Dahlemann (SPD), bisheriger Chef der Staatskanzlei, im Gespräch mit dem Nordkurier an, seinen Berufsabschluss nachholen zu wollen. Der 38-Jährige reagiert damit auf jahrelange Kritik an seinem fehlenden Studienabschluss.
20 Semester Studium ohne Abschluss
Dahlemann hatte zwölf Semester Politikwissenschaften und Öffentliches Recht an der Universität Greifswald studiert sowie acht Semester an der Fernuni Hagen – beides ohne Abschluss. In den vergangenen Jahren hatte ihm das mehrfach Kritik eingebracht. Damit er Chef der Staatskanzlei werden konnte, mussten eigens für ihn die Regularien geändert werden. Zuvor war für diesen Posten ein Studienabschluss vorgeschrieben.
„Diese Angriffsflanke in meinem Leben möchte ich gerne schließen“, sagt Dahlemann. Und weiter: „Mir wurde als junger Politiker gerne alle Qualität abgesprochen, nur weil ich keinen Hochschulabschluss hatte.“ Er sei zwar fest davon überzeugt, dass er mit einem Abschluss kein bisschen bessere Politik machen würde, möchte diesen Angriffspunkt aber ausräumen.
Rückzug aus Landespolitik nach schlechtem Wahlergebnis
Die Möglichkeit bietet sich, da er vor wenigen Tagen seinen kompletten Rückzug aus der Landespolitik verkündet hat. Grund ist sein schlechtes Abschneiden bei der Landtagswahl am 20. September. Dahlemann, der in Torgelow aufgewachsen und seiner Heimat immer treu geblieben ist, unterliegt in seinem Heimatwahlkreis Ueckermünde mit knapp 17 Prozent der AfD-Kandidatin Inken Arndt, die 51,6 Prozent der Stimmen holt.
„Als Demokrat muss man ein Wahlergebnis anerkennen, auch wenn es schmerzt. Aber ich kann nach einem solchen Wahlergebnis auch nicht einfach weitermachen wie bisher“, so Dahlemann. Sobald die neue Regierung gebildet wurde und der neue Landtag zusammentritt, ist für Dahlemann Schluss.
Bilderbuchkarriere für den SPD-Shootingstar
Der 38-jährige Shootingstar der SPD hatte eine Bilderbuchkarriere hingelegt. Im Alter von 25 Jahren wird Dahlemann erstmals Mitglied im Landtag, mit 28 Jahren parlamentarischer Staatssekretär, mit 33 Chef der Staatskanzlei. Er gilt seit Jahren als enger Vertrauter von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD).
Er hatte von 2008 bis 2014 an der Universität Greifswald studiert. Weil er durch mehrere Prüfungen gefallen war, drohte ihm 2014 die Zwangsexmatrikulation. Daraufhin schrieb er sich an der Fernuni Hagen ein. 2018 beendete er auch dort das Studium ohne Abschluss. „Ich war damals Mitglied der Stadtvertretung Torgelow, Mitglied im Kreistag und bin 2014 in den Landtag nachgedrückt. Neben der Politik war das zeitlich einfach nicht mehr realistisch. Ich habe es versucht, es hat aber nicht geklappt“, sagt Dahlemann. Dabei sei er mit dem Bachelor fast fertig gewesen. „Es fehlten noch zwei Mikromodulprüfungen“, blickt Dahlemann zurück.
Kritik am fehlenden Studienabschluss habe ihn getroffen
Die vehemente Kritik an seinem fehlenden Studienabschluss habe ihn sehr getroffen. „Ich glaube, ich selbst bin derjenige, der sich am allermeisten darüber geärgert hat. Da braucht man niemanden mehr, der einem erzählt, wie dumm oder schlecht man ist, wie wenig Anspruch man an sich selbst hat“, sagt Dahlemann weiter. Trotzdem hält er dagegen. Er bezeichnet die Schlussfolgerungen als falsch, die über einen Menschen anhand von Abschlüssen und Noten getroffen werde.
„Ich habe in all meinen Jahren als Chef der Staatskanzlei und als Staatssekretär für Vorpommern nie die Menschen mit der besten Note eingestellt, sondern immer die, von denen ich überzeugt war, dass sie am meisten für ihre Sache brennen.“ Nun möchte er zeigen, dass er sehr wohl in der Lage ist, einen Berufsabschluss zu erzielen. „Ich bin bereit, Kraft und Energie zu investieren.“ Wo und wie er das Projekt Berufsabschluss angeht, lässt er noch offen. „Dazu werde ich mich beraten lassen. Zu bieten habe ich zwölf Jahre Politik, zehn Jahre in der öffentlichen Verwaltung, ein begonnenes Studium der Politikwissenschaft und des Öffentlichen Rechts.“