Sebastian Ehlers (CDU) ist seit dem 6. Juli 2026 Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Schwerin. Nach seinem Wahlsieg im April legte der 44-Jährige sein Landtagsmandat und den Posten als Stadtpräsident nieder. In einem Interview mit der SVZ zieht er nach 100 Tagen Bilanz.
Wechsel vom Landtag ins Rathaus
Auf die Frage, ob er mit dem Wechsel vom Landtag ins Rathaus alles richtig gemacht habe, antwortet Ehlers: „Ich bin sehr gerne Oberbürgermeister und habe mich vor einem Jahr sehr bewusst dafür entschieden, hier für Schwerin Verantwortung zu übernehmen.“ Das Wahlergebnis der CDU bei der Landtagswahl (4,9 Prozent) schmerze ihn dennoch. „Für unser Land und für unsere Demokratie ist es nicht gut, dass die CDU im Landtag künftig als Stimme fehlen wird, gerade weil sie immer noch die stärkste kommunale Kraft in MV ist.“
Den Wechsel vom Amt des Stadtpräsidenten zum Oberbürgermeister beschreibt er als „sehr intensive 100 Tage“. Ein großer Vorteil sei, dass er viele handelnde Personen und Themen bereits aus der Stadtvertretung kenne. „Aber die Verwaltung von innen zu führen, ist etwas komplett anderes.“ Die Aufgaben als Hauptamt seien nicht mit denen eines Ehrenamts zu vergleichen – etwa die Führung von 1100 Mitarbeitern, die viele nach innen gerichtete, öffentlich nicht sichtbare Aufgaben umfasse.
Haushalt und wirtschaftliche Lage
Die größte Herausforderung sei die wirtschaftliche und finanzielle Situation der Stadt. „Im Gegensatz zu früheren Jahren schaffen wir es nicht mehr aus eigener Kraft, den Haushaltsausgleich hinzubekommen“, so Ehlers. Er habe eine klare Erwartung an Bund und Land geäußert: „Am Ende sitzen wir alle in einem Boot. Wenn vor Ort alle Lichter ausgehen, hat das Auswirkungen auf ganz Deutschland.“ Gute Signale gebe es etwa aus dem Industriepark Schwerin mit der Produktionserweiterung bei Nestlé.
Aus eigener Kraft werde Schwerin das nicht schaffen, betont der Oberbürgermeister. „Selbst wenn wir die sogenannten freiwilligen Aufgaben komplett einsparen würden, wären wir noch meilenweit weg vom Haushaltsausgleich.“ Hauptkostenfaktoren seien die hohen Ausgaben im Bereich Jugend und Soziales sowie die Personalkosten.
Personalabbau und Verwaltungsstandort
Die Stadtverwaltung hat sich vorgenommen, zum Ende des nächsten Doppelhaushalts mit 50 Stellen weniger auszukommen. „Wir haben angefangen, uns ganz genau anzuschauen, ob Stellen wirklich nachbesetzt werden müssen“, sagt Ehlers. Man gehe aber nicht mit dem Rasenmäher darüber, da einige Bereiche bereits eng getaktet seien. Eine Reduzierung von Leistungsstandards sei möglich: „Dann kann es sein, dass die Ausstellung des Ausweises, Reisepasses oder die Baugenehmigung künftig länger dauern.“
Zum möglichen Umzug der Stadtverwaltung sagt er: „Der bisherige Vorschlag, das jetzige Stadthaus zu kaufen, wurde vom Innenministerium einkassiert.“ Man habe über den Sommer alles ergebnisoffen geprüft und befinde sich nun in konkreten Verhandlungen. Einen Umzug schließt er nicht aus.
Landesgartenschau und Schlachtermarkt
Die Forderung des Bundes der Steuerzahler, auf die Landesgartenschau 2035 zu verzichten, hält Ehlers für „sehr bemerkenswert“, da noch kein Euro Steuergeld geflossen sei. Es gebe großen Rückhalt für das Projekt. „Ohne Landesförderung wird es nicht funktionieren“, so der Oberbürgermeister, der sich für eine Verankerung im Koalitionsvertrag auf Landesebene einsetzt.
Zum Schlachtermarkt betont Ehlers, es gebe „nicht die eine Lösung“. Junge Leute, die sich treffen wollten, müssten akzeptiert werden. Bei Polizeieinsätzen und Gewalt gelte „null Toleranz“. Die Stadt wolle ein Beteiligungsformat auflegen, um mit Anwohnern und jungen Leuten ins Gespräch zu kommen. Ein Alkoholverbot lehnt er ab, da dadurch Veranstaltungen wie der Musikklub auf dem Marktplatz lahmgelegt würden.
Zusammenarbeit und Umgang mit der AfD
Die Zusammenarbeit mit der Stadtvertretung bewertet Ehlers als „sehr konstruktiv“. Über den Sommer habe er mit allen Fraktionsvorsitzenden Vier-Augen-Gespräche geführt. Sein Umgang mit der AfD habe sich durch die Landtagswahl nicht verändert: „Ich rede mit allen Fraktionen.“ Die AfD sei die stärkste Fraktion in der Stadtvertretung und im Landtag. Er werde sich auch um eine gute Zusammenarbeit mit der neuen Landesregierung bemühen: „Hier geht es um Stadtinteressen, nicht um Parteiinteressen.“