Boizenburgs Fliesenbilder erstrahlen bei erster Nacht der Fliesen
Erste Nacht der Fliesen in Boizenburg begeistert

Bei der ersten „Nacht der Fliesen“ in Boizenburg wurden ausgewählte Fassadenbilder am Sonnabendabend stilvoll beleuchtet. Auch das Rathaus erstrahlte in besonderem Licht auf dem Marktplatz. Ortschronist Mario Buck gab bei einer rund 75-minütigen Führung Einblicke in die Geschichten hinter den Kunstwerken.

Geschichten hinter den Fliesenbildern

Nach Sonnenuntergang startete die Führung am Markt. Elf Fliesenbilder gibt es im historischen Stadtkern, knapp die Hälfte davon wurde während des Rundgangs näher vorgestellt. Buck interessierten vor allem die Geschichten hinter den Motiven und die Menschen, die mit ihrer Entstehung verbunden sind.

Am Boizenburger Wall gab es das Werk „Iris am Teich“ von Lothar Scholz zu entdecken, dessen Blütenmotiv einen Bezug zum nahe gelegenen Altendorfer Teich herstellt. Ursprünglich hatte der Künstler auch eine Schwanenfamilie für die Hausfassade entworfen. Damit die Besucher das seitlich angebrachte Kunstwerk in seiner ganzen Pracht bewundern konnten, hatte ein Nachbar kurzerhand seine Hecke gestutzt. „Heute Morgen ist es erst geschehen, also frisch für uns sichtbar gemacht“, freute sich Buck über die spontane Unterstützung.

Überraschung am Bollenberg

Eine ganz andere Geschichte erwartete die Teilnehmer am Bollenberg, der früher wegen seiner einfachen Lebensverhältnisse als „Nachtjackenviertel“ bekannt war. Dort hatten Harro und Doris Lingnau 2005 eigentlich zwei kleine Fliesenbilder bei Lothar Scholz in Auftrag geben wollen. Doch der Künstler überraschte sie mit einem großformatigen Eulenmotiv. „Wir waren so geflasht davon, dass wir gesagt haben: Vergessen wir diese kleinen Bilder“, erinnerte sich Harro Lingnau. Seitdem schmückt das Kunstwerk den Hausgiebel.

Touristische Perspektive

Hinter der Premiere steckte auch die Absicht, Boizenburgs touristisches Profil zu schärfen. Dafür hatte sich Astrid Grosch, stellvertretende Vorsitzende des Ausschusses für Wirtschaft, Tourismus und Kultur, bereits bei der Erarbeitung des Tourismuskonzeptes eingesetzt. „Viele Städte wären froh, überhaupt für etwas Besonderes bekannt zu sein“, sagt Grosch.

Bürgermeister Rico Reichelt erinnerte daran, dass zunächst Elbe, Natur und Stadtpark im Mittelpunkt der Überlegungen gestanden hätten. Das beauftragte Fachbüro habe dann den besonderen Wert der Fliesentradition herausgearbeitet. Grosch möchte die Marke „Boizenburg – die Fliesenstadt“ deshalb 2027 zeitgemäß weiterentwickeln.

Mit einer spektakulären Feuertanzshow eröffnete „LEONARA FIRE“ auf dem Boizenburger Marktplatz die erste „Nacht der Fliesen“. Gemeinsam mit Petra Götz, die bei der Stadt für Citymanagement und Tourismus verantwortlich ist, hatte Grosch die Veranstaltung organisiert. Nach dem Rundgang trafen sich die Besucher im „Ersten Deutschen Fliesenmuseum“, wo Livemusik und historische Filmdokumente den Abend abrundeten. Die Premiere zeigte, dass sich aus Boizenburgs Fliesentradition durchaus neue Ideen entwickeln lassen.