Seit mehr als 20 Jahren belastet ein Urteil das Leben eines Mannes, der seine Verurteilung bestreitet. Nun setzt er auf die Hilfe von Jurastudenten aus Greifswald, die ehrenamtlich für das Innocence Projekt Deutschland arbeiten. „Ich will, dass mir Gerechtigkeit widerfährt“, sagt er unserer Redaktion. Das Urteil belastet nicht nur ihn, sondern auch sein Umfeld stark.
Studenten suchen einen Ansatz für Herrn S.
Die Jurastudenten investieren zahlreiche Stunden ihrer Freizeit, um einen Ansatz zu finden, der Herrn S. helfen kann. Das Besondere an dem Fall: Der Beschuldigte S. ist Soldat und damit in einem Beamtenverhältnis.
Unsere Redaktion hat mit dem damaligen Gericht gesprochen. Aus dessen Sicht ist der Fall eindeutig: „Der Angeklagte hat die Tat im vollen Umfang eingeräumt. Sein Geständnis ist glaubhaft. Es passte zu den Bekundungen der Geschädigten […] sowie den objektiven Feststellungen und Gegebenheiten.“
Zwei unterschiedliche Urteile für denselben Vorwurf
Dieses Geständnis und die Verurteilung belasten S. sehr. Nach der Verurteilung geht es ihm schlecht. Unsere Redaktion hat bei der Frau nachgefragt, wegen der S. verurteilt wurde – und um ihre Seite der Geschichte gebeten. Die Anfragen blieben unbeantwortet.
Zusätzlich zum Gerichtsprozess gab es ein Disziplinarverfahren der Bundeswehr. Auch hier beschäftigte sich ein Richter mit dem Fall. In dem Verfahren wurde Herr S. freigesprochen. Dadurch hat S. zwei unterschiedliche Urteile für den gleichen Vorwurf. Das zweite Verfahren ist auch ein Ansatzpunkt für eine Wiederaufnahme des Verfahrens.
Law Clinic Greifswald arbeitet an Wiederaufnahme
Die Studenten der Law Clinic Greifswald arbeiten daran, S. diese Chance zu eröffnen. Dafür wälzen sie Akten und investieren unzählige Stunden in ihrer Freizeit. Die Law Clinic Greifswald gehört zum Innocence Projekt Deutschland. In diesem arbeiten deutschlandweit Studierende daran, Betroffene auf Wunsch nach einem Wiederaufnahmeverfahren zu beraten.