Karibikflair in Schwerin: Luis Thomas erfüllt sich mit Cocktailboot einen Traum
Karibikflair in Schwerin: Luis Thomas erfüllt sich Traum

Ein bunt bemaltes Holzboot mit Palmen, Sonnenuntergang und dem Schriftzug „LOVE“ steht mitten in der Schweriner Innenstadt. Statt über das Wasser zu fahren, werden hier Cocktails gemixt. Hinter dem Tresen strahlt Luis Thomas (41) gemeinsam mit seiner Schwester und seinem Sohn in die Kamera. Mit seinem ungewöhnlichen Cocktailboot bringt der gebürtige Dominikaner karibisches Flair auf die erste Schweriner Altstadtfete. Doch hinter dem fröhlichen Barbesitzer steckt eine Geschichte über die große Liebe, einen Neuanfang und einen Traum, den er trotz aller Rückschläge nie aufgegeben hat.

Wie Luis Thomas seine große Liebe Yvonne kennenlernte

Eigentlich hatte Luis Thomas nie vor, dauerhaft in Deutschland zu bleiben. In seiner Heimat, der Dominikanischen Republik, arbeitete er in der Tourismusbranche und lebte dort, wo andere Urlaub machen. Doch dann begegnete er Yvonne. An seinem letzten Weihnachtsurlaubstag entdeckte er mit einem Freund ein kleines Café in seiner Heimatstadt Puerto Plata. Hinter dem Tresen stand die Deutsche, die sich in der Karibik ein neues Leben aufgebaut hatte. „Liebe auf den ersten Blick“, erinnert sich Luis lachend.

Die beiden wurden ein Paar und zogen gemeinsam nach Punta Cana. Als sich ihr erstes Kind ankündigte, entschieden sie sich jedoch für die Geburt in Deutschland, wo Yvonnes Mutter in Hagenow lebte. Auch die medizinische Versorgung spielte eine Rolle. Nach sechs Monaten wollten sie zurückkehren. „Jetzt bin ich mittlerweile 15 Jahre hier“, erzählt Luis. Inzwischen haben die beiden zwei Kinder, einen Sohn und eine Tochter.

Vom Zumba-Trainer zum eigenen Traum in Schwerin

Anfangs musste sich der lebensfrohe Dominikaner allerdings erst an seine neue Heimat gewöhnen. Besonders Hagenow war ihm zu ruhig. „Ich bin ein Mensch, der gerne mit Leuten arbeitet“, sagt er. Und wer Luis zuhört, merkt schnell: Lange still sitzen kann dieser Mann offenbar nicht. Er arbeitete zunächst unter anderem bei Trolli, machte in Hamburg seine Fitnesstrainer-Lizenz und entdeckte schließlich Zumba für sich. Lateinamerikanische Rhythmen, Bewegung und Menschen – das passte.

Mit selbst entwickelten Choreografien begeisterte er bald Teilnehmer in der ganzen Region. Bei einem Kurs im Alpincenter Wittenburg standen sogar 115 Menschen vor ihm. Nebenbei organisierte er Partys und arbeitete als Barkeeper. Doch ein Wunsch begleitete ihn fast zehn Jahre lang: eine eigene karibische Bar. Denn wer in Schwerin zu lateinamerikanischer Musik feiern wollte, musste dafür häufig nach Hamburg oder Berlin fahren. Der Familienvater wollte das ändern.

Neun Tage geöffnet und dann kam der Corona-Lockdown

2020 erfüllte sich der 41-Jährige endlich seinen Traum und übernahm die Rumbar in Schwerin. Doch nach gerade einmal neun Tagen kam der nächste Corona-Lockdown. Neun Monate blieb die Bar geschlossen, während Miete und Kredite weiterliefen. Freunde und Familie rieten ihm, aufzugeben. Doch Luis hielt an seinem Traum fest und arbeitete zusätzlich im Fensterbau, um seine Familie zu ernähren und die Bar zu retten.

Heute hat sich sein Durchhaltevermögen ausgezahlt: Die Rumbar in der Arsenalstraße in Schwerin hat ihre Stammgäste, besonders am Wochenende läuft das Geschäft. Auf der Karte stehen neben Klassikern wie Mojito und Piña Colada auch Luis’ eigene Cocktailkreationen, darunter „Schwerin Love“ und „Dominican Fever“. Für den kleinen Hunger gibt es unter anderem hausgemachte dominikanische Empanadas, gefüllte Teigtaschen, die besonders beliebt sind. Viele seiner Gäste kennt Luis persönlich. Genau das liebt er an seinem Beruf: Menschen zusammenzubringen.

Mit einem Cocktailboot zur Altstadtfete

Weil es im Sommer in seiner Bar oft ruhiger zugeht, suchte Luis nach einer Möglichkeit, auch auf Hochzeiten, Geburtstagen und Veranstaltungen Cocktails anzubieten. Im Internet entdeckte er schließlich ein ungewöhnliches Holzboot, das ein Berliner ursprünglich als Bar für seine eigene Hochzeit gebaut hatte. Luis kaufte es und ließ es für seine Zwecke anpassen. Doch einen Platz auf Veranstaltungen zu bekommen, sei gar nicht so einfach. Gerade bei der Schweriner Altstadtfete wollte er unbedingt dabei sein. „Ich komme von hier, die Bar ist direkt um die Ecke“, erklärt er. Deshalb sprach er sogar persönlich bei der Stadt vor – mit Erfolg.

Vom 9. bis 11. Oktober stand sein buntes Cocktailboot nun mitten in Schwerin, der Stadt, die längst zu seiner zweiten Heimat geworden ist. Aus einem zufälligen Cafébesuch in der Karibik wurde eine Liebesgeschichte, aus geplanten sechs Monaten in Deutschland ein neues Leben und aus einem lang gehegten Wunsch eine eigene Bar.