Mehr als drei Stunden beriet der Krisenstab in Ueckermünde – doppelt so lange wie ursprünglich geplant. Eine gesicherte Zukunft für die Gießerei konnten die Beteiligten danach nicht verkünden. Für 320 Beschäftigte bleibt die Ungewissheit: Ihr Werk soll zum Jahresende schließen. Wirtschaftsminister Wolfgang Blank (parteilos) drängt aufs Tempo und sieht das Unternehmen in der Verantwortung.
Viele Fragen an Gesellschafter und Geschäftsführung
„Wir müssen jetzt hier wirklich schnell reagieren“, sagte Blank dem Nordkurier. Ob die Beschäftigten vor Weihnachten Klarheit bekommen, ließ er offen. „Da sitzt jemand im Fahrersitz, das ist der Unternehmer.“ An die Firma Breyden, den Gesellschafter und die Geschäftsführung habe man noch viele Fragen.
Blank war bereits zum zweiten Mal innerhalb einer Woche wegen der angekündigten Schließung in Ueckermünde. Bei einem Besuch rund drei Wochen zuvor habe Geschäftsführer Sebastian Simon zwar die schwierige Lage der deutschen Gießereibranche geschildert, zur speziellen Situation des Werks aber nichts gesagt. Seine Überraschung darüber habe Blank bei seinem Besuch am Montag zum Ausdruck gebracht.
Die Hoffnung sei, Wissen und Kompetenz am Standort zu erhalten. Für konkrete Aussagen sei es jedoch noch zu früh, so Blank gegenüber dem Nordkurier.
Krisengespräch im Rathaus
Eineinhalb Stunden waren für die Beratung angesetzt, von acht Uhr bis nach elf saß die Runde um Bürgermeister Tino Spiegelberg (parteilos) zusammen. Betriebsrat und Gewerkschaftsvertreter durften nur zu Beginn teilnehmen. Gegen 10.30 Uhr kam Geschäftsführer Sebastian Simon hinzu und blieb etwa eine halbe Stunde. „Wir haben unsere Perspektiven ausgetauscht und bleiben im Gespräch“, sagte er anschließend. Ein weiteres Treffen sei verabredet.
Die IG Metall will „auf jeden Fall hier Beschäftigung am Standort erhalten und die Region damit stärken und nicht schwächen“, erklärte Frank Prenzlau, Geschäftsführer der IG Metall Stralsund-Neubrandenburg. Könnte eine Staatsbeteiligung helfen? „So weit sind wir noch nicht“, antwortete er. Der Unterstützungsbedarf sei aber angesprochen worden. Zunächst sammle die Gewerkschaft Verbündete für die Rettung.
Perspektive bis Jahresende
Geprüft werden müsse, wie es wirtschaftlich um das Werk steht und welche Möglichkeiten der Standort bietet. Bis Jahresende wolle die IG Metall eine Perspektive für die Beschäftigten entwickeln. Auf einen früheren Termin legte sich Frank Prenzlau nicht fest. Gegenüber möglichen Investoren und dem Land signalisierte er Offenheit: „Wir sprechen mit allen.“
Tino Spiegelberg setzt auf Unterstützung aus Schwerin: „Wir haben die Landesregierung ja mit im Boot.“ An Konzepten werde gearbeitet, Einzelheiten könne er noch nicht nennen. Helfen sollen auch die Erfahrungen des früheren Gießereichefs Ulrich Stark und die Kontakte weiterer Beteiligter. In der kommenden Woche wolle man erneut mit Minister und Stark beraten.
Stark und weitere Vertreter des Demokratiebündnisses Vorpommern haben Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) in einem offenen Brief zum Handeln aufgefordert. Vorrang habe der Erhalt des Standorts, gegebenenfalls mit einem neuen Betreiber. Dafür fordert das Bündnis einen Sonderbeauftragten mit Krisenstab der Landesregierung.
Offen ist, welche Arbeitsplätze gesichert werden könnten. Spiegelberg möchte weiter alle Möglichkeiten ausloten. „Es ist noch nicht das Ende“, sagte er.