Europa-Kolleg Pasewalk: Masterstudium ab 2030 geplant
Europa-Kolleg Pasewalk: Master ab 2030 geplant

Pasewalk soll Hochschulstadt werden. Ein Förderverein will gemeinsam mit der Universität Stettin (Szczecin) und der Hochschule Neubrandenburg ein deutsch-polnisches Europa-Kolleg aufbauen. Geplant sind internationale Masterangebote zu Regionalentwicklung, Unternehmertum und europäischer Verständigung. Dr. Dieter Gobbers erklärt, wer dort künftig studieren kann, wann es losgehen soll – und wie das Projekt finanziert werden könnte.

Kooperationsvereinbarung unterzeichnet

Der Förderverein, die Universität Szczecin und die Hochschule Neubrandenburg haben eine Kooperationsvereinbarung geschlossen. Damit können die Beteiligten in eine konkrete Aufbauphase eintreten. Geplant ist ein unabhängiges, privates deutsch-polnisches Hochschulinstitut mit europäischem Bezug. Es soll nicht einfach nur ein weiterer Studienort werden, sondern modellhaft untersuchen, wie sich ländliche Räume und kleinere Städte so entwickeln lassen, dass sie auch künftig für alle Generationen lebenswert bleiben.

Masterangebote für Absolventen

Studieren sollen dort Personen, die bereits einen Bachelorabschluss haben und anschließend einen Master machen wollen. Geplant sind keine Bachelorstudiengänge, sondern weiterführende Angebote. Drei Bereiche stehen zunächst im Mittelpunkt: Regionalmanagement und Entwicklung ländlicher Strukturen, Entrepreneurship im ländlichen Raum sowie Demokratie, Pluralismus und Völkerverständigung. Die Studiengänge sollen interdisziplinär sein.

Beim Regionalmanagement geht es nicht nur um Wirtschaft oder Verwaltung. Historische, soziologische, rechtliche und wirtschaftliche Fragen sollen miteinander verbunden werden. Nachhaltigkeit ist ein wichtiger Schwerpunkt. Deshalb soll auch der UNESCO-Lehrstuhl für Soziale Nachhaltigkeit der Universität Szczecin einbezogen werden.

Flying Professors und englische Lehrsprache

Unterrichten werden zunächst Professoren der Universität Szczecin und der Hochschule Neubrandenburg. Später sollen weitere Hochschulen und Fachleute hinzukommen. Das Modell der „Flying Professors“ sieht vor, dass Spezialisten für bestimmte Lehrveranstaltungen nach Pasewalk kommen. Langfristig können das Wissenschaftler aus verschiedenen europäischen Ländern sein. Die wissenschaftliche Leitung liegt bei Professorinnen und Professoren, zusätzlich sollen Praktiker aus Unternehmen, Institutionen und anderen Bereichen eingebunden werden.

Die Unterrichtssprache soll Englisch sein, damit weder Deutsch noch Polnisch zur Zugangshürde werden. In der Aufbauphase können Teile des Studiums auch in Szczecin und Neubrandenburg stattfinden. Ein Teil soll aber ausdrücklich in Pasewalk stattfinden. Langfristig soll das Kolleg seinen Mittelpunkt dort haben.

Alte Mädchenschule als Campus

Als Ort für Lehre und Seminare ist die frühere Realschule beziehungsweise Alte Mädchenschule in der Innenstadt vorgesehen. Dort könnte ein multifunktionaler Bildungscampus auch für andere Nutzer entstehen. Die Nikolaikirche soll nach den Vorstellungen des Vereins als Aula für größere Veranstaltungen dienen.

Möglichst schon im November 2026 soll ein erster, teilweise öffentlicher Workshop stattfinden. Dazu sollen Professoren aus Szczecin und Neubrandenburg mit ihren Studenten zusammenkommen. Zunächst geht es um eine wissenschaftliche Bestandsaufnahme. Geklärt werden soll, wo Pasewalk und die Grenzregion heute stehen und welche wirtschaftlichen, sozialen und strukturellen Voraussetzungen vorhanden sind. Daraus sollen dann konkrete Forschungs- und Studienprojekte entstehen.

Grenzregion als Labor

Die Projekte „Pasewalk an der Uecker 2050“ und „Grenzüberschreitende Region Uecker-Randow 2050“ sind zentrale Arbeitsfelder. Wissenschaftler und Studierende sollen gemeinsam mit Akteuren aus der Region untersuchen, wie sich Pasewalk und das deutsch-polnische Grenzgebiet langfristig entwickeln können. Die Ergebnisse sollen konkrete Handlungsvorschläge für Politik und Verwaltung liefern. Akteure sind zum Beispiel Kommunen, Unternehmen, deutsch-polnische Organisationen, Forschungseinrichtungen und andere Institutionen. Diese sind häufig noch nicht ausreichend miteinander vernetzt. Genau diese Vernetzung ist ein wichtiges Ziel.

Theorie und Praxis sollen eng miteinander verbunden werden. Denkbar sind etwa dreimonatige Praktika bei Kommunen, Unternehmen oder Forschungseinrichtungen. Dort sollen die Studenten an konkreten regionalen Projekten mitarbeiten.

Zeitplan und Finanzierung

Zunächst müssen Angebote entwickelt werden, die sich in bestehende Studiengänge der beteiligten Hochschulen integrieren lassen. Das eigentliche Europa-Kolleg kann erst starten, wenn die institutionellen und rechtlichen Voraussetzungen geschaffen sind. Geplant ist ein dreijähriges Aufbauprojekt ab 2027. Wenn das gelingt, soll danach eine eigene rechtliche Struktur für das Europa-Kolleg entstehen. Das Ziel ist, dass etwa ab 2030 die ersten Studentinnen und Studenten in den neuen Masterangeboten in Pasewalk studieren.

Die Studiengänge müssen entsprechend entwickelt, anerkannt und akkreditiert werden, damit der Abschluss in Deutschland und Polen anerkannt wird. Wie viele Studenten einmal kommen sollen, lässt sich heute noch nicht seriös sagen. Das Kolleg soll privatrechtlich organisiert werden. Die Finanzierung soll auf mehreren Säulen stehen: öffentliche Fördermittel, Unterstützung durch Investoren und Unternehmen sowie später auch Studiengebühren. Noch werden keine einzelnen großen Geldgeber genannt. Angesprochen werden sollen nationale und internationale Fördergeber sowie Unternehmen und andere private Unterstützer.

Der Förderverein treibt das Projekt voran, organisiert den Aufbau und wirbt um Unterstützer. Der Verein ist grundsätzlich offen für neue Mitglieder. Auch die Stadt Pasewalk ist inzwischen Mitglied.

Der Zeitplan sieht vor: Der erste Workshop soll möglichst im November 2026 starten, Start des dreijährigen Aufbauprojekts 2027, Entwicklung der Studienangebote und Finanzierung bis Ende des Jahrzehnts – und nach der derzeitigen Planung ab etwa 2030 die ersten eigenen Masterangebote in Pasewalk.