Katrin Sass zählt zu den prägendsten deutschen Schauspielerinnen – spätestens seit dem Überraschungserfolg von „Good Bye, Lenin!“. Die gebürtige Schwerinerin feiert heute ihren 70. Geburtstag. Aktuell ist sie im Usedom-Krimi zu sehen.
Rückkehr nach Schwerin
Katrin Sass hätte nie gedacht, dass sie einmal zurückziehen würde in ihre Geburtsstadt Schwerin. Seit eineinhalb Jahren lebt sie jetzt wieder dort. „Es war am Anfang schon schwierig“, verrät sie in der NDR Doku „Echt, Katrin Sass! Das Porträt“. Aber dann hat es angefangen, ihr zu gefallen. „Tschaka, es ist das Beste, was ich gemacht habe“, sagt sie in der Dokumentation. Sie könne den ganzen Tag auf dem Wasser verbringen und brauche dafür jetzt auch ihr Boot, erzählt Sass.
Erfolge und Tiefpunkte
Die Kindheit von Katrin Sass, so schreibt sie in ihrer Autobiografie „Das Glück wird niemals alt“, war geprägt von unbeschwerten Kindertagen, der ungeliebten Schulzeit und ihrer Mutter, der Schauspielerin Marga Heiden. Nach Schule und Postlehre ging es für Sass steil nach oben: Schauspielstudium in Rostock, erste Theaterauftritte und – noch als Studentin im dritten Studienjahr – die ersehnte große Filmrolle, 1979 in Heiner Carows Film „Bis dass der Tod euch scheidet“. 1982 gewann sie mit „Bürgschaft für ein Jahr“ den Silbernen Bären auf der Berlinale.
Doch es kamen auch harte Zeiten. Nach dem Mauerfall war zunächst Sendepause für Sass. Wenig später ging es vielversprechend weiter, mit der Rolle der Kommissarin Tanja Voigt im „Polizeiruf 110“ – bis man sie wegen ihrer alkoholbedingten Aussetzer rausschmiss. „Die haben mich schon zu Recht gefeuert, das war mit mir nicht mehr machbar“, erinnerte sich die Schauspielerin 2003. „Dann war das auch zu Ende, die Familie trennte sich, mein Mann kriegte natürlich auch Probleme, weil er mit mir auch nicht mehr leben konnte. Und so saß ich in Mecklenburg völlig alleine, ohne Arbeit, ohne Geld. Da wusste ich nicht mehr, wie ich da jemals rauskomme. Weil dieser Freund Alkohol dann hart zugeschlagen hat.“
Comeback und Gegenwart
Katrin Sass rappelte sich wieder auf, machte eine Therapie und bekam wieder Rollen. Zunächst in Michael Kliers Film „Heidi M“, ihre Rückkehr auf die Filmbühne, und wenig später in Wolfgang Beckers „Good Bye, Lenin!“, ihrem vielleicht erfolgreichsten Film. „Es war die härteste Arbeit, die ich überhaupt nach der Wende gemacht habe“, erzählt Sass. „Mit Wolfgang Becker zu arbeiten ist hart, aber eben richtig gut. Eine Kollegin von mir aus dem Osten, die meine Nachbarin spielt, die Christine Schorn, die kam irgendwann rein und sagte, ‚es ist eine ungeheure Spannung, aber es riecht hier nach Kunst‘. Das fand ich so toll und so treffend, weil ich das Gefühl auch hatte.“
Seit 2014 spielt Sass die Staatsanwältin Karin Lossow in der Kriminalfilmreihe „Der Usedom-Krimi“. Drei neue Folgen sind bis zum 19. Oktober 2027 in der ARD-Mediathek verfügbar. Die Sendetermine im Ersten: „Doppelmord – Der Usedom-Krimi“ am 22. Oktober, „Mörder unter uns – Der Usedom-Krimi“ am 29. Oktober und „Wunschkind – Der Usedom-Krimi“ am 5. November, jeweils um 20.15 Uhr. Auch mit 70 wird vermutlich noch lange nicht Schluss sein: Ein neuer Usedom-Krimi mit dem Arbeitstitel „Doppelmord“ wird gedreht – bis zum 11. Dezember.