Martina Krüger, die langjährige Lebensgefährtin von Wolfgang Bordel, hat ein Buch über den 2022 verstorbenen Intendanten geschrieben. Es trägt den Titel „Und find ich gleich nicht alles, wie es soll ... Die Welt des Theater-Machers Wolfgang Bordel“ und erscheint am 9. Oktober 2026 im Klatschmohn-Verlag. Die Buchpremiere am 10. Oktober im Theater Anklam ist bereits ausverkauft.
Fundstücke aus einer Holzkiste
Nach Bordels Tod fand Krüger in einer alten Holzkiste im gemeinsamen Haus in Schmatzin bei Anklam zahlreiche Dokumente. Darunter befanden sich auch Unterlagen aus seiner Studienzeit an der Universität Rostock, die zeigen, wie Bordel wegen seiner Schauspielerei mit der SED-Hochschulgruppenleitung in Konflikt geriet.
Bereits 1973 übernahm Bordel die Leitung der FDJ-Studentenbühne. Zwei Jahre später sah er sich einem „Verbandsverfahren“ gegenüber. In einem Dokument der SED-Leitung hieß es: „Die FDJ-SB hat in der vergangenen Zeit keine positive Entwicklung genommen. Es gelang nicht, ein Stück mit klarer politischer Aussage aufzuführen.“ Als Negativbeispiele wurden unter anderem die Stücke „Nachfeier“, eine Komödie von Moliere sowie ein Hörspiel von Böll aufgelistet.
Ein widerspruchsvoller Geist
Bordel reagierte auf die Kritik mit einer Stellungnahme. „Künstler zu sein, heißt nicht, einen Beruf zu haben, sondern eine Berufung zu empfinden, auch wenn es illusorisch klingt“, schrieb er damals. Er forderte, dass die Partei „konsequenter und schärfer die Entwicklung vorantreiben müsse“. Es gebe keine Alternative „als den sozialistischen Weg“.
Bordel machte 1974 sein Physik-Diplom in Rostock, studierte anschließend Philosophie an der Humboldt-Universität in Berlin und promovierte 1979. Er war Gründungsmitglied, Leiter, Regisseur und Schauspieler des Arbeiter- und Studentheaters (AST) an der Humboldt-Uni. Sein damaliger Mitstudent Michael Waßermann erinnert sich: „Er hat sich mit fast jedem Dozenten heftig angelegt.“ Bordel wurde als „Parteischädling“ abgestempelt und erhielt eine Parteistrafe wegen Verbreitung „trotzkistischer Auffassungen“.
Von Berlin nach Schmatzin
Bordel erwarb ein heruntergekommenes Gehöft in Schmatzin bei Anklam und baute es mit Berliner AST-Enthusiasten zur Landkommune aus. Die Laienschauspieler wollten näher an den FDGB-Ferienheimen an der Ostsee sein, die sie in den Semesterferien bespielten.
Sein Lebenswerk wurde das Anklamer Theater, das er zu einem „Theaterimperium“ mit acht Spielstätten entwickelte. Dazu gehören Zinnowitz, Barth, Heringsdorf und Wolgast. 1998 rief er die Theaterakademie Vorpommern in Zinnowitz ins Leben. „Von den großen Schauspielschulen käme doch niemand nach Anklam. Die müssten das ja verheimlichen, wenn sie jemand hierher vermitteln. Für die ist das Sibirien“, meinte Bordel.
Ein Leben für das Theater
Martina Krüger zählt Bordels Berufe auf: „Lokschlosser, Physiker und Philosoph, Regisseur, Schauspieler, Autor, Intendant.“ Bordel war stolz darauf, Kommunist zu sein. „Ich bin von Hause aus katholisch. Ich denke, dass nur gute Katholiken auch gute Kommunisten werden können“, zitierte ihn Krüger.
2011 wurde Bordel neben seiner Intendanz in Anklam auch Schauspieldirektor an der TOG Neubrandenburg-Neustrelitz. Er inszenierte das Revolutionsstück „Die Matrosen von Cattaro“ von Friedrich Wolf, das nach wenigen Aufführungen abgesetzt wurde. Das Buch von Martina Krüger umfasst 235 Seiten mit zahlreichen Abbildungen und kostet 19 Euro.