Das Landgericht Neubrandenburg hat einen 40 Jahre alten Mann aus der Region Mecklenburgische Seenplatte wegen Handels mit Drogen und Dopingmitteln sowie Waffenbesitzes zu drei Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt. Der Angeklagte, der damals in Altentreptow wohnte und im Prozess ein Teilgeständnis ablegte, wurde unter anderem des „Handeltreibens mit Waffen und Dopingmitteln“ sowie des „versuchten Erwerbs von Dopingmitteln“ schuldig gesprochen. Einige der Mittel waren bestellt, aber vom Zoll abgefangen worden.
Revision eingelegt
Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Sowohl die Staatsanwaltschaft als auch die Verteidigung haben Revision eingelegt, da ihre Strafforderungen deutlich vom Urteil abweichen. Die Staatsanwaltschaft hatte sechseinhalb Jahre Haft gefordert, während Verteidiger Peter Schmidt eine Bewährungsstrafe beantragt hatte. Damit muss sich voraussichtlich der Bundesgerichtshof mit dem Fall befassen.
Hintergrund: Drogenhandel und Ermittlungen
Der Drogenhandel des Mannes, der in einem Mehrfamilienhaus wohnte, blühte insbesondere in den Jahren 2023 und 2024, als gefährliche Ecstasy-Pillen vom Typ „Blue Punisher“ für Schlagzeilen sorgten. Im Juni 2023 starb eine 13-Jährige aus Altentreptow nach dem Konsum dieser Pillen. Da weitere Mädchen in der Region nach der Einnahme mit schweren Gesundheitsproblemen in Kliniken behandelt werden mussten, intensivierte die Polizei ihre Ermittlungen.
Dabei stießen die Ermittler auf den heute 40-jährigen gelernten Kellner. Er räumte im Prozess einige der insgesamt sieben Anklagevorwürfe ein. So habe er mehrere Kilogramm Amphetamine besorgt und weiterverkauft – „vor allem an Bekannte“. Damit habe er den eigenen Drogenkonsum sowie die Drogen für seine Lebensgefährtin finanziert. „Die Geschäfte, auch mit den Dopingmitteln, wurden im Wohnzimmer abgewickelt“, sagte er. Dopingmittel zum Muskelaufbau habe er besorgt, „damit die Muskelmasse schneller zunimmt“.
Durchsuchungen und Waffenfund
Bei zwei Polizei-Durchsuchungen im März 2024 und im November 2024 wurden Drogenreste im Straßenverkaufswert von etwa 12.000 Euro beschlagnahmt. Bei der zweiten Razzia rückten SEK-Beamte an und sprengten die Wohnungstür auf. Zuvor war der Mann abgehört und seine Wohnung im Süden von Altentreptow längere Zeit überwacht worden.
Bei den Razzien wurden nach Angaben der Staatsanwaltschaft auch griffbereite Schreckschuss- und Luftdruckpistolen, ein Wurfstern, mehrere Messer und ein Elektroschocker, der wie eine Taschenlampe aussah, gefunden. Nach seiner Festnahme im November 2024 war der Angeklagte rund vier Monate in Untersuchungshaft, wurde dann wieder auf freien Fuß gesetzt.
Kein direkter Zusammenhang mit dem Todesfall
Mit dem Tod der 13-Jährigen aus Altentreptow soll der Mann nicht direkt zu tun gehabt haben. In diesem Zusammenhang war bereits im April 2024 ein damals 17-jähriger Dealer verurteilt worden. Er hatte gestanden, dem Mädchen die Pillen für fünf Euro das Stück verkauft zu haben. Wegen seines jugendlichen Alters und weil nicht bewiesen werden konnte, ob genau eine dieser Pillen tödlich wirkte, erhielt der 17-Jährige 120 Stunden gemeinnützige Arbeit auferlegt.