Die Herbstferien haben begonnen, doch gerade für Familien kann eine Reise schnell ins Geld gehen. Eine größere Unterkunft muss her, die Kinder brauchen Platz und zwei Wochen Urlaub können das Budget ordentlich belasten. Sebastian Böhnisch aus Schwerin kennt diese Herausforderung. Als seine erste Tochter geboren wurde, suchte er deshalb nach einer Möglichkeit, weiterhin regelmäßig zu verreisen, ohne jedes Mal viel Geld für eine Unterkunft auszugeben. Seine Lösung: Statt eine Ferienwohnung zu buchen, tauscht er mit seiner Familie das eigene Zuhause gegen das anderer Menschen.
Persönlicher Urlaub statt Hotelkomfort
Einmal die Wohnung gegen ein Zuhause in einer anderen Stadt tauschen – für Sebastian Böhnisch ist daraus längst mehr als ein Experiment geworden. Über die Internetplattform HomeExchange hat die Familie bereits ganz unterschiedliche Urlaube erlebt: zwei Wochen Berlin, Wellness in Dänemark und spontane Auszeiten, die sich erst durch den Kontakt mit anderen Gastgebern ergeben. Wie unkompliziert das sein kann, zeigte sich im Februar 2026. Eine Berliner Familie wollte für einen Theaterbesuch nach Schwerin reisen und fragte bei Böhnisch an.
Kurzerhand vereinbarten beide Seiten einen direkten Tausch: Die Gäste bezogen die Schweriner Wohnung, Böhnisch und seine Familie machten es sich in Berlin gemütlich. Auch für Shoppingtouren und Streifzüge durch die Cafés und Geschäfte im Prenzlauer Berg nutzten sie das Konzept.
So funktioniert der Haustausch
Das Prinzip von HomeExchange ist unkompliziert: Wer verreisen möchte, sucht eine passende Unterkunft und fragt bei den Gastgebern an. Dabei müssen die Familien nicht zwingend direkt tauschen. Wer seine Wohnung anderen überlässt, sammelt Punkte und kann diese später für den eigenen Urlaub einsetzen. Böhnisch zahlt für die Plattform 149 Euro im Jahr. Bestimmte Versicherungsleistungen, etwa bei Schäden oder Stornierungen, sind inklusive. Nach Absprache können sogar Autos getauscht werden.
Dass Fremde plötzlich im eigenen Bett schlafen oder die Küche benutzen, ist für manche sicher gewöhnungsbedürftig. Böhnisch sieht das entspannt: „Ich war immer Team: Die Tür steht offen, kommt herein.“ Damit sich Gäste und Gastgeber gleichermaßen willkommen fühlen, gehören kleine Aufmerksamkeiten zur Begrüßung oder zum Abschied dazu. Für Böhnisch ist das eine Frage des gegenseitigen Respekts. Schließlich gehe man miteinander um, als würde man Freunde bei sich zu Hause willkommen heißen.
Haustausch mit Kindern: weniger Gepäck, mehr Entdeckungen
Gerade für Familien sieht Böhnisch große Vorteile. Bei der Suche nach einer Unterkunft achtet er darauf, dass dort ebenfalls Kinder in einem ähnlichen Alter leben. Dann gibt es meist ein Kinderzimmer, Spielzeug, Bücher oder Kuscheltiere. Auch Hochstuhl, Babybesteck und andere Dinge, die Eltern sonst mühsam einpacken müssen, sind häufig vorhanden. „Du reist ohne Hochstuhl, ohne Spielzeug, ohne ein Babybett oder was auch immer“, sagt Böhnisch. Das spart nicht nur Platz im Auto oder Koffer, sondern macht den Urlaub entspannter. Die Kinder entdecken neue Spielsachen, Instrumente oder Sportgeräte und sind damit oft erst einmal bestens beschäftigt.
Manchmal sei es sogar schwierig, sie überhaupt zu Ausflügen zu bewegen. „Wenn du da mit den Kindern eine Woche bist, hast du mindestens drei Tage, an denen die Kinder zu Hause spielen wollen“, sagt Böhnisch. Selbst fremdsprachige Kinderbücher seien interessant. Die Kinder lernten so andere Lebenswelten kennen und würden offener für Neues. Ein weiterer Vorteil: Wenn die Familie verreist, kann sich die Gastfamilie auch um ihren Kater kümmern. Im August übernahmen die Gäste aus Paris diese Aufgabe. Das ersparte der Familie eine separate Betreuung für das Tier.
Wohnen wie die Einheimischen
Ganz ohne Absprachen geht es natürlich nicht. Vor der Reise klären beide Seiten die wichtigsten Details. Böhnisch empfiehlt, persönliche Unterlagen und Wertgegenstände wegzuräumen. Größere Schäden habe es bei den bisherigen Tauscherfahrungen nicht gegeben. Selbst wenn einmal etwas kaputtgehen sollte, wäre das für ihn kein Grund, das Konzept infrage zu stellen. Entscheidend sei, ehrlich miteinander umzugehen und fremde Wohnungen so zu behandeln wie das eigene Zuhause.
Auch Schwerin ist Teil der Reisegemeinschaft. Nach Böhnischs Erfahrungen kommen besonders häufig Familien aus Frankreich in die Landeshauptstadt. Vier bis fünf Anfragen pro Jahr erhalte die Familie nach seiner Einschätzung. Die Nähe zur Ostsee dürfte dabei ebenso eine Rolle spielen wie die Möglichkeit, von Schwerin aus weitere Orte in Mecklenburg-Vorpommern zu entdecken.
Für den Schweriner ist Haustausch deshalb weit mehr als eine Möglichkeit, bei den Unterkunftskosten zu sparen. Die Familie lernt andere Lebensweisen kennen, entdeckt Städte abseits der typischen Touristenrouten und kommt mit Menschen aus anderen Ländern in Kontakt. Statt in einer anonymen Ferienwohnung zu wohnen, erleben die Urlauber den Alltag vor Ort – vom Leben im Viertel bis hin zur Küche einer fremden Familie.
Wer das Konzept ausprobieren möchte, muss nicht gleich die eigene Wohnung für mehrere Wochen freigeben. Böhnisch empfiehlt, zunächst mit einem kurzen Aufenthalt anzufangen und eigene Erfahrungen zu sammeln.