Mehr Zähne, wenig Vorsorge: Mundgesundheit der Senioren in MV
Mehr Zähne, wenig Vorsorge: Senioren in MV

Die Zeiten, in denen ältere Menschen häufig zahnlos waren, sind weitgehend vorbei. Laut der im April 2026 veröffentlichten 6. Deutschen Mundgesundheitsstudie sind nur noch fünf Prozent der über 65-Jährigen vollkommen zahnlos. Im Schnitt besitzen Menschen zwischen 65 und 74 Jahren noch 18,8 funktionstüchtige Zähne, während 8,6 Zähne fehlen. Zum Vergleich: Im Jahr 2005 waren noch 22,6 Prozent zahnlos, und durchschnittlich fehlten 14,1 Zähne.

Verbesserte Vorsorge und Versorgung

Diese Entwicklung führt Henning Kutzbach, Landesgeschäftsführer der Barmer in Mecklenburg-Vorpommern, auf die verbesserte Vorsorge in jüngeren Jahren und die deutlich bessere zahnmedizinische Versorgung älterer und pflegebedürftiger Menschen zurück. Er bezieht sich dabei auf den aktuellen Zahnreport der Kasse.

Dennoch gibt es weiterhin Lücken bei der zahnmedizinischen Vorsorge für Pflegebedürftige, obwohl Zahnärzte diese seit 2018 gesondert abrechnen können. In Pflegeheimen werden inzwischen gut ein Viertel (27 Prozent) der Bewohner vorsorglich untersucht und ein Mundgesundheitsstatus mit individuellem Pflegeplan erstellt. Bei den Pflegebedürftigen, die zu Hause versorgt werden – in MV die große Mehrheit –, nutzten zuletzt nur 4,2 Prozent die Präventionsangebote.

Gründe für die Vorsorge-Lücke

Die Ursachen sind vielfältig: von Schwierigkeiten, überhaupt einen Zahnarzt zu finden, der neue Patienten aufnimmt, bis hin zu Mobilitätseinschränkungen, die den Weg in die Praxis erschweren. Hinzu kommen andere gesundheitliche Beschwerden, die Zahnarztbesuche auf der Prioritätenliste verdrängen.

„Aber: Wer nicht schmerzfrei essen, trinken und sprechen kann, verliert Lebensqualität“, betont Franziska Hain, Vorständin im Netzwerk für Menschen, das in Schwerin sieben stationäre und sechs vorstationäre oder ambulante Pflegeeinrichtungen betreibt. Vielen sei nicht bewusst, dass schlechte Mundgesundheit weitere gesundheitliche Folgen haben kann – von Mangelernährung bis zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder der Verschlechterung eines bestehenden Diabetes.

Kooperationen mit Zahnärzten nehmen zu

Alle Pflegeheime des Netzwerks haben Kooperationsvereinbarungen mit Zahnärzten, die ein- oder zweimal pro Jahr zu Visiten kommen. Mittlerweile kooperiert auch jede zweite stationäre Pflegeeinrichtung in MV auf diese Weise – deutlich mehr als 2018, als es nur jedes dritte Heim war. Barmer-Landeschef Kutzbach sieht dennoch Luft nach oben: Bislang hätten erst elf Prozent der in MV niedergelassenen Zahnmediziner Verträge mit Pflegeeinrichtungen geschlossen.

Dr. Gunnar Letzner, Vorsitzender der Kassenzahnärztlichen Vereinigung (KZV), stimmt nur bedingt zu. Er hält zahnärztliche Vorsorgeuntersuchungen und die regelmäßige Entfernung von Zahnstein für wichtig. Jedem Heim, das bei der KZV nachgefragt habe, sei bislang ein Kooperationszahnarzt vermittelt worden. Allerdings seien die Wartezimmer überfüllt und Praxisnachfolger schwer zu finden. Prognosen sagten für 2030 bundesweit nur noch einen Versorgungsgrad von 70 Prozent voraus.

Vor diesem Hintergrund fordert Kutzbach neue Wege für die zahnmedizinische Prävention und Versorgung. Politik, Selbstverwaltung, Pflege und Zahnärzteschaft müssten gemeinsame Lösungen erarbeiten.