SPD-Märchen über Nord Stream 2 wird zum Lehrstoff an US-Uni
SPD-Märchen über Nord Stream 2 wird US-Lehrstoff

Die von Thomas Krüger (SPD) verbreitete Behauptung, US-Geheimdienste hätten in Mecklenburg-Vorpommern den Bau von Nord Stream 2 verhindern wollen, wird nun an der Universität von Pennsylvania als Lehrstück über Desinformation genutzt. Der US-Wissenschaftler Benjamin Schmitt berichtet seinen Studenten von dem Fall, der auch den Untersuchungsausschuss im Schweriner Landtag beschäftigte.

Ein Fall für den Hörsaal

Benjamin Schmitt, Experte für Energiesicherheit und früherer Berater des US-Außenministeriums, verwendet die von Krüger ausgelösten Vorkommnisse in seinen Vorlesungen. Er erläutert daran die Mechanismen russischer Desinformation, strategischer Korruption und der „Vereinnahmung von Eliten“ im europäischen Energiesektor. Die Reaktionen seiner Studenten fasst er als „ungläubiges Staunen“ und Gelächter zusammen.

Hintergrund ist Krügers Behauptung aus dem Sommer 2024, US-Geheimdienste seien in Mecklenburg-Vorpommern aktiv gewesen, um den Bau von Nord Stream 2 zu verhindern. Er berief sich dabei auf die Befragung zweier Zeugen der Ostseestiftung. Eine offizielle Bestätigung für diese These gibt es bis heute nicht.

Zeugen widersprechen Krügers Darstellung

Die beiden Zeugen zeigten sich erstaunt über Krügers Interpretation ihrer Aussagen. Georg Nikelski, Geschäftsführer der Ostseestiftung, kommentierte: „Das ist schon bizarr.“ Joachim Lamp, Vorstand der Ostseestiftung, erklärte, er habe ausgesagt, „dass ich nicht von einem Geheimdienstmitarbeiter, sondern von einem Mitarbeiter des US-Außenministeriums kontaktiert wurde“. Der Amerikaner habe sich 2016 in Stralsund mit ihm getroffen und nach den Aktivitäten des WWF gegen den Pipeline-Bau gefragt.

Bei dem vermeintlichen Agenten handelte es sich um Benjamin Schmitt selbst, der von August 2015 bis April 2019 als offizieller Berater im US-Außenministerium arbeitete. Im Interview bezeichnete er die Geheimagenten-Vorwürfe als „völlig verrückt“.

Kritik aus dem Untersuchungsausschuss

Vertreter von CDU, FDP und Grünen im Untersuchungsausschuss kritisierten die Unterstellungen scharf. Der damalige FDP-Fraktionschef René Domke sprach von einem „völligen Märchen“, Ausschussvorsitzender Sebastian Ehlers (CDU) attestierte der SPD eine Mischung aus „Verfolgungswahn und Größenwahn“. Hannes Damm (Grüne) sagte: „Das war ein Versuch, vom eigenen Fehlverhalten abzulenken.“

Krüger blieb bei seiner Darstellung, obwohl ein Wortprotokoll der Zeugenvernehmung seine Aussagen widerlegt. Die SPD verdrehte zudem die Chronologie: Das Treffen fand im Juni 2016 statt, nicht unter der Trump-Administration, sondern unter Barack Obama.

Ein Beamter: „In MV ist schlussendlich alles russisch“

Schmitt schilderte zudem ein Detail seiner damaligen Reise: Er hatte beim Bergamt Stralsund um einen fachlichen Austausch über ökologische Risiken gebeten. Das Bergamt sagte kurzfristig ab – die Landesregierung habe das Treffen untersagt. Stattdessen wurde er ins Energieministerium nach Schwerin zitiert, wo man seine Bedenken abblockte. Beim Abschied habe ihm ein Beamter gesagt: „In Mecklenburg-Vorpommern ist schlussendlich alles russisch.“ Ein Regierungssprecher bestätigte das Treffen, machte aber keine Angaben zu Inhalten.

Der AfD-Vertreter Michael Meister, der zunächst ebenfalls spekuliert hatte, räumte ein: „Einen Beleg für eine nachrichtendienstliche Tätigkeit von Dr. Schmitt gibt es nicht.“

SPD bleibt bei ihrer Linie

Die SPD-Fraktion weist die Vorwürfe weiterhin zurück: „Die Vorwürfe weisen wir in aller Klarheit zurück.“ Eine Antwort auf die Frage, wie Krüger die zeitliche Fehlzuordnung bewertet, blieb aus. Die Fraktion verwies darauf, dass sich Krügers Aussagen auf eine Zeugenaussage bezögen und der Untersuchungsausschuss „längst abgeschlossen“ sei.

Für Schmitt ist die Angelegenheit nicht abgeschlossen. Er betont: „Ich möchte diese negative Erfahrung, bei der ich persönlich fälschlicherweise von ausländischen Politikern angegriffen wurde, nutzen, um deutlich zu machen: Das ist ein Paradebeispiel – und das sollte beschämend sein für Herrn Krüger und Herrn Meister – für die Verbreitung von Propaganda und damit einhergehend für die Untergrabung transatlantischer Sicherheit.“ Seine Studenten reagierten mit Fassungslosigkeit, so Schmitt, und er betone zugleich, „wie ernst und gefährlich solche Äußerungen sind“.