In Jarmen an der Autobahn 20 ist ein Pilotprojekt für eine ganzjährige Gewächshausproduktion von Gemüse, Kräutern und Obst geplant – ohne Erde und mit regionaler Vermarktung. Das Investitionsprojekt stellte Unternehmer Raik Krohn im Jarmener Rathaus vor, im Beisein von MV-Wirtschaftsminister Wolfgang Blank (parteilos).
Standort im Gewerbegebiet westlich der A20
Als Standort ist der letzte freie Zipfel im Gewerbegebiet westlich der Autobahn 20 an der Anklamer Straße vorgesehen. Das Areal zwischen Hermes-Logistikzentrum, Autobahn und einem Solarpark war von der Kommune einst für den Neubau einer Getreidemühle reserviert. Die Kommune stellt die Fläche von zirka 17.000 Quadratmetern im B-Plan-Gebiet 8 erstmal per Pachtvertrag zur Verfügung.
Geplant sind zwei Gewächshaus-Trakte mit unterschiedlichen Nutzungsansätzen, flankiert von einem Duo aus Gastronomie und Hofladen. Hinter dem Projekt steht die Erntewelten Genossenschaft, die in Kooperation mit der Pflanzentheke GmbH agiert. Das Anbausystem kommt ohne Erde aus und funktioniert unabhängig vom Wetter.
Wasserersparnis bis zu 85 Prozent
Die Pflanzen wachsen in Röhren direkt in einer nährstoffreichen Wasserlösung. Sensoren und Regeltechnik steuern die Wasser- und Nährstoffzufuhr vollautomatisch. „Die Wasserersparnis gegenüber konventionellem Anbau liegt hier je nach Kultur bei bis zu 85 Prozent“, erläuterte Raik Krohn. Es gebe keine Überdüngung und dank des geschlossenen Kreislaufs kein Abwasser. Temperaturen und Licht werden künstlich optimiert, letzteres mittels LED-Technik, einschließlich der Simulation des Tag-Nacht-Wechsels.
Die Gestelle für die Pflanzen sind meist A-förmig aufgebaut, um den Platz vertikal besser auszunutzen. Bei bestimmten Kulturen kommen horizontale Anlagen mit flexibel verstellbaren Gattern zum Einsatz. „Mit unseren Systemen kannst Du über 60 verschiedene Kulturen anbauen“, heißt es von der Firma – vom Salat über Kräuter und Gemüse bis zu essbaren Blumen.
Industrieller Bereich und Erlebnisfarm
Der industrielle Produktionsbereich umfasst 160 Meter mal 40 Meter unter Folientunneln, unterteilt in vier Schiffe mit je zehn Metern Breite. Diese 6400 Quadratmeter bieten laut Pflanzentheke-Mann Krohn zirka 231.000 Pflanzplätze. 75 Prozent der Produktion sollen auf Salate entfallen, 25 Prozent auf Kräuter, veranschlagt mit einer Kulturdauer von 28 Tagen und zwölf Produktionszyklen pro Jahr.
Als zweites Standbein ist ein Urban-Farming-Pilotprojekt als Erlebnisfarm geplant: zwei Folientunnel mit je 54 Metern Länge und zehn Metern Breite, öffentlich zugänglich. Der eine bietet mehr als 9000 Pflanzplätze für Salate und Kräuter, der andere gut 5500 Erdbeerpflanzen. Vorgesehen sind Führungen, Selbsternte und eigener Anbau, etwa für Kindertagesstätten und Schulen. Im Hofladen mit Gastronomie sollen eigene Produkte direkt angeboten werden.
Projektstart Anfang 2027
„Wir wollen die Leute billiger versorgen als jeder Supermarkt“, so Raik Krohn. Er sprach von deutlich weniger als einem Euro pro Salat. Baulich sei außer der Errichtung der Folientunnel kaum mehr als „einmal abschieben und abschottern“ nötig, erklärte Krohn: „Das steht in sechs Monaten.“ Bei dem für Anfang 2027 anvisierten Projektstart sei davon auszugehen, dass ab dem dritten Quartal die ersten Lieferungen folgen. Langfristig könnten bis zu 14 Arbeitsplätze entstehen.