Die SPD hat in der Landeshauptstadt dem landesweiten Wahltrend getrotzt und gegen die AfD-Kandidaten die beiden Direktmandate verteidigt. Ministerpräsidentin Manuela Schwesig, Spitzenkandidatin der Sozialdemokraten (SPD), holte die meisten Stimmen (54,4 Prozent) im Wahlkreis 8 Schwerin I. Sie setzte sich im direkten Vergleich deutlich gegen den AfD-Kandidaten für das Amt des Ministerpräsidenten, Leif-Erik Holm, (28,2 Prozent) durch. Nur zu Beginn der Auszählung hatte es so ausgesehen, als könne es knapp werden.
Holm verpasst Landtag – bleibt aber im Bundestag
Der Co-Landesvorstandssprecher der AfD ist damit nicht im kommenden Schweriner Landtag vertreten, da er bewusst auf eine Absicherung über die Landesliste seiner Partei verzichtet hatte. Er bleibt Mitglied des Bundestages und könnte dennoch Ministerpräsident werden, sollte seine Partei die ausreichende Stimmmehrheit im Landtag von MV zusammenbekommen, wonach es aber nicht aussieht.
Im Wahlkreis 9 Schwerin II gewann die SPD-Landtagsabgeordnete und Schweriner Stadtpräsidentin Mandy Pfeifer (43,2 Prozent). Sie hatte sich in der Wahlnacht bei der Auszählung lange ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Petra Federau (AfD) geliefert, die sie schon beim ersten Wahlgang zur Schweriner OB-Wahl knapp geschlagen hatte.
Pfeifer: „Bildung bleibt mein Herzensthema“
Mandy Pfeifer ist über den Wahlausgang „unwahrscheinlich froh und dankbar“. „Mein Direktmandat erneut zu holen, ist für mich etwas ganz Besonderes, weil es das Vertrauen der Menschen in meine Arbeit hier vor Ort bestätigt.“ Dieses Vertrauen sei für sie Auftrag, weiterzumachen und sich mit ganzer Kraft für ihren Wahlkreis einzusetzen. „Besonders Bildung bleibt mein Herzensthema, denn darauf baut alles auf.“
Auch wenn Petra Federau das Direktmandat (36,8 Prozent) verpasste, ist die AfD-Landtagsabgeordnete wieder im nächsten Landtag von MV vertreten. Sie zieht über Platz 21 der AfD-Landesliste ins Schweriner Schloss ein.
Petra Federau zeigte sich erfreut über das „historische Wahlergebnis“ und ihren Wiedereinzug in den Landtag. „So viele Wähler wie nie zuvor, haben uns und in diesem Falle auch mir, ihre Stimme gegeben.“ Persönlich hofft die AfD-Politikerin, dass die CDU sowie die anderen Parteien „nun endlich begreifen, dass die undemokratische Brandmauer für jede Partei den Absturz bedeutet“.
AfD stark in Plattenbauvierteln
Bei den Zweitstimmen war die SPD in Schwerin ebenfalls stärkste Kraft. Manuela Schwesig und Mandy Pfeifer verbuchten in ihren Wahlkreisen jeweils mehr Erst- als ihre Parteien dort Zweitstimmen gewannen. Die Bewerber der kleineren Parteien für die Direktmandate schnitten dagegen unterdurchschnittlich ab. Obwohl Schwerin im April noch mit Sebastian Ehlers einen CDU-Mann zum Oberbürgermeister wählte, schnitten die Christdemokraten auch in der Landeshauptstadt schlecht ab.
Manuela Schwesig punktete in Schwerin I in den besser situierten oder eher alternativen Stadteilen. Ihr bestes Erststimmenergebnis holte die SPD-Politikerin im Wahlbezirk Schelfstadt I (60,6 Prozent). Leif-Erik Holm erzielte seinen Spitzenwert in der Wählergunst in den Plattenbauvierteln des Wahlkreises wie in Lankow I (46,5) und Lankow V (45,3).
Wahlbeteiligung deutlich höher als 2021
Das gleiche Bild ergab sich im kleineren Wahlkreis Schwerin II im Süden der Stadt. Dort waren Wahlbezirke in Plattenbauvierteln wie Mueßer Holz IV (56,3) Hochburgen der AfD-Kandidatin. Mandy Pfeifer erzielte ihr bestes Ergebnis im eher bürgerlichen Zippendorf (53,6). Auch unter den Briefwählern machten deutlich mehr ihr Kreuz bei den SPD-Kandidatinnen. Gut jeder vierte der knapp 77.000 Wahlberechtigten stimmte per Brief ab.
Der emotional geführte und polarisierende Wahlkampf hat viele Menschen mobilisiert. Schon am Nachmittag hatte sich in Schwerin eine hohe Wahlbeteiligung abgezeichnet, die deutlich über dem Wert von 2021 lag. In den beiden Wahlkreisen der Landeshauptstadt belief sich die Wahlbeteiligung nach dem vorläufigen Endergebnis auf 80,7 Prozent (2021: +5,5) in Schwerin I und 73,5 (+6,5) in Schwerin II. Landesweit gaben 79,5 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme ab.