Plötzlich läuft ein Hund auf die Straße. Der Blick geht nach vorn, die Hände ziehen automatisch an den Fahrradbremsen – gerade noch rechtzeitig. Zum Glück ist die Situation an diesem Donnerstag nur eine Simulation. Auf dem Parkplatz des Sieben Seen Centers zeigen Polizei und Landesverkehrswacht Mecklenburg-Vorpommern, wie schnell aus einer alltäglichen Situation eine gefährliche werden kann.
Während Polizeibeamte mit Autofahrern und Passanten über Vorfahrt, Rücksichtnahme und andere Verkehrsregeln sprechen, können Besucher wenige Meter weiter selbst testen, wie aufmerksam sie auf dem Rad unterwegs sind.
Seit Jahrzehnten für Verkehrsprävention im Einsatz
„Entscheidend ist, vor dem Hindernis zum Stehen zu kommen“, erklärt Uwe Marek. Er begleitet die Testfahrten am Fahrradsimulator der Landesverkehrswacht. Dabei geht es nicht allein darum, möglichst schnell auf eine Gefahr zu reagieren. Noch besser ist es, sie vorher zu erahnen. Ein schlecht einsehbarer Ausgang, ein Kind am Straßenrand oder ein Hund, der plötzlich losläuft: Wer seine Umgebung im Blick behält, kann frühzeitig reagieren.
Mareks Rat ist deshalb einfach: aufmerksam fahren, möglichst ohne Kopfhörer und das Handy am besten in der Tasche lassen. Marek war früher Präventionsberater bei der Polizei und Verkehrslehrer. Insgesamt war er nach eigenen Angaben 23 Jahre in diesem Bereich tätig. Nach seiner Pensionierung kehrte er zur Verkehrswacht zurück. „Das hat mir gelegen, das habe ich gerne gemacht“, sagt er.
Die Simulatoren werden von Neustrelitz aus für die Landesverkehrswacht in ganz Mecklenburg-Vorpommern eingesetzt. Auch an Schulen ist das Team regelmäßig unterwegs – vom Fußgängertraining bis zur Vorbereitung auf die Fahrradprüfung.
Unfallzahlen zeigen die Bedeutung der Prävention
Wie wichtig Prävention ist, zeigen die Unfallzahlen: 2024 verunglückten in Mecklenburg-Vorpommern 1541 Menschen mit dem Fahrrad, 14 von ihnen kamen ums Leben. Im Jahr zuvor waren es zwei Todesopfer gewesen. Auch E-Scooter rücken zunehmend in den Fokus. Bundesweit nahm die Zahl der E-Scooter-Unfälle mit Personenschaden 2024 deutlich zu.
Polizei klärt über Vorfahrt und Vorrang auf
Der Aktionstag am Sieben Seen Center ist Teil der Kampagne „Fahren. Ankommen. Leben!“. Im Oktober stehen Vorfahrt und Vorrang im Mittelpunkt. Dabei setzt die Polizei nicht allein auf Kontrollen, sondern vor allem auf Gespräche und Aufklärung.
Präventionsbeamter Steffen Salow erklärt etwa eine Besonderheit auf dem Parkplatz des Einkaufszentrums. Dort könne man sich nicht einfach auf „rechts vor links“ verlassen. Gefragt seien Vorsicht und gegenseitige Rücksichtnahme. „Jeder muss auf den anderen aufpassen“, sagt Salow.
Passend zur dunkleren Jahreszeit gibt es außerdem Informationen zur Sichtbarkeit im Straßenverkehr und zu E-Scootern. Auch der Schutz von Fahrrädern vor Diebstahl ist Thema. Am Ende führen all diese Angebote auf denselben Punkt zurück: Viele gefährliche Situationen lassen sich entschärfen, bevor es überhaupt kracht. Wer aufmerksam unterwegs ist, mögliche Fehler anderer mitdenkt und sich nicht ablenken lässt, verschafft sich im entscheidenden Moment wertvolle Sekunden.