Lehrermangel in MV: Studie zeigt Wege aus dem Teufelskreis
Lehrermangel in MV: Studie zeigt Lösungswege

Der Lehrermangel in Mecklenburg-Vorpommern belastet nicht nur Schüler und Eltern, sondern zunehmend auch die Lehrkräfte selbst. Vier von fünf Lehrkräften müssen zusätzliche Aufgaben wie kurzfristigen Vertretungsunterricht oder Überstunden übernehmen. 92 Prozent erleben eine schlechtere Stimmung im Kollegium, wobei Regionalschulen besonders stark betroffen sind. Das sind Ergebnisse des Forschungsprojekts „Verbesserung der Attraktivität des Lehrberufs in MV“, das die Kooperationsstelle Hochschulen und Gewerkschaften der Georg-August-Universität Göttingen zusammen mit der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) im Nordosten durchgeführt hat.

Überlastung führt zu Teilzeit und Frührente

Nur zehn Prozent der gut 2000 befragten Pädagogen erleben an ihrer Schule keinen Lehrkräftemangel. Bei den anderen schlägt sich die Situation teils in gesundheitlichen Problemen nieder oder darin, dass sie zum Selbstschutz vorzeitig in Rente oder in Teilzeit gehen. Fast jeder vierte Lehrer (24 Prozent) hat seine Stundenzahl reduziert. Das belastet diejenigen, die voll arbeiten, weiter. „Wenn man hier nicht nachdrücklich eingreift, droht ein Teufelskreis“, warnt Dr. Thomas Hardwig, der die abgeschlossene Göttinger Studie geleitet hat.

Bereits eine erste Auswertung im März hatte ergeben, dass jede zweite Lehrkraft anderen davon abraten würde, Lehrer zu werden. Nur 42 Prozent der Lehrkräfte im Nordosten gaben an, ihren Beruf erneut zu wählen. Hauptkritikpunkte waren Zeitdruck und Mehrarbeit. Nur 15 Prozent würden den Lehrberuf uneingeschränkt weiterempfehlen.

Seiteneinstieg bleibt wichtig

Lehrkräfte werden dringend gebraucht. Nach Angaben des Schweriner Bildungsministeriums müssen allein in den kommenden fünf Jahren etwa 3600 Lehrkräfte neu eingestellt werden, nur 2700 werden in dieser Zeit im Land selbst ausgebildet. Daher geht es nicht ohne Lehrer im Seiteneinstieg. Doch gerade diese beklagten gegenüber den Göttinger Forschern Defizite: Nur 20 Prozent fühlen sich umfassend eingearbeitet, 38 Prozent bekommen kein Monitoring, obwohl es gesetzlich vorgesehen ist. 43 Prozent fühlen sich im neuen Beruf nicht voll anerkannt, und 61 Prozent sagen, dass sie die Arbeit in der Schule stressiger finden als im früheren Beruf.

Das wünschen sich Lehrkräfte

Die Forscher fragten die Lehrkräfte, was sich ändern muss. Sie wünschen sich weniger Bürokratie und Verwaltungsaufwand, eine Reduzierung der Pflichtstunden, eine bessere personelle Ausstattung mit Sonderpädagogen, Förderlehrkräften und Inklusionshilfen, mehr multiprofessionelle Teams und funktionierende digitale Unterstützungsangebote. Würden Zusatzaufgaben reduziert und wäre die Arbeit dadurch in Vollzeit zu schaffen, würden die meisten Teilzeitkräfte ihre Stundenzahl aufstocken, so Dr. Hardwig. Bei weniger Zusatzaufgaben, kleineren Klassen und weniger Pflichtstunden ließen sich auch mehr Lehrer davon überzeugen, bis zur Regelaltersgrenze zu arbeiten.

Die Landesvorsitzende der GEW, Ulrike von Malottki, betont, all das seien Ansatzpunkte für eine künftige Landesregierung. Die Studie liefere einen belastbaren Befund und konkrete Vorschläge. Der „Bildungspakt gute Schule 2030“ habe zwar zu einigen Verbesserungen geführt, etwa bei der Bezahlung von Mehrarbeit oder den Alters-Abminderungsstunden. Es gebe aber noch viel zu tun – und fast alle Parteien hätten in ihren Wahlprogrammen Versprechen gemacht. Mehr Verwaltungsfachkräfte, Alltagshilfen, unterstützendes pädagogisches Personal und für jede Schule eine Vollzeitstelle für die Schulsozialarbeit seien wichtige und richtige Schritte.