Rund 35 Mitglieder des Familienverbandes derer von Winterfeld haben sich in Steinmocker in Vorpommern zu einem besonderen Familientreffen versammelt. Im Rahmenprogramm stand ein Besuch der Kirche zu Steinmocker, wo einst ihre Vorfahren Gottesdienste feierten und den Klängen derselben Glocke lauschten, wie Pastor Rupert Schröder zu Beginn seiner Andacht anmerkte.
Ein Wolf auf dem Kirchturm als Zeichen der Familie
Die Orte Steinmocker und Kagenow sowie weitere in der Region waren über Jahrhunderte im Besitz der Adelsfamilie von Winterfeld. Ein Wolf als Wetterfahne auf der Spitze des Kirchturms von Steinmocker zeugt davon. Ursprünglich gehörten dazu auch zwei Getreidegarben, die sollen nach dem Zweiten Weltkrieg allerdings Sowjetsoldaten als Zielscheibe genutzt haben, erzählt man sich.
Der Wolf, der über zwei Garben springt, ist das Wappen der Familie von Winterfeld. Da sich die Familie seit dem Mittelalter weit verbreitet hat, ist das Wappen an vielen Orten in ganz Deutschland und darüber hinaus zu finden, etwa auf einem Epitaph vom Ende des 17. Jahrhunderts im Greifswalder Dom St. Nikolai, in einem Fenster der Kirche zu Wintershagen (heute Grabno bei Ustka in Westpommern) und im Wappen der Stadt Peine östlich von Hannover.
Verbindung durch Herkunft und Verbreitung
Die Verbindung zwischen diesen Orten liegt in der Herkunft und Verbreitung der Familie, wie Hans-Leopold von Winterfeld bei der Andacht erklärte. Er ist Vorsitzender des Familienverbandes, der etwa 120 Mitglieder hat, die heute unter anderem in den USA, Australien, Südafrika, Dänemark und Deutschland leben.
Die Vorfahren stammen ursprünglich aus der Region um Braunschweig und Wolfenbüttel im heutigen östlichen Niedersachsen, wanderten später in die Altmark ein und verbreiteten sich von dem kleinen Ort Winterfeld bei Salzwedel zunächst in Vorpommern, der Uckermark und vor allem in der Prignitz.
Älteste Erwähnung in Vorpommern
Die älteste Erwähnung der Familie findet in Vorpommern statt, als ein Adam von Winterfeld im Jahr 1286 als Zeuge auf einer Urkunde erscheint. Hans-Leopold von Winterfeld, der selbst in Nieden in der Uckermark lebt, nimmt an, dass die Familie schon weitaus früher in der Region ansässig war. Damit sei die vorpommersche die älteste der vielen Linien der Familie, die inzwischen aber schon ausgestorben ist.
Der Familienverband sei nun zum ersten Mal in der Region unterwegs gewesen, um sich auf Spurensuche zu begeben. Alle zwei Jahre treffen sich die Mitglieder an verschiedenen Orten. Gegründet wurde der Verband bereits 1857, und 1882 wurde in Perleberg in der Prignitz eine entsprechende Familienstiftung ins Leben gerufen.
Unterstützung von Projekten und prominente Mitglieder
Der als Verein eingetragene Verband organisiert nicht nur Familientreffen, sondern unterstützt auch Projekte, die mit der Familiengeschichte zu tun haben, wie die Restaurierung des Epitaphs des Grafen Gustav von Winterfeldt im Greifswalder Dom, der zu seinen Lebzeiten in dänischen Diensten stand.
Im Laufe der Zeit hat die Familie einige Prominenzen hervorgebracht. So war Hans Karl von Winterfeldt Generalleutnant unter Friedrich dem Großen und gilt als einer der bedeutendsten Feldherren seiner Zeit, dem in Berlin unter anderem ein Denkmal auf dem Zietenplatz gewidmet ist. Auch George Levin von Winterfeld aus der uckermärkischen Linie war General in preußischen Diensten und erhielt für seine Verdienste von König Friedrich Wilhelm I., dem sogenannten Soldatenkönig und Vater des „Alten Fritz“, im Jahr 1723 das bisherige Lehnsgut Steinmocker als „Allodium“, womit es sein Eigentum wurde und er frei darüber verfügen und vererben konnte.
Das könnte der Anlass gewesen sein, das Wappen der Familie auf der Kirchturmspitze anzubringen, unter der sie sich nun wieder versammelt hat, hält Hans-Leopold von Winterfeld für wahrscheinlich.