Sommer-Bilanz: Steigt die Kriminalität in MV in der Hauptsaison?
Sommer-Bilanz: Steigt die Kriminalität in MV?

In den Sommermonaten steigt die Zahl der Straftaten in Mecklenburg-Vorpommern. In Bädergemeinden fällt die Zunahme noch etwa einen einstelligen Prozentpunkt höher aus als im Landesinneren. Die Polizei reagiert mit verstärkter Präsenz an Promenaden und Stränden.

Diebstähle in Zügen und Bahnhöfen

Ende August informierte die Bundespolizei über den Diebstahl mehrerer Reisegepäckstücke in MV. Betroffen waren neben dem Rostocker Hauptbahnhof auch der Hauptbahnhof in Schwerin. In einem Fall war eine Reisetasche bei einem Zwischenstopp in Neustrelitz noch vorhanden, doch als der Regionalexpress aus Berlin in Rostock einlief, fehlte von ihr jede Spur. Kleidung im Wert von 1000 Euro war weg.

Die Polizei warnte erneut vor Taschendieben, die in überfüllten Verkehrsmitteln oft leichtes Spiel haben.

LKA-Daten belegen Anstieg

Daten des Landeskriminalamtes (LKA) von 2024 und 2025 zeigen: In den Sommermonaten steigt die Zahl der Straftaten. Dabei geht es nicht nur um Diebstähle, sondern auch um Fälle von sexueller Belästigung und Rohheitsdelikte, sagt LKA-Sprecher Niels Borgmann. Der Anstieg bewege sich im niedrigen zweistelligen Prozentbereich.

Betrachtet man nur potenzielle Urlaubsziele an der Ostsee, fällt die Zunahme der Kriminalität nach Angaben von Borgmann noch um etwa einen einstelligen Prozentsatz höher aus als in Gemeinden im Landesinneren. Dass es einen Zusammenhang mit dem Tourismus gebe, sei „naheliegend“, aber nicht bewiesen.

Tourismus und Hotelalltag

Laut amtlicher Tourismusstatistik zählte MV zwischen Juni und August 2024 rund 12,45 Millionen touristische Übernachtungen, im gleichen Zeitraum 2025 waren es 14,94 Millionen – bei knapp 1,6 Millionen Einwohnern. Sollte tatsächlich eine Korrelation zwischen Tourismus und Kriminalität bestehen, könnte man vor dem Hintergrund dieser Zahlen eher einen größeren Sprung vermuten, erklärt der LKA-Sprecher.

Touristen treten beim Thema Diebstahl nicht nur als Opfer, sondern vereinzelt auch als Täter auf. Lars Schwarz, Präsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) in MV, kennt solche Fälle. Handtücher, Föhne, Schreibtischlampen und sogar WC-Bürsten hätten Urlauber aus Hotels schon mitgehen lassen, berichtet er. Auch Zechprellerei sei immer wieder ein Thema. Schwarz betont aber ausdrücklich: Es handele sich um Ausnahmen. „Die meisten Gäste sind gute Gäste“, so der Dehoga-Präsident.

Polizei setzt auf Präsenz und Prävention

In den Urlauber-Hochburgen setzt die Polizei auf verstärkte Präsenz. „Gerade in der Hauptsaison bekommen die am stärksten vom Tourismus betroffenen Polizeireviere im Land Unterstützung durch den Bäderdienst“, sagt Caroline Kohl, Sprecherin des Neubrandenburger Polizeipräsidiums. Die zusätzlichen Kräfte helfen etwa bei der Aufnahme von Unfällen, der Begleitung von Veranstaltungen oder der Suche nach vermissten Personen. Durch verstärkte Fußstreifen an Promenaden oder Stränden zeige die Polizei sichtbar Flagge, so Kohl.

In puncto Prävention würden Touristen durch die Polizei für mögliche Tatgelegenheiten sensibilisiert, erklärt die Sprecherin. Auf diese Weise sollen unter anderem Diebstähle aus Fahrzeugen, Taschendiebstähle auf Veranstaltungen oder auch Betrugsdelikte verhindert werden.