Drohnenüberwachung in MV: Pilotprojekt mit 150 Sensoren startet
Drohnenüberwachung in MV: 150 Sensoren geplant

Mecklenburg-Vorpommern will den Luftraum künftig weiträumig überwachen, um besser gegen Spionage- und Sabotageakte mit Drohnen gewappnet zu sein. Dazu werden entlang der gesamten Küstenlinie und an strategisch wichtigen Objekten etwa 150 Sensoren aufgebaut, die Funksignale auffangen. Eine Software erfasst, wertet aus und filtert die Daten, um verdächtige Drohnenbewegungen schnell zu erkennen. In Echtzeit sollen diese Informationen den verschiedenen Sicherheitsorganen im Land zur Verfügung gestellt werden, damit diese im Notfall eingreifen können.

Projektpartner und technische Umsetzung

Als Projektpartner des Innenministeriums sind das Institut für sichere mobile Kommunikation (ISMK) an der Hochschule Stralsund und die in Berlin ansässige Gesellschaft für sichere mobile Kommunikation (GSMK) beteiligt. Der Server, der die Daten auswertet, wird an der Hochschule stehen. Institutsleiter Professor Andreas Noack ist eigenen Angaben zufolge über 20 Jahre mit IT-Sicherheit beschäftigt. Auch GSMK-Geschäftsführer Björn Rupp gilt als langjähriger Experte in der Cyberbranche.

Neuheit: Gesamtlagebild und Echtzeit-Übermittlung

Bislang gibt es an einzelnen Standorten bereits Drohnenüberwachung – allerdings nur für ganz bestimmte Objekte. Sobald eine Spionagedrohne den Sicherheitsbereich verlässt, gibt es kaum Möglichkeiten, sie und den Betreiber zu entdecken. Mit dem Sensorensystem und der Zusammenführung der Daten in einem Server wird erstmals eine größere Fläche abgedeckt und ein Gesamtlagebild vermittelt – wenn dies auch noch nicht das gesamte Bundesland umfasst, wie Innenminister Christian Pegel betonte.

Die zweite Neuheit ist die Datenübermittlung in Echtzeit an alle beteiligten Sicherheitsbehörden. „Das ist in Deutschland und ich glaube auch in Europa bislang einmalig“, betonte Rupp bei der Vorstellung des Projekts.

Zeitplan und Kosten

Das Projekt ist zunächst auf zwei Jahre angelegt. Innerhalb dieser Zeit sollen die Sensoren so ausgelegt sein, dass ein umfassendes Lagebild entsteht. Die ersten Sensoren würden „sehr sehr zeitnah“ installiert, sagte Rupp. Das System soll innerhalb des nächsten Halbjahres den Betrieb aufnehmen. Die Kosten für das Land belaufen sich laut Pegel auf einen „niedrigen siebenstelligen Bereich“ – also mehr als eine Million Euro. Damit werden vor allem Wissenschaftlerstellen finanziert und der Serverbetrieb. Die Anschaffung der Sensoren ist laut Pegel deutlich kostengünstiger als andere Varianten.

Ziel und Hintergrund

Ziel der weiträumigen Drohnenaufklärung ist es, kritische Infrastruktur wie Häfen und Energieanlagen besser zu schützen. Überwacht wird zudem die gesamte Küstenlinie, um verdächtige Bewegungen zu registrieren. Die Sensoren dienen nur der Erkennung, nicht dazu, die Drohnen vom Himmel zu holen.

Pegel verglich dies mit der Lage im Straßenverkehr: Das umfassende Lagebild setze die Polizei darüber in Kenntnis, wo verstärkt Raser unterwegs seien. „Dann schicken wir dort Blitzer hin“, führte er den bildlichen Vergleich aus.

„Es sind mehr Drohnen auf dem Markt und die sind leichter zu bedienen als noch vor einigen Jahren“, sagt Matthias Kaufmann, Mitgesellschafter des in Rostock beheimateten Drohnenproduzenten CIS. Seinen Angaben nach müsse es sich nicht in jedem Fall um Spionage handeln. „Es gibt viele Neugierige, die einfach mal nur gucken wollen“, sagt Kaufmann. Trotzdem sei es nötig, solche Drohnen schneller aufzuspüren und die Absichten der Nutzer zu erkennen.

Dass es keineswegs immer harmlos ist, zeigt ein Vorfall im August: Am Flughafen Leipzig/Halle gab es einen Angriff mit einer Drohne, die mit Sprengstoff ausgerüstet war. Die Bundesregierung machte Russland verantwortlich, Moskau bestreitet das. Jüngst wurde zudem der Fund von Drohnenteilen nahe dem Bundeswehr-Fliegerhorst im niedersächsischen Wunstorf bekannt.

Mecklenburg-Vorpommerns Lage im Nordosten und die lange Küstenlinie spielen eine Rolle: Im vergangenen Jahr hatten Sicherheitsorgane in Niedersachsen und Schleswig-Holstein vermehrt Drohnen an Objekten kritischer Infrastruktur entdeckt – der Verdacht damals: Die Flugobjekte sollen aus dem Ostseeraum eingedrungen sein. Auch in Mecklenburg-Vorpommern selbst hat die Zahl der meldepflichtigen Drohnensichtungen über sicherheitsrelevanten Objekten zugenommen. Das Problem in den meisten Fällen: Ehe die gesichteten Drohnen gemeldet wurden, war so viel Zeit vergangen, dass die Vorfälle nicht mehr überprüft werden konnten. Das soll sich nun ändern.