Ein Großbrand hat in der Nacht zum Sonntag den alten Speicher in Alt Rehse vollständig zerstört. Rund 100 Feuerwehrleute waren im Einsatz, verletzt wurde nach bisherigen Angaben der Polizei niemand. Der Schaden wird auf etwa 100.000 Euro geschätzt, die Brandursache ist noch unklar. Die Feuerwehr hält weiter Brandwache.
Am Tag nach dem Brand ist von dem markanten Gebäude im Penzliner Ortsteil nur noch eine Ruine übrig. Weiße Schaumberge bedecken den Vorgarten und die Überreste des Speichers, während deutlicher Brandgeruch in der Luft liegt. Gegen 22.45 Uhr waren die Einsatzkräfte alarmiert worden.
Nachbarin schildert dramatische Nacht
Die unmittelbaren Nachbarn erlebten die Nacht als äußerst bedrohlich. Vera Körwer, die nur etwa 50 Meter entfernt wohnt, berichtet von einem dumpfen Knall kurz vor den Sirenen. Auch ihre Hunde schlugen an. Als sie und ihr Mann vor die Tür traten, seien die Fenster des Speichers bereits hell vom Feuer erleuchtet gewesen.
„Dann ging es so schnell“, erinnert sich die Nachbarin. Noch bevor die Löschfahrzeuge eintrafen, habe der Dachstuhl gebrannt. „Ich hab’ richtig Angst gehabt. Im Mittelteil sind die Flammen so hoch rausgeschlagen. Ich habe im Leben noch nicht solche Flammen gesehen.“ Ihr Mann brachte eilig das Auto vom eigenen Grundstück weg. Die Tür sei durch die enorme Hitze bereits so heiß gewesen, dass er sie kaum habe anfassen können.
Wasserversorgung als größte Herausforderung
Für die Feuerwehr war die Wasserversorgung die größte Herausforderung. „Der Löschteich war durch die Trockenheit sehr leer“, sagt Robert Thürk, Ortswehrführer der Freiwilligen Feuerwehr Alt Rehse und Einsatzleiter. Deshalb musste eine rund 1,5 Kilometer lange Löschwasserstrecke vom Tollensesee aufgebaut werden. Weil große Teile des Gebäudes zusammengestürzt waren, habe man viel Schaum einsetzen müssen, so Thürk. „Damit wir den Deckel drauflegen, damit das Feuer erstickt.“
Besonders der Funkenflug bereitete den Einwohnern Sorgen, da in Alt Rehse zahlreiche reetgedeckte Häuser stehen, viele davon unter Denkmalschutz. Dass die Nacht weitgehend windstill blieb, wirkte wie Glück im Unglück.
Brandruine wird zum Anziehungspunkt
Am Sonntag entwickelte sich die Brandruine zum Anziehungspunkt für Einwohner und Gäste. Radfahrer auf dem beliebten Rundweg um den Tollensesee unterbrachen ihre Tour und fotografierten das zerstörte Gebäude.
Der Speicher war im Dorf schon lange kein gewöhnliches Gebäude. Besitzer Bernd Haldenwang, der sich selbst „Cosmo“ nennt, hatte das Grundstück mit zahlreichen Gegenständen sowie Plakaten und Inschriften versehen. In den vergangenen Jahren gab es wiederholt Auseinandersetzungen mit Behörden. Haldenwang wurde im vergangenen Jahr wegen eines Angriffs auf Polizisten zu einer Haftstrafe verurteilt. Auch Penzlins Bürgermeister Sven Flechner hatte bereits von Bedrohungen gegen Verwaltungsmitarbeiter berichtet.
„Mir tut es um dieses Gebäude so unendlich leid“, sagt Vera Körwer trotz der jahrelangen Konflikte. Sie habe nie verstanden, warum der denkmalgeschützte Speicher derart habe verschandelt werden dürfen. Die Brandwache der Feuerwehr hält weiter an, während die Ermittlungen zur Brandursache laufen.