Am Samstag rollte eine echte DDR-Ikone durch Vorpommern: Der Schnellzug SVT Görlitz fuhr im Rahmen einer Sonderfahrt von Dresden über Pasewalk, Anklam und Greifswald bis auf die Ostseeinsel Rügen. Nach mehr als fünf Jahren ist der ehemalige DDR-Schnellzug wieder einsatzbereit. Rund sieben Millionen Euro wurden für die Aufbereitung des Zuges aufgewendet.
Eine Initiative mit langer Geschichte
Betrieben wird der SVT Görlitz von der privaten Initiative „Ein Zug für Mitteldeutschland“. Vorgestellt wurde die Baureihe 1963 in der DDR vom VEB Waggonbau Görlitz, was ihm auch den heutigen Namen einbrachte. Damals fuhr er unter anderem unter den Bezeichnungen „Karlex“, „Vindobona“ oder „Neptun“.
Die Namen galten dabei nicht etwa wie heute den Triebwagen, sondern den gefahrenen Strecken der Züge, erklärt die Initiative. So fuhr „Karlex“ etwa von Berlin nach Karlov Vary (Karlsbad) oder „Neptun“ sogar über die Seestrecke von Warnemünde nach Gedser von Berlin bis nach Kopenhagen.
Technik und Innenraum des DDR-ICE
Dass die Züge damals schon als Aushängeschild der Deutschen Reichsbahn galten, war auch ihrer Technik geschuldet. Heutzutage oft liebevoll als DDR-ICE bezeichnet, brachte es der SVT Görlitz dank zweier 1000-PS-Dieselmotoren auf eine beachtliche Höchstgeschwindigkeit von bis zu 160 Kilometern pro Stunde.
„Auf den Fahrten im internationalen Fernverkehr, konnten im Innenraum des Zuges 140 Fahrgäste Platz nehmen. Im MITROPA-Restaurant standen zusätzlich 23 Plätze zur Verfügung“, erklärt die Initiative weiter.
Förderung und Wiederinbetriebnahme
Nach dem Ausscheiden der Züge aus dem regulären Verkehr sind nur wenige Fahrzeuge des DDR-Schnellzugs erhalten geblieben. Ziel der Initiative sei es, einen Schnelltriebwagenzug der Baureihe VT 18.16 wieder betriebsfähig herzurichten und im Sonder- und Charterzugbetrieb langfristig wirtschaftlich zu betreiben.
„Für das Projekt war es eine große Freude, dass durch den Bund (BMVI) 3,37 Mio. € und den Freistaat Sachsen (SMWA) 300 T€ Fördermittel bewilligt wurden“, heißt es von „Ein Zug für Mitteldeutschland“. Durch die Fördermittel und auch private Spenden gelang es schließlich Anfang März 2026, den Zug wieder auf die Gleise zu bringen. Stolze 2542 Tage hätten sie auf den Tag hingearbeitet.
Buchbare Sonderreisen
Seitdem ist der Zug für Ausfahrten buchbar. So auch am vergangenen Wochenende, als der Zug von Dresden über Berlin, durch ganz Vorpommern bis auf die Insel Rügen nach Putbus aufbrach. Unterstützt wird die Initiative bei Ausfahrten noch von dem Förderverein VT 18.16 e. V., der sich beispielsweise um die Bewirtung der Gäste im Speiseraum oder mit dem Trolley am Sitzplatz kümmert.
Tickets für die drei- bis fünftägigen Sonderreisen der DDR-Ikone gibt es online auf maertensreisen.com zu kaufen. Die Fahrkarten, etwa der Glühwein-Express von Dresden nach Heringsdorf und zurück, oder ein Sonderzug zum Heidelberger Weihnachtsmarkt, liegen inklusive Hotelübernachtungen bei etwa 1000 Euro pro Passagier.