Beim historischen Stadtspaziergang durch die Schweriner Innenstadt stand am Samstag die erste Montagsdemonstration vom 23. Oktober 1989 im Mittelpunkt. Oberbürgermeister Sebastian Ehlers (CDU) und Martin Klähn, Mitbegründer des Neuen Forums in der DDR, hatten zum Tag der Deutschen Einheit eingeladen.
Erinnerungen an die erste Montagsdemonstration
Weit mehr als 50 Interessierte machten sich auf eine Reise in die Vergangenheit. Der Rundgang startete am Stadthaus und führte zur Paulskirche, wo am 2. Oktober 1989 die Gründungsversammlung des Neuen Forums in Schwerin stattfand. Nächste Station war das Arsenal, in dem sich damals die Bezirksbehörde der Polizei befand. Vor dem Gebäude hatten die Teilnehmer der ersten Montagsdemo unzählige Kerzen abgestellt. Eine weiße Fläche mit verblichenen Rußspuren in der Fassade und eine Stele erinnern noch heute daran.
Evemaria Löser, die als 40-Jährige am 23. Oktober 1989 dabei war, erzählte, dass jeder Teilnehmer versucht habe, von überall her Kerzen zu bekommen. Sie denke besonders an die Ruhe unter den Demonstranten und das große Gemeinschaftsgefühl zurück.
Brisante Lage und Gegenkundgebung
Im Dom fand vor der Montagsdemonstration ein Friedensgebet statt. Die Lage war durchaus brisant. Die SED habe am selben Tag zur selben Zeit zu einer Gegenkundgebung eingeladen, um sich ihrerseits an die Spitze der Bewegung zu stellen, schilderte Martin Klähn. Doch auch viele „Gegendemonstranten“ hätten sich dem Protestzug des Neuen Forums angeschlossen.
Zwischen 35.000 und 40.000 Menschen zogen schließlich vom Alten Garten durch die Schweriner Innenstadt. Grundsatz: „Keine Gewalt!“ Einen Sturm auf den Sitz der SED-Bezirksleitung, die heutige Staatskanzlei, verhinderte am Ende der Bürgerrechtler Heiko Lietz. Er redete auf die Demonstranten ein und sorgte so dafür, dass die friedliche Revolution friedlich geblieben ist.
Junge Teilnehmer begeistert
Unter den Teilnehmern des Stadtspaziergangs waren am Samstag auch viele junge Leute. „Es ist spannend, jeden Tag an historischen Orten vorbeizugehen“, sagte die 34-jährige Julia Hehl. Auch Lina Horst war von dem Ausflug in die Geschichte begeistert. Der Spaziergang sei ein tolles Format, meinte die 29-Jährige.
So hatte sich Martin Klähn den Ausgang der ersten freien Volkskammer-Wahl im März 1990 nicht vorgestellt. Nur wenige Prozente seien auch in Schwerin auf die Bürgerrechtsbewegung entfallen, während der Stapel etwa mit den Stimmen für die CDU bei der Auszählung immer mehr zugenommen habe, berichtete er. „Ja, diese Zeiten gab es mal“, sagte Oberbürgermeister Sebastian Ehlers ein bisschen wehmütig vor dem Hintergrund der derzeitigen Krise der Union. Um aktuelle Politik ging es diesmal aber nicht.