Labyrinthische Räume, rätselhafte Figuren und Landschaften, die eher wie Traumwelten wirken: Die Kunstsammlung Neubrandenburg präsentiert in ihrer Sonderausstellung „Räume der Sehnsucht“ rund 80 Leihgaben und Werke aus dem eigenen Bestand. Gezeigt werden Arbeiten surrealistischer und magisch-realistischer Künstlerinnen und Künstler aus der DDR, die unterschiedliche Wege in eine andere Wirklichkeit eröffnen.
Ursprung in der marxistischen Kunsttheorie
Den Ausgangspunkt bildete der Philosophieprofessor Roger Garaudy, Mitglied der Kommunistischen Partei Frankreichs, der 1963 einen „Realismus ohne Ufer“ forderte und damit eine größere ästhetische Freiheit innerhalb der marxistischen Kunsttheorie anstrebte. Sein Ansatz brach laut Ausstellungstext mit den bis dahin von vielen Kunstschaffenden in der DDR und Osteuropa als dogmatisch empfundenen Paradigmen der Parteilichkeit, Volksverbundenheit und Verständlichkeit und stand damit der sozialistischen Kulturpolitik entgegen.
Trotzdem hätten sich Künstlerinnen und Künstler in der DDR davon inspirieren lassen, Bildräume zu erschaffen, mit denen sie die politisch-ästhetischen Vorgaben des sozialistischen Realismus auf subtile Weise unterminierten.
Werke von Nowinka, Giebe und Kastner
Zu sehen sind unter anderem Josef Nowinkas „Liegende mit Tieren“, Hubertus Giebes „Grotesker Karneval“ und Manfred Kastners „Melancholia“. Während Nowinka eine bizarre Szene mit einer liegenden Frau und drei Tierfiguren zeigt, steht bei Kastner eine einzelne Figur in einer weitläufigen Architektur. Giebes Werk wirkt dagegen wie ein farbenprächtiger, grotesker Karneval.
Führungen und Lesung im Rahmen der Uwe-Johnson-Tage
Die Ausstellung läuft bis 3. Januar 2027 in der Kunstsammlung Neubrandenburg. Am 26. November und 13. Dezember gibt es spezielle Kuratorinnenführungen, für die um eine Anmeldung unter 0395 555 1290 oder per E-Mail an [email protected] gebeten wird.
Für den 23. Oktober ist eine Veranstaltung mit der Autorin Mirna Funk geplant, die aus ihrem Roman „Balagan“ (2026) lesen wird. Die Lesung wird mit der Mecklenburgischen Literaturgesellschaft organisiert und findet im Rahmen der Uwe-Johnson-Tage statt. Die Moderation übernimmt Carsten Gansel. Anmeldungen sind per Telefon unter 0395 544 16 71 oder per Mail an [email protected] möglich.