Lars Schwarz, Präsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) in Mecklenburg-Vorpommern, rechnet 2026 mit einer dramatischen Welle von Betriebsschließungen. Mindestens jeder 20. Betrieb im Land werde dichtmachen, möglicherweise sogar doppelt so viele. Die wirtschaftliche Schieflage seit der Corona-Pandemie führe dazu, dass immer mehr Gastronomen und Hoteliers aufgeben.
Umsatzrückgang und steigende Kosten
„Der reale Umsatz in der Gastronomie sinkt weiter“, erklärt Schwarz. Im ersten Halbjahr 2026 habe es gegenüber dem Vor-Corona-Jahr 2019 einen Rückgang um 20 Prozent gegeben, parallel seien die Kosten massiv gestiegen. Die Auswirkungen spüre der Verband im Rückgang der Mitgliederzahlen: Viele Betriebe meldeten sich ab – wegen Insolvenz oder weil sie aufgeben.
Schwarz’ Prognose fällt düster aus: „Wir werden in diesem Jahr sicher fünf bis sechs Prozent der bestehenden Betriebe verlieren, im schlimmsten Fall sogar zweistellig. Das wäre eine absolute Katastrophe und der Höhepunkt des siebten Verlustjahres in Folge.“
Kunden sparen und teilen Portionen
Die Ursachen liegen laut Schwarz auf der Hand: Nach Corona, Energiekrise und massiver Inflation halten die Menschen ihr Geld zusammen. Viele gehen nicht oder kaum noch essen. Andere teilen sich beim Restaurantbesuch Portionen. Wieder andere steigen in Hotels ab, versorgen sich aber kulinarisch mit Fast Food oder im Supermarkt – messbar am hohen Müllaufkommen in den Herbergen.
Die starken Tourismuszahlen, die Wirtschaftsminister Wolfgang Blank (parteilos) voraussichtlich am Dienstag präsentieren wird, ändern daran wenig. Bereits veröffentlichte Zahlen deuten auf das zweit- oder drittbeste Jahr bei Übernachtungen seit 1990 hin. Schwarz relativiert: „Die Anzahl der Gästeankünfte sagt nichts zur Wirtschaftlichkeit der Betriebe aus.“ Das Statistische Amt zählt im aktuellen Jahrbuch 5615 Betriebe des Gastgewerbes in MV, davon 3098 in der Gastronomie und 2518 Herbergen.
Unternehmer bestätigen die Misere
Tim Dornbusch blickt für sein „Hotel Baltic“ in Zinnowitz auf eine vergleichsweise gute Saison zurück, musste aber wegen der Kostensteigerung Zimmer verteuern und Personal drastisch reduzieren. Seine Herausforderung: „Hotels müssen trotz steigender Kosten wirtschaftlich arbeiten – und gleichzeitig soll Urlaub für möglichst breite Bevölkerungsschichten bezahlbar bleiben.“
Die Wirtschaftsauskunftei Creditreform hatte kürzlich vor einer dramatischen Schließungswelle gewarnt. Im Vorjahr seien bundesweit 15.000 Gastro- und Hotel-Betriebe betroffen gewesen. Hauptprobleme: Kaufzurückhaltung, Konkurrenz durch Lieferdienste und Arbeitskräftemangel. Die Branche kritisiert zudem den gestiegenen Mindestlohn.
Das Schweriner Wirtschaftsministerium bezeichnet die Lage als „herausfordernd“. Ein Sprecher verweist auf die Absenkung der Mehrwertsteuer auf sieben Prozent als „eine wichtige Abmilderung für den Kostendruck“. Hilfe gebe es auch bei der Fachkräftegewinnung.
Lars Schwarz reicht das nicht. „Die Wirtschaft muss wieder anziehen“, sagt er. „Die Leute brauchen mehr Geld.“ Seit der Corona-Pandemie hat er vor einer Negativ-Entwicklung gewarnt. Nun komme die Quittung, da in vielen Firmen finanzielle Polster aufgebraucht seien.